Swedeuborg (eigentlich Swedberg, Emanuel), berühmter Gelehrter und Theosoph, wurde zu Stockholm 29. 90 1688 geboren. Von seinem Vater, dem Bischof von Westgothland, Jesper Swedberg, fromm erzogen, nahm sein phantasiereiches Gemüt frühzeitig die Richtung zur Schwärmerei. Seine Studien umfaßten Philologie, Philosophie, Mathematik und Naturwissenschaften, daneben auch Theologie. In den J. 1710—14 bereiste er England, Holland, Frankreich und Deutschland, besuchte die Universitäten dieser Länder und wurde nach seiner Rückkehr 1716 von Karl XII. zum Assessor beim Bergwerkskollegium in Stockholm ernannt. Die Erfindung einer Rollenmaschine, mittels welcher S. eine Schaluppe, zwei Galeeren und vier große Boote, die Karl XII. 1718 zum Transport des Belagerungsgeschützes nach Friedrichshall brauchte, fünf Stunden weit über Berg und Thal schaffte, wie seine Abhandlungen über Algebra, Wert des Geldes, Planetenlauf, Ebbe und Flut bewirkten, daß ihn die Königin Ulrike 1719 in den Adelsstand erhob und ihm dadurch das Recht der Reichsstandschaft gab. In Angelegenheiten seines Amts bereiste er 1720 die schwed. und 1721 die sächs. Bergwerke, über die er lehrreiche Abhandlungen schrieb; ähnliche Reisen unternahm er in die osterr. und böhm. Bergwerke. Eine Sammlung seiner „Opera philosophica et mineralogicas erschien 1734 (3 Bde.). Nachdem er 1736—40 neue Reisen nach Deutschland, Holland, Frankreich, Italien und England gemacht, wendete er seine naturphilos. Ideen auch auf die belebte Schöpfung, besonders den Menschen an. So in der „Oeconomia regni animaliso (Lond. 1740— 41) und in dem „Regnum animale (Bd. 1 u. 2, Haag 1744; Bd. 3, Lond. 1745), an welche sich das Werk oDe cultu èt amore Deis (2 Bde., Lond. 1740) anschloß, welches schon nicht mehr rein wissenschaftlich, sondern ebenso sehr poetisch und mystisch gehalten ist. Mehr und mehr verlegte sich nun S. auf theosophische Studien, trat 1747 von seinem Amte beim Bergwerkskollegium rück und wandte sich ganz der, wie er glaubte, im von Gott direkt aufgetragenen Gründung der sog. Neuen Kirche auf Grund der Offenbarung Johannis zu. Die theol. Bücher, die er in diesem Sinne schrieb und meist ohne seinen Namen herausgab, sind sehr zahlreich. Obenan stehen die cArcana coelestia, quae in scriptura sacra verbo domini sunt detectas (8 Bde., Lond. 1749 —56; deutsch, 16 Bde., Tübing. 1842—70). Seine angeblichen Erscheinungen, sowie die Lehren, welche seine Schriften enthielten, zogen ihm eine Anklage von seiten der Geistlichkeit zu, die ihm jedoch nicht schadete, da die vornehmsten Bischöfe seine Schriften billigten und der König Adolf Friedrich ihn schützte. S. starb zu London 29. März 1772. Bis an seinen Tod glaubte S. fest an die Wirklichkeit seiner Visionen und göttlichen Eingebungen. Was von seinem Fernsehen und von seinen Entdeckungen solcher Dinge, welche nur Verstorbene wissen konnten, erzählt wird, z. B. die Anzeige, die er in Gothenburg von dem Brande zu Stockholm in derselben Stunde, als dieser entstand, gegeben ben soll, gab Kant und Thiebault Stoff zu kritichen Prüfungen. S. selbst erzählte in seinen Schriften dergleichen nicht, da er seinen Lehrbegriff einzig auf die Heilige Schrift als ausschließliche Erkenntnisquelle gründen wollte und daher auch sich nur eine innere Offenbarung der heiligen Erleuchtung, die ihm während des Lesens des Wortes zuteil geworden, nicht aber eine äußere Offenbarung durch Engel zuschrieb. Seine Schriften gelten daher auch seinen Anhängern nicht als Wort Gottes, sondern, wie die Briefe der Apostel, als die wahre Lehre aus dem Worte, welche demnach aus diesem bewiesen sein muß. Wie S. im einzelnen den Inhalt der Schrift auslegte und den kirchlichen Lehren von der Dreieinigkeit, der Erbsünde, der Erlösung, dem Jüngsten Gericht u. s. w. tiefere Begründung zu geben uchte, darüber findet sich eine gute Zusammenstellung in Tafels «Lehrgegensätzen der Katholiken und Protestanten (Tüb. 1835). Die Zahl der Anhänger S.s (Swedenborgianer) nahm nur langsam zu. In Stockholm bildete sich 1786 die eregetisch-philanthropische Gesellschaft, die mehrere Werke S.s übersetzte und hochstehende Männer, darunter selbst den nachmaligen König Karl XIII., unter ihre Mitglieder zählte. Diese Gesellschaft löste sich aber wieder auf, und 1796 entstand eine neue, Fide et charitate genannt, welche noch besteht und im ganzen Reiche verbreitet ist. Als Mittelpunkt der neuen Kirche ist indessen England zu betrachten, wo es hauptsächlich Geistliche der Hochkirche waren, welche auf die Massen wirkten. So schon S.s Freund, Thom. Hartley, Rektor von Winwick, welcher zwei Werke von ihm ins Englische übersetzte und diese mit philos. und theol. Vorreden versah. Das meiste aber that seit 1773 John Clowes, Rektor der St.⸗Johnskirche zu Manchester (gest. 1831), der nicht nur die meisten Werke S.s ins Englische übersetzte, sondern auch außerdem 60 andere Werke zur Verteidigung, Erklärung und Anwendung derselben schrieb. Im J. 1782 gründete er zu Manchester eine Gesellschaft zum Druck der Swedenborgschen Werke, welche schon 1818 über 260000 Bücher verbreitet hatte. Seitdem nahm die Gesellschaft und auch ihre Wirksamkeit noch sehr bedeutend zu. Besondere Gemeinden der Swedenborgschen Kirche mit eigenen Geistlichen und einem ihrer Lehre entsprechenden Kultus bildeten sich in England seit 1788 und wuchsen seitdem bis zu ungefähr 50 in dem Vereinigten Königreich. Sie gaben sich bald eine repräsentative Verfassung, und eine ähnliche haben sich auch die zahlreichen Gemeinden in den Vereinigten Staaten von Amerika gegeben. Die Synoden beider Länder stehen durch jährliche Adressen in Verbindung. Die Minutesv und Journals of proceedingso, und in England noch außerdem seit 1830das JournaleThe intellectual repository and New Jerusalem magazine sind die offiziellen Organe der neuen Kirche. In England traten seit 1806 die von der alten Kirche äußerlich getrennten und die nicht getrennten Anhänger der Lehre jährlich zu Harkstone in Eine Versammlung zusammen. Im J. 1813 hatte sich zu Manchester und Salford auch eine Missionsgesellschaft der neuen Kirche gebildet, der 1820 eine Hilfsgesellschaft zu London beitrat: 1821 bildete sich aber auch hier eine besondere Missions⸗ und Traktatengeseilschaft und 1822 eine ähnliche zu Edinburgh. Eine Freischule für Knaben wurde 1813 und eine andere für Mädchen 1827 zu London errichtet. Von den getrennten Mitgliedern der neuen Kirche haben sich als Prediger und Schriftsteller ausgezeichnet in England Rob. Hindmarsh, Joh. Roud und Sam. Noble; in Amerika M. B. Roche, früher Prediger der bischöfl. Kirche. In Frankreich schrieb E. Richter ein Werk über S.s La Nouvelle Jérusalemo (S Bde., Par. 1832 35). In Deutschland hatte zuerst Oetinger von 1765 an einiges von S. ins Deutsche übersetzt, das später in neuen Auflagen erschien. Neue, bis dahin noch unübersetzte Werke S.s vereinigte Tafel in einer Sammlung (8 Bde., Tüb. 1823—36), der auch eine kritische Ausgabe der Arcana coelestiao (13 Bde. Tüb. 1833—42) besorgte. Diese sowie andere Schriften S.s haben Tafel und Hofacker auch ins Deutsche übersetzt. Vgl. die biographischen Schriften von Schaarschmidt (Elberf. 1862), Matter (Par. 1863) und White (2 Bde., Lond. 1867).