Stauley (Henry Morton), berühmter Afrikareisender, geb. 1843, diente im amerik. Bürger-Rorei von 1861 als Freiwilliger in der Armee der Nordstaaten. Nach dem Friedensschluß bereiste er als Zeitungskorrespondent die Türkei und Kleinasien und nahm dann 1867 als Berichterstatter für die Zeitung Neu-Tork Heraldo am Feldzuge der Engländer gegen Theodor von Abessinien teil. Im 1869 gab ihm der Eigentümer jenes Blattes, ordon nett jun., den Auftrag, den verschollenen Livingstone in Afrika aufzusuchen; zuvor sollte er der Einweihung des Suezkanals beiwohnen, Agypten bereisen, dann Konstantinopel, die Krim, das Kaspische Meer, Bagdad, Persien und Indien besuchen. Im Jan. 1871 kam S. in Sansibar an und fuhr einige Wochen später nach dem afrik. Kontinent hinüber. Nach längerm Aufenthalt an der Küste trat er mit einer sehr großen Eskorte von Eingeborenen die Reise nach dem Innern an, erreichte unter außerordentlichen Schwierigleiten 3. Nov. Udschidschi am Tanganjikasee und fand hier Livingstone, der kurz zuvor aus Manjuema eingetroffen war. Im Dezember trat er mit Livingstone eine Reise um das nördl. Ende des Tanganzika herum an. Die Route, welche S. von Bagamojo nach Unjanjembe einschlug, war nicht die schon durch Speke und Grant bekannt gewordene, sondern eine nördlichere, die den südl. Bogen durch Ussagara abschneidet. Sein Weg nach Udschidschi führte ihn auf großem südl. Umwege durch noch unbekannte Landschaften. Am 18. Febr. 1872 erreichten die Reisenden Unjanjembe, wo Livingstone blieb, um Mittel zur Fortsetzung seiner Forschungen zu erwarten, während S. zurückkehrte. Im Mai 1872 erreichte letzterer wieder die Küste. Über seine Reise, die etwa 10000 Pfd. St. gekostet, berichtete S. in der bald nach seiner Rückkehr erschienenen, großes Aufsehen erregenden Schrift HowW I found Livingstone (Lond. 1872; deutsch: (Wie ich Livingstone fande, 2 Bde., Lpz. 1879; 2. Aufl. 1885); außer seinen eigenen Beobachtungen brachte er eine Anzahl überaus wertvoller Berichte Livingstones über das von letzterm erforschte See⸗ und Flußsystem im Südwesten und Westen des Tanganfika. In den J. 1873 — 74 wohnte S. dem britischen Feldzug gegen den König der Aschanti, Koffi Kalkalli, bei. Eine Schilderung dieses Feldzugs findet sich in S.s Buch Coomassie and Magdalap (Lond. 1874). Im 5. 1874 vereinigten sich die Eigentümer des Nev-Vork Heraldo und des londoner Daily Telegrapho, um auf gemeinschaftliche Kosten S. eine neue Afrikareise machen zu lassen. Im November Trdgemn Jahres verließ er mit 300 Soldaten und rägern Bagamojo und erreichte im Febr. 1875 den Ukerewesee (Bictoria Njansa). Im Jan. 1876 zog der Reisende nach der Residenz des Königs Mtesa von Uganda am Nordufer des Sees, der ihm 2000 Speerträger für eine Reise durch das feindliche Land Unjoro zum Mwutan, dem andern großen Quellsee des Nils, zur Verfügung stellte. S. erreichte 11. Jan. einen mächtigen See, den er für eine große Bucht am südl. Mwutan hielt und Beatrice-Bai nannte; nach spätern Aufnahmen des Mwutan durch den ägypt. Oberst Mason-Bei muß jedoch angenommen werden, daß S. nicht den gesuchten, sondern einen südlic ern See fand. Leider konnte S. denselben wegen Ungehorsams der Begleitung nicht befahren und kehrte daher nach Uganda zurück. Von hier wandte sich S. dann südwärts nach dem Lande Karagwe am Westufer des Ukerewe und versuchte, freilich vergebens, von hier zum Mowutan (Albert Njansa) vorzudringen. Dagegen erforschte er den Fluß Kagera, der dem Reisenden viel bedeutender erschien, als der südliche, bis dahin für den größten gehaltenen Zufluß des Ulerewe, der Schimiju. Dann wandte sich S. zum Tangansikasee, den er ebenfalls (Juni und Juli 1876) vollständig umfuhr und dessen Karte er mit vielen neuen Details uhe Ausf Der von Cameron entdeckte vermeintliche Ausfluß des Tanganjika nach Westen, der Lukuga, ist, S. zufolge, vielmehr ein ehemals in diesen See mündender Zufluß, der jetzt durch Steigen des Sees verschlammt und später allerdings letzterm einen Abfluß nach Westen eröffnen mag. Auf seiner weitern westwärts ein Nan-Reise gelangte S. zunächst nach Nĩangwe in Manjuema, brachte hier seine sehr zusammengeschmolzene Begleitung wieder auf 210 Mann, hueßen sich dann 5. Nov. 1876 auf dem bei Niangwe fließenden Lualaba ein und langte nach einer furchtbaren Stromfahrt, zahlreiche Katarakte und Schnellen überwindend und unter aufreibenden Kämpfen mit den Eingeborenen 8. Aug. 1877 in Mboma am untern Congo an, so die Identität des Lualaba mit dem Congo feststellend. Diese großartige Reise, die den Lauf des mächtigen, weit nordwärts ausbiegenden Congo (den S. Livingstone-Fluß umzutaufen versuchte) festestellt hat, brachte für das äquatoriale Afrika die Periode der großen Entdeckungen zu einem gewissen Abschluß, indem nun die Grundzüge jener Gebiete wenigstens im Rohen fest niedergelegt sind. So wurden mit Einem Schlage über 5000 km schiffbarer Wasserstraßen zum Herzen Afrikas uns bekannt gemacht, nur gestört durch zwei Hauptunterbrechungsgebiete von Katarakten und Stromschnellen. Schon vier Monate nach seiner Rücklehr veröffentlichte S. ein Werk über diese Reise unter dem Titel «Through the Dark Continento (Lond. 1878; deutsch von Böttger: »Durch den dunkeln Weltteilv, 2 Bde., Lpz. 1878; 2. Aufl. 1881). Als 1878 unter den Auspizien des Köni 8 Leopold II. von Belgien das Comité d Etue es du Haut Congo gegründet worden war, welches es sich zur Aufgabe stellte, die Möglichkeit des Handelsverkehrs mit Centralafrika nachzuweisen und dauernde Niederlassungen längs des Congo zu errichten, wurde S. von diesem Komitee mit der Leitung einer Expedition nach dem Congo betraut. Ende 1881 hatte die Expedition mit ihren Dampfern den obern Congo erreicht, nachdem zwischen Stanley Pool und dem untern Congo Stationen errichtet und umfangreiche Strecken Landes angekauft worden waren. Das Comité d'Etudes du Haut Congo nahm dann den Namen Association Internationale du Congo an. S. gründete noch an der Mündung des Kwa in den Congo eine Station, fuhr den Kwa aufwärts und entdeckte einen ungefähr 2000 akm großen See, dem er den Namen Leopolds II. gab. Vom Nov. 1882, während des J. 1883 und der ersten Hälfte von 1884 wieder am Congo thätig, errichtete er Stationen im Thal des Kuilu, eines Nebenflusses des Congo, erwarb neue Landstrecken für die Association und begründete Niederlassungen am obern Congo bis zu den Stanleyfällen, in einer Entfernung von 2240 km vom Meere. Im Aug. 1884 nach Europa zurückgekehrt, nahm er als technischer Kommissar des amerik. Bevollmächtigten an der in Berlin tagenden Westafrikanischen Konferenz teil und veranlaßte im Winter 1885/86 die Bildung eines aus engl. Unternehmern zusammengesetzten Konsortiums, das die Erbauung einer die untern Congofälle umahn bezweckt. Die Konzessionierung dieses Unternehmens durch Leopold II., als den Souverän des Congostaates, steht in Aussicht. Die Gründung dieses Staates schilderte S. in dem Werke The Congo and the foundation of its free stateo (deutsch von H. von Wobeser: «Der Congo und die Gründung des Congostaatsv, 2 Bde., Lpz. 1885). Die geogr. Resultate seiner Reisen sichern S. einen Rang unter den ersten Afrikaforschern; Petermann gab ihm den Beinamen eines Bismarck der Afrikaforschung. Hauptergebnis seiner ersten Expedition war der sichere Nachweis, daß der Tanganjika nicht, wie manche angenommen, zum Quellsystem des Nils gehöre. Auf der zweiten Reise stellte er zunächst durch vollständige Umfahrung des Ukerewesees dessen Einheitlichkeit fest, gegenüber der irrigen Meinung, daß derselbe vielmehr eine Seengruppe bilde; ferner entdeckte er einen neuen großen See, den Muta Rsige, und löste sodann durch jene welthistor. Durchquerung des dunkeln Erdteils das Rätsel des Congostroms, so den Hauptcharakterzug der centralafrik. Geographie klar legend. Eine für weitere Kreise bestimmte Bearbeitung seiner großen Congofahrt enthält Volz' &S.s Reise durch den dunklen Weltteilv (3. Aufl., Lpz. 1885)