FeedStopfen
Sitten & ModeBrockhaus 1882

Stopfen (frz. ravauder, raccommoder, rentraire; engl. darning, mending, rentering), eine der nützlichsten und zugleich schwierigsten Radelarbeiten, durch welche die fehlenden oder zerrissenen Fäden eines Gestricks oder Gewebes durch neue ersetzt werden. Das S. von Strümpfen u. s. w. geschieht mit dem nämlichen Material, aus welchem das Arbeitsstück selbst hergestellt ist. Zum S. von Geweben benutzt man am besten ausgefaserte Fäden eines neuen, dem alten entsprechenden Stoffs; andernfalls verwendet man Glanzgarn für Leinen und Damast, Baumwolle (Stopfgarn) für Shirting re. Entweder bedient man sich der eigentlichen Stopfnadeln oder langer Nähnadeln, die im Verhältnis zum Stoff feiner als beim Nähen sein 8335 en, da sie sonst das dünne Zeug leicht zerreißen; Ohr muß länglich sein, damit man den Faden, wesher der bessern Füllung wegen nur schwach gedreht sein darf, 885 drücken kann. Alles S., bis auf den Einschuß, d. h. die querlaufenden Fäden des Damastgewebes, wird auf der linken Stoffseite ausgeführt; auch muß dasselbe nach allen Seiten über die schadhafte Stelle hinausreichen. Man hat besondere Stopfstiche für einfaches, gestreiftes und karriertes Leinen, für einfachen Köper, für Köper mit Zacken, für solchen, dessen Streifen ein auf der Spitze stehendes Quadrat bilden, für Drillichgewebe, für Damast, für Tüll u. s. w. Beim Strumpfstopfen unterscheidet man die gewöhnlichen Gitterstopfe mit rechtwinkelig sich woblerhal-Fäden und die weit mühsamere, nur an wohlerhaltenen Strümpfen und an leicht sichtbaren Stellen anzuwendende Maschen-⸗ oder Strickstopfe, durch welche die Textur des gestrickten Strumpfes nachgeahmt wird. In neuerer Zeit hat man versucht, für die zeitraubende Arbeit des Strumpfstopfens Maschinen (Stopfmaschinen) zu konstruieren, doch haben dieselben bis jetzt keine praktische Bedeutung gewonnen. „In der Tuchfabrikation heißt Stopfen speziell das Zunähen der beim Scheren des Tuchs entstandenen kleinen Löcher, welches durch besondere Arbeiterinnen, Stopferinnen, geschieht.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 265Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 9

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Sitten & Mode 6