FeedStrousberg (Bethel Henry)
Sport & SpielBrockhaus 1882

Strousberg (Bethel Henry), ursprünglich Baruch Hirsch Strausberg, ein durch den Umfang und die Kühnheit seiner Unternehmungen bekannter Industrieller, geb. 20. Nov. 1823 zu Neidenburg im preuß. Regierungsbezirk Königsberg, trat als Lehrling in das Kommissions- und Exportgeschäft seiner drei Oheime Gottheimer in London, wo er sich dann bald taufen ließ und Bethel Henry S.nannte. Später arbeitete er für engl. Zeitungen, trat namentlich mit größern Handelsblättern in Verbindung und wurde Berichterstatter für volkswirtschaftliche Versammlungen, sowie Agent für Versicherungsgesellschaften. Im J. 1848 ging er nach Amerika, kehrte jedoch bald nach England zurück. Hier widmete er sich hauptsächlich journalistischer Thätigkeit, später jedoch dem Versicherungswesen und siedelte deshalb 1855 nach Berlin über, um die Generalagentur der engl. Versicherungsgesellschaft Waterlooo zu übernehmen. Als 1861 ein Konsortium engl. Kapitalisten sich vergeblich beim preuß. Handelsministerium um die Konzession zum Bau der Tilsit-Insterburger Eisenbahn beworben hatte, gelang es S., Gesichtspunkte geltend zu machen, welche die Erteilung der Konzession herbeiführten. Es war dies in Deutschland der erste auf dem Prinzip der General-Entreprise beruhende Eisenbahnbau. S. wurde von der Gesellschaft mit einer ansehnlichen Gewinnquote an dem Unternehmen beteiligt und führte die Generalagentur für dasselbe, bis er sie 1863 aufgab, um als Bevollmächtigter derselben Gesellschaft den Bau der Ostpreußischen Südbahn zu übernehmen. Rasch folgte durch S. der Bau der Berlin-Görlitzer Bahn, der Rechten-Oderuferbahn, der Märkisch-Posener, der Halle-Sorau-Gubener, der Ungarischen Nordostbahn, der 1er a in Rumänien und der Hannover-Altenbekener Bahn. S. kaufte sodann die Egestorffsche Lokomotivenfabrik zu Linden bei Hannover, die Werke zu Neustadt am Rübenberge, die Hohofenanlage und die Grubenfelder zu Othfresen, die Arndtschen Schienenwalzwerke in Dortmund, Bergwerke in Schlesien und den neuen großen Viehhof in Berlin. Alle diese Anstalten wurden verbessert, vergrößert, umgeformt und auf die Höhe der Zeit, sowie zu einer großartigen ineinandergreifenden Produktion gebracht. Auch legte S. bedeutende Kapitalien in Grundstücken und Landgütern an, unter denen die böhm. Gesamtherrschaft Zbirow die bedeutendste ist. Einen außerordentlich mißlichen Verlauf nahm jedoch die Angelegenheit der rumän. Eisenbahnen, deren Bau die rumän. Regierung ihm und seinem Konsortium für eine bestimmte Summe pro Meile in General-Entreprise gegeben und deren Betrieb und Einnahmen sie ihm auf die Zeit von 90 Jahren zugesichert hatte. Für die Verzinsung mit 7½ Proz. der ausgegebenen Obligationen sollte das Baukonsortium sorgen, jedoch übernahm die rumän. Regierung den Obligationsinhabern gegenüber die Garantie dieser Zinszahlung. Gegen Ende 1870 erhoben sich zwischen S. und der rumän. Regierung Differenzen, infolge deren diese ihre Zinsengarantie zurückzog. S. entwarf einen Vergleich zur Beilegung des Zwistes; die Regierung zeigte sich geneigt, darauf aen Hear allein die rumän. Kammer verwarf denselben, beantragte vielmehr, S. und das Konsortium aus den Bahnen zu expropriieren, die fertigen und die im Bau begriffenen Strecken durch Taxatoren abzuschätzen und die Obligationen nur nach Höhe der Taxsteuer anzuerkennen, die Zinen der während des Streites aufgelaufenen insen aber nicht zu leisten. Diesem Kammerbeschluß kam die rumän. Regierung nach. Nach 1½ljährigem Streite kam ein Vergleich zu Stande, wonach S. seine Rechte und Pflichten an eine Aktiengesellschaft abtrat, die aus den Obligationsinhabern gebildet wurde. Er zahlte 10 Mill. Mark, während die rumän. Regierung eine kleinere Summe übernahm und der neuen Gesellschaft den Bau der noch nicht hergestellten Linien übertrug. Nach diesem empfindlichen Verlust verkaufte S. den berliner Viehhof, sowie die Werke zu Linden, Neustadt und Dortmund an Attiengeselschaften, um sich energisch der Exploitierung des großen, von ihm in Antwerpen erworbenen Terrains der Südcitadelle, sowie der Hebung seiner böhm. Herrschaft 3birow zu widmen. Indes wuchs das Mißtrauen n]in seine Unternehmungen immer mehr. S. vernmochte bei der großen Ausdehnung und Kompliziertheit derselben sie nicht mehr aufrecht zu erhalten, sodaß 1875 in Preußen, SÖsterreich und Rußland der Konkurs über sein Vermögen ausbrach. Er „wurde in Moskau verhaftet und nach langem Profzeßverfahren zur Verbannung aus Rußland verefurteilt, worauf er im Herbst 1877 nach Berlin zutfrückkehrte. Er starb daselbst 31. Mai 1884. Vgl. außer seiner Selbstbiographie &S. und sein Wirkeno (Berl. 1876) noch Korfi, 4 Bethel Henry „S. Biographische Charakteristik' (Berl. 1870) und (S. Der (Deinar0) M (Stuttg. 1875).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 311Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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