FeedStrophe (grch.)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Strophe (grch.) heißt in der Poesie, insbesondere in der lyrischen, eine größere rhythmische Periode, die durch Verbindung mehrerer Verse zu einem gegliederten Ganzen entsteht, und ist insofern gleichbedeutend mit dem, was der ital. Sprachebrauch als Stanze bezeichnet. Die Regelmäßigkeit in der Wiederkehr desselben Versmaßes und in neuern Sprachen der Reime bildet das äußere Merkmal der S. Sie muß in ihrem Bau für den äußern und innern Sinn faßlich sein und darf folglich weder durch Rhythmuslosigkeit in der Verbindung ihrer Glieder, noch durch übergroße Länge die übersicht hindern; die längste Strophenform ist die vierzehnzeilige, das Sonett. Die Alten gingen, wenigstens in ihren melischen Gedichten, nur selten über die vierzeilige S. hinaus. Eine Ausnahme machte die aus der dor. Lyrik stammende S. des dramatischen und Pindarischen Chors, die zwar gleichfalls dem Gesetz der rhythmischen Gliederun folgte, sich jedoch von der einfachern S. dadur unterschied, daß, während diese sich aus einzelnen Versen gliederte, in jener mehrere in sich verbundene Verse als Grundteile des Ganzen heraustraten, dessen überlänge durch begleitende Musik, Gesang und Tanz, sowie durch das Verhältnis zwischen S. und Antistrophe, d. i. Gegengesang, und den in dem abschließenden Epodos gegebenen Gegensatz Gnachd werden mochte. Die Alten teilten die S. nach der Anzahl ihrer Verse in zwei⸗, drei⸗ und vierzeilige, in Distichen, Tristichen und Tetrastichen, und nach ihren Erfindern und andern Merkmalen in Alcäische, Sapphische, choriambische u. s. w. ein. S., deren Verse einander gleich sind, heißen Monokola; solche, in denen zwei, drei und vier Versarten wechseln, Dikola, Trikola und Tetrakola. Die Poesie der neuern Nationen betrachtet vorzugsweise den Reim als Prinzip bei der Bildung von S. und findet in demselben ein willkommenes Mittel, selbst weit auseinandergelegene Verse in längere S., wie in der Canzone, zu binden und zu fester harmonischer Zusammenwirkung zu erheben. In der spätern Zeit sind die antiken S., von den deutschen Dichtern besonders seit Klopstock, oft sehr willkürlich geändert worden, während Voß und unter den neuesten Dichtern namentlich Platen, Chamisso und Lenau sie rein zu erhalten suchten. Vgl. Seyd, «Beitrag zur Charakteristik und Würdigung der deutschen S.y (Berl. 1874).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 311Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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