FeedTabak (Nicotiana I.)
PflanzenreichBrockhaus 1882

Tabak (Nicotiana I.), eine zur Familie der Solaneen gehörende Pflanzengattung, deren Arten gegen 40 meist einjährige Kräuter, mit Ausnahme weniger in Australien und vielleicht in Südasien wachsender, in Amerika zu Hause sind. Ihre Blüten haben einen röhrig-glockigen Kelch mit fünfspaltigem Saum und eine trichter-oder tellerförmige Blumenkrone mit faltig-fünflappigem Saum. Die Staubgefäße sind in der Röhre der Blumenkrone eingefügt und eingeschlossen. Aus dem von einem lappigen Ringe umgebenen Fruchtknoten, welcher einen fadenförmigen Griffel mit knopfiger Narbe trägt, entwickelt sich eine zwei⸗ bis vielklappige Kapsel, welche von dem stehenbleibenden und nach der Blütezeit sich vergrößernden Kelch umschlossen ist und viele kleine Samen enthält. Die Blüten sind in Trugdolden und Wickeltrauben, welche meist wieder rispenförmig gruppiert erscheinen, geordnet, die Blätter abwechselnd, nebenblattlos, ungeteilt, oft auch ganzrandig, meist groß und wie die ganze Pflanze gewöhnlich mit klebrigen Drüsenhaaren bekleidet. Die bekanntesten und wichtigsten Arten sind: der gemeine oder Virginientabak icotiana Tabacum L.; vgl. Tafel: Industriepflanzen II, Fig. 2), der großblätterige Marylandtabak (N. macrophylla Syr.) und der Bauerntabak (N. rustica L.). Die beiden ersten Arten haben lange Blumen mit grünlicher Röhre und schön pfirsichrotem Saume; die dritte kürzere Blume von gelblichgrüner Farbe. Alle drei stammen aus Amerika und sind stattliche Stauden, namentlich die beiden ersten. Der gemeine T., dessen Blüten in großen ausgebreiteten Rispen stehen, hat große, lanzettförmige, spitze Blätter, deren Seitenrippen unter spitzem Winkel von der Haupt- oder Trugdoldrippe abstehen, der großblätterige T. breite, eiförmige, stumpfe Blätter mit fast rechtwinkelig von der Mittelrippe abgehenden Seitenrippen und zusammengezogene Rispen. Nach einigen sind diese beiden Arten nur Varietäten einer und derselben Art (der N. Tabacum). Bei dem Bauerntabak sind die stets kleinern Blätter eiförmig und stumpf, die Blüten in rispig gruppierte, knaulförmige Wickeltrauben gestellt. Von den genannten Arten sind durch die langjährige Kultur zahlreiche Abarten entstanden. Im Handel unterscheidet man diese einzelnen Sorten nicht nach den botanischen Namen, sondern nach den Ländern und Gegenden, wo sie gebaut werden. Am häufigsten werden N. Tabacum und rustica angebaut. Zur erstern Art gehören sowohl sehr gemeine, schlechte, als auch die feinsten Havanasorten; zu letzterer, deren Kultur vorzüglich in Europa (hier sogar noch in Ostpreußen) betrieben wird, gehören neben ganz ordinären Sorten auch die vorzüglichsten ungarischen, südrussischen und türkischen T. Den Gebrauch des T. als Genußmittel fand Columbus, der Entdecker Amerikas, 1492 bei den Bewohnern der Insel Guanahani vor, welche denselben in cylinderförmigen Rollen, von einem Maisblatt gebildet, rauchten. Die Indianer sollen diese Rollen, jedenfalls das Vorbild der bei den Spaniern und Portugiesen beliebten Papelitos (Cigarretten oder Papiercigarren), tabacos genannt haben. Nach andern soll der Name T. von der Insel Tabago (engl. Tobago) oder von der Provinz Tabasco in Centralamerika herrühren. Die gleiche Sitte berichtet Las Casas von den Bewohnern Haitis, sowie der Monch Romana Pane, der die Pflanze 1496 zuerst beschrieb, von denen Hispaniolas, bei welchen das Kraut den Namen Cohoba führte. Auch in Pucatan und Mexiko war das Tabakrauchen vor Ankunft der Europäer bekannt, nicht aber in Südamerika, wo es jedoch jetzt allgemein, selbst bei den Ureinwohnern verbreitet ist. Bei den Indianern Nordamerikas war die Sitte sehr alt, wie die noch häufig aufgefundenen Pfeifen beweisen. Dieselben sind noch setzt sämtlich leidenschaftliche Raucher und stolz auf den Besitz schöner Pfeifen. Der T. galt als heiliges Kraut, und das Rauchen war ein religiöser Gebrauch, ein der Sonne und dem großen Geiste gebrachtes Opfer. In Europa wurde die Tabakspflanze, von der Gonzalo Hernandez de Oviedo zuerst Samen aus Amerila nach Spanien gebracht haben soll, anfangs nur als Zierpflanze gebaut, bis sie Nicolo Menardes als Arzneipflanze pries. In Frankreich ward sie durch Jean Nicot, franz. Gesandten in Portugal, 1560 von Lissabon aus bekannt. Nicot baute die Pflanze zuerst in seinem Garten, empfahl sie als Heilpflanze und soll viele Wunderkuren mit ihr verrichtet haben. Ihm zu Ehren ward später die Pflanzengattung Nicotiana genannt. In Frankreich wurde auch das

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 429Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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