FeedArnim (Heinr. Alexander, Freiherr von)
ReligionBrockhaus 1882

Arnim (Heinr. Alexander, Freiherr von), preuß. Diplomat und Staatsminister, aus dem Hause A.⸗Suckow in der Ukermark, geb. 13. Febr. 1798 zu Berlin als der jüngste von 11 Geschwistern, zog vom Pädagogium zu Halle im Alter von 15 J. mit fünf seiner Brüder in den Freiheitskampf und studierte dann seit 1818 in Heidelberg. Seit 1820 wirkte er im preuß. Staatsdienste, zuerst als Gesandtschaftsattaché in der Schweiz, dann als Legationssekretär in München, Kopenhagen und Neapel. An letzterm Orte zum Geschäftsträger ernannt, wurde er 1829 in gleicher HWeGuim nach Darmstadt versetzt, wo er sich um die Entwickelung des Zollvereins verdient machte. Darauf trat er 1834 als Geh. Legationsrat und vortragender Rat in die polit. Abteilung des Ministeriums des Auswärtigen, ging 1840 als Gesandter nach Brüssel, wurde 30. Aug. 1841 in den Freiherrnstand erhoben und machte sich in Brüssel außer eutlf die Gründung einer deutsch-prot. Kirche namentlich durch die Förderung des am 1. Sept. 1844 abgeschlossenen belg-preuß. Handelsvertrags verdient. 13 seine Schrift: WMein handelspolit. Testamenty (Berl. 1844) trat er mit Entschiedenheit für den Freihandel ein. Im J. 1846 zum Gesandten in Paris ernannt, kehrte er nach der Februarrevolution 1848 nach Berlin zurück und wirkte hier in der Umgebung des Königs für eine deutsch-nationale und liberale Politik. Von ihm ging 21. März die bedeutsame Manifestation für die deut e Sache aus. An demselben Tage trat er als Minister des Auswärtigen in das vom Grafen A.⸗Boitzenburg gebildete und später durch Camphausen geleitete Ministerium, aus dem er jedoch schon im Juni 1848 wieder ausschied, da er sich mit dem demokratischen Geiste der Nationalbersammlung nicht befreunden konnte. Nachdem er kurze Zeit in Frankfurt a. M. und Reuwied zurückgezogen gelebt und zwei un ebevt (Frankfurt und Berlinp (Frankf. 1848) und ellber die Mediatisationsfrage » (Frankf. 1849), veröffentlicht hatte, wurde er im sichderde 1849 in die Erste Kammer anschloß und 1849—51 die reaktionäre Politik des Ministeriums Manteuffel energisch bekämpfte. Durch die Schriften „Zur Politik der Epigonen in Preußenv (Berl. 1850) und (Zur Politik der Contrerevolution in Preußenv (Berl. 1851) zog er sich den Haß der Feudalpartei in solchem Grade zu, daß er 1852 auf ihr Betreiben wegen Entstellung von Thatsachen und Beleidigung vor Gericht gestellt und zu einer Geldstrafe verurteilt wurde. Seitdem zog sich A. vom polit. Schauplatz zurück. Zwar wurde er nach dem Sturz Manteuffels von einem Wahlbezirk Berlins wieder zum Landtagsabgeordneten gewählt, bevor er jedoch das Mandat übernehmen konnte, starb er in Düsseldorf 5. Jan. 1861. A. gehörte zu den an ueel, die Führern der altpreuß. konstitutionellen Partei, die ihn wegen seines Geistes, Mutes, seiner Beredsamkeit und Erfahrung außerordentlich hoch schätzte. Vgl. Radowitz, Gespräche aus der Gegenwarte (4. Aufl., Stuttg. 1851), wo A. unter dem Namen Arnburg auftritt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 942Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 2

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Religion 6