FeedDekatieren
TechnikBrockhaus 1882

Dekatieren (frz. décatissage, engl. steaming, shrinking, spunging), ein im J. 1822 in Pars erfundenes, seitdem wesentlich modifiziertes Verfahren, das ursprünglich angewendet wurde, um halbseidenen oder seidenartigen Wollzeugen, Tuchen und tuchartigen Stoffen vor der Verarbeitung den bei der Fabrikation durch das warme Pressen ereugten unschönen und beim Gebrauch schon durch Feuchtigkeit leicht vergänglichen Glanz (frz. cat oder cati) zu nehmen, um sie dafür mit einem der Eigentümlichkeit des Materials entsprechenden, milden und dauerhaften Glanz zu versehen. Gegenwärtig bildet das D. einen Teil der Appretur. arbeiten in den Tuchfabriken seioß und zwar wird dasselbe meist vor Beendigung des Rauhens und Scherens vorgenommen. Da hierbei zugleich die bei den vorgängigen Operationen durch energisches Recken bewirkte Spannung des Stoffs beseitig und so ein nachträgliches Eingehen desselben ver hindert wird, pflegt man das Verfahren auch ale Krimpen oder Krumpen wird das Tuch bezeichnen. Zu diesem Zweck wird das Tuch ent weder durch Eintauchen Wasser oder durch Behandlung mit Wasserdamp in dem erforderlichen Grade angefeuchtet, wona man Wasserkrumpe und Dampfkrumpe unterdatanf, Die wesentlichste Wirkung des D. beruht arauf, daß durch dasselbe das Wollhaar erweicht wird und sich infolge dessen glatt und fest an die Gge mehr mit Wasserdampf angewendet, für che einzachst Apparate in Gebrauch sind. Am einfachsten benutzt man hierzu die Dekatiermaschine, auch Dekatiertisch genannt, einen dene gewölbten kastenförmigen etallbehälter, essen siebartig durchlöcherter Deckel mit mehrern Lagen Leinwand überzogen und dessen Innenraum urch ein Rohr mit einem Dampfkessel in Verbinung gesetzt ist. Indem man den Stoff, mit der rechten Seite aufliegend, über den in enelbe angebrachten Apparat hinwegzieht, wird dersel vom Dampf durchdrungen und nimmt so die zum D. 1Matbode Feuchtigkeit auf. Nach einer andern seiner ganzen Peripherie durchlöcherten kupfernen Hohlcylinder gewickelt, um sodann, mit grober Leinwand bedeckt und mit einem straff angezogenen anf Vehalter der Einwirkung des Wasserdampfes ausgesetzt zu werden. Ofters ist die Kupfer⸗ oder Messingwalze an beiden Enden geschlossen, in welchem Fall der Dampf in das Innere derselben eingelassen wird. Der Stoff erhält hierdurch einen angenehmen Glanz, den er weder durch Nässe (selbst nicht im ärbekessel), noch durch das nachfolgende letzte Rauhen und Scheren, noch auch durch das Tragen der Kleidungsstücke verliert. Auch behält das auf der Oberfläche liegende Haar besser die Lage nach dem Strich, sodaß das Tuch sich nicht rauh trägt. In England bedient man sich einer Methode, nach welcher eine mit Tuch umwickelte Metallwalze mehrere Stunden lang stehend in einen mit siedendem Wasser gefüllten Behalter eingesenkt bleibt, wodurch der Stoff zwar weniger glänzend wird, behäl aber einen höhern Grad der Geschmeidigkeit ält. Zuweilen werden beide Behandlungsweisen, die der Wasser⸗ und die der Dampfkrumpe, in der Art miteinander verbunden, daß man den Stoff zuerst der Wirkung des Dampfes, dann auf derselben Walze der des kochenden Wassers aussetzt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 5Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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