Livingstone (David), berühmter Reisender, geb. 19. März 1813 zu Blantyre bei Glasgow. Sein Bater, ein armer Krämer, schickte ihn schon in seinem 10. Jahre zur Arbeit in eine Fabrik. Von seinem kärglichen Wochenlohn kaufte er sich Bücher, erlernte das Lateinische und hatte im Alter von 16 J. bereits Horaz und Virgil gelesen. Hierauf als Baumwollspinner angestellt, studierte er in den Wintermonaten zu Glasgow Griechisch, Medizin und Theologie und entschloß sich endlich, Missionar zu werden, um dadurch die längst ersehnte Gelegen-Ra zur Bereisung fremder Weltteile zu erlangen. Nachdem er vorher 1838 als Licentiat der Medizin promoviert, bot er seine Dienste der londoner Missionsgesellschaft an, bei der er eine günstige Aufnahme fand. Zum Geistlichen ordiniert, ging L. 1840 nach Südafrika, wo er der Genosse seines Landsmanns Robert Moffat wurde, der sich um die Verbreitung des Christentums unter den Ein-Tochter er sehr verdient gemacht hat und dessen Tochter er nachher heiratete. Neun Jahre lebte er als Missionar meist in Schokuane, der Hauptstadt des Bakuenastammes, und in den von ihm gegründeten Stationen Mabotsa und Kolobeng. Am 1. Juni 1849 unternahm er in Begleitung Oswells und Murrays seinen ersten Ausflug ins Innere, auf dem er den großen See Ngami (1. Aug.) und den aus demselben abfließenden Sugafluß erreichte. Noch wichtiger waren seine 1851—53 ausgeführten Reisen, die zu der Entdeckung des Liambey, d. h. des obern Zambesi, führten. Im J. 1852 brachte er seine Familie nach der Kapstadt, um sie nach Europa zurückzuschicken, und kehrte darauf an den Liambey zurück, den er aufwärts verfolgte; über Cassansche kam er 31. Mai 1854 nach Loanda. Von 1854 an durchkreuzte L. den ganzen afrik. Kontinent von Loanda an der Westküste bis Quelimane an der Ostküste (20. Mai 1856), wobei er im Nov. 1855 die Victoriafälle des Zambesi entdeckte. über Mauritius und Agypten nach England zurückgekehrt, legte er einen Bericht über seine Reisen und Entdeckungen in dem Werke Missionary travels and researches in South Africad (Lond. 1857; deutsch von Lotze, 2 Bde., Lpz. 1858) nieder und erhielt alsbald von der Regierung den Auftrag, die von ihm erforschten Regionen von neuem zu besuchen. J H seinem Bruder, Charles L., begleitet vom Kapitän Bedingfield, Dr. Kirk, Dr. Meller, R. Thornton und Th. Baines, segelte er 10. März 1858 von Liverpool ab, fuhr auf einem kleinen, für ihn erbauten Dampfer durch den Zambesi in den Fluß Schire ein, den er bis zu seinem Ursprung aus dem See Nyassa (16. Sept. 1859) verfolgte, und entdeckte unweit des erstern einen zweiten ausgedehnten See, den Schirwa (18. April 1859). Im ganzen aber erschienen die Ergebnisse dieser Expedition in praktischer Beziehung unbefriedigend, da weder der Zambesi noch seine Nebenflüsse für größere Fahrzeuge schiffbar sind und der Zustand des Landes die Anknüpfung von Handelsverhältnissen erschwert. Die engl. Regierung gab daher das Unternehmen vorläufig auf, und L. kehrte 1864 nach England zurück, besin (Lond. 1865; deutsch, Jena 1865) herausgab. Im März 1865 zum brit. Konsul für das innere Afrika ernannt, schiffte er sich im Herbst desselben Jahres zum dritten mal nach dem Schauplatze seiner Thätigkeit ein und landete im Jan. 1866 in Zanzibar. Er folgte dem Laufe des Rovuma, drang bis zum Myassa, den er 13. Sept. 1866 erreichte, überschritt 28. Jan. 1867 den Tschambesi, d. h. den entferntesten Quellfluß des Congo, kam im April an das Südende des Tanganjikasees, erreichte „8. Nov. den Lualaba und den Moeêrosee und kam 128. Nov. in Cazembes Stadt an, von der er 22. Dez. wieder aufbrach, um nach Norden bis Udschidschi vorzudringen. Doch wurde er durch die Regenzeit zur Umkehr gezwungen und traf 5. Mai 1868 wieder in Cazembes Stadt ein. Nun wandte er sich nach Süden und entdeckte 18. Juli 1868 den Bangweolosee. Von hier zog er nach Norden und erreichte 14. Febr. 1869 den Tanganjika, den er befuhr, bis er 13. März Udschidschi erreichte. Die nächsten dadee durchzog er das Manjuemaland im Nordwesten des Sees, das vom Lualaba (s. Congo) durchströmt wird. Seine Gesundheit hatte sehr gelitten, seine Vorräte gingen zu Ende, und völlig erschöpft traf L. 23. Okt. 1871 wieder in Udschidschi ein. Um so wichtiger war es, daß schon wenige Tage nachher (28. Okt.) der von James Gordon Bennett (s. d.) zur Aufsuchung des seit 1869 verschollenen Reisenden ausgesendete Amerikaner Stanley (s. d.) dort anlangte. L. kam dadurch in den Besitz alles dessen, was ihm fehlte, und konnte 20. Nov. Stanley auf einer Entdeckungsreise nach dem Nordende des Tanganjikasees begleiten, welche die wichtige Thatsache konstatierte, daß der Tanganjkasee dem Quellgebiete des Nils nicht angehöre. Beide Reisende kehrten hierauf nach Udschidschi zurück, und L. begleitete 26. Dez. Stanley von dort auf seinem Rückwege an die Küste bis Unjanjembe, zwischen Udschidschi und Zanzibar, wo beide 18. Febr. 1872 eintrafen. Am 14. März zog Stanley weiter, während L. in Unjanjembe blieb, um die Expedition von Leuten und Vorräten zu erwarten, welche Stanley verabredetermaßen sofort nach seiner Ankunft in Zanzibar organisierte. Nachdem diese Erpedition 14. Aug. 1872 in Unjanjembe eingetroffen war, trat L. 25. Aug. eine neue Reise nach dem Bangweolosee (s. d.) an. Auf dieser ging er längs des südöstl. Ufers des Tanganjika und um dessen Südende in das Land des Cazembe, wo er den Ufern des Sees an der Nord⸗, Ost⸗ und Südseite folgte. Dort erlag er der Dysenterie 1. Mai 1873 im Dorfe Tschitambo in Ilala. Seine treuen Diener trugen seine Leiche nach der Ostküste; von dort wurde sie nach England geführt und 18. April 1874, als die des verdienstvollsten Afrikareisenden der neuern Zeit, in der Westminster-Abtei in London beigesetzt. Seine Bronzestatue in Cast-Prince's-Street-Gardens in Edinburgh wurde 15. Aug. 1876, seine Kolossalstatue auf dem George-Square zu Glasgow 19. März 1879 enthüllt. Vgl. R. Andrée, «L. der Missionar (2. Aufl., Opz. 1869); «The last journals of David L. in Central-Africa, published by H. Wallero (2 Bde., Lond. 1874; deutsch, Hamb. 1875); Roberts, XLife and explorations of David L.v (Lond. 1874); Stanley, HoWI found L.o (Lond. 1872; deutsch, 2 Bde., Opz. 1879); Behm, «L.s Reisen in Innerafrika, 1866—735 (in Petermanns Mitteilungenv, Jahrg. 1875); Blaikie, Personal life of David L.y (Lond. 1880; deutsch von Denk, 2 Bde., Gütersloh 1881); Barth, «David L.v (3. Aufl., apße 1881).