FeedThemse lengl. Thames
ErdkundeBrockhaus 1882

Themse lengl. Thames (spr. Täms, frz. Tamise, im Altertum Tamèsis oder Tamésa, angelsächs. Taemese), der größte Fluß Englands und in kommerzieller Hinsicht der belebteste der Erde, in seinem obern Laufe bis Oxford von den Gelehrten mit dem den Landbewohnern unbekannten Namen Isis benannt, entspringt in einer Höhe von 114,5 m an der Grenze von Wilt⸗ und Gloucestershire aus dem im Sommer wasserarmen Thames-Head, nicht weit südwestlich von Cirencester. Sie empfängt zunächst von West-Crudwell her den vollern Swillbach (Swill Brooke) und fließt dann ostwärts über Cricklade und Lechlade nach Orford, wo sie links den von manchen Geographen ebenfalls als Quellarm anesehenen Cherwell aufnimmt. Dann läuft sie bis eading südostwärts, auf welcher Strecke sie bei Dorchester zwischen Abingdon und Wallingford durch die schiffbare Thame verstärkt wird, aus deren und der sog. Isis Namen e5 einer alten, aber nicht begründeten Annahme die Benennung T. korrum piert sein soll. Weiterhin bespült der Fluß den westl. Rand der kreidigen Chiltern-Hills. Von Reading an fließt die T. in mehrern großen Bogen im ganzen wieder gegen Osten, zunächst durch das Waldthal von Henley, Marlow und Maidenhead nach Windsor und Eton. Hierauf berührt sie Staines, Chertsey, Hampton, Kingston, Twickenham, Richmond, Brentford, Chelsea, die Weltstadt zondon, dann Deptford, Greenwich, Blackwall, Woolwich und Gravesend und mündet zwischen Sheerneß, auf der Insel Sheppey in Kent, und dem Kap Shoeburyneß in Esser, 75 Km unterhalb Londons in die Nordsee. Bei Dis zu. 0 nimmt sie den Namen Nore, weiterhin, bis zu ihrer meerbusenartigen Erweiterung den Namen Swin an. Vom Norelight, dem schwimmenden Leuchtfeuer im Nore, beträgt der direkte Abstand bis zur Quelle 202 Km, die ganze Stromentwickelung 349,6 Em, wovon 316,5 km (bis Lechlade) schiffbar sind. Die Breite der T. beträgt bei Sheerneß 8 EKm, bei Greenwich zur Ebbezeit 550 m, in London, welches sie über 12 km weit durchfließt und wo sie von Londonbridge (der untersten der neun Brücken) bis zu den Wes india-Docks von den Schiffern Poolo genannt wird, zwischen 210 und 440 m. Von London aufwärts aber wird sie sehr schmal. Mit Ausnahme einiger Untiefen (shoals) hat die T. bis zur Londonbridge aufwärts 3,6 bis 4,3 m Tiefe. Die Flut steigt alle 12 Stunden 4—7 m senkrechter Höhe mit einer Schnelligkeit von 3 bis 4 km auf die Stunde. Die Schleuse Teddington-Lock (31 km oberhalb Londonbridge) setzt dem Fortschreiten der Flut eine Grenze. Bis Deptford ist der Fluß für die größten Seeschiffe, wie Ostindienfahrer und Kriegsschiffe, fahrbar, bis Blackwall für Schiffe von 1400 t (3 20 Ctr.), bis Londonbridge für Schiffe von 300 t. hrer Tiefe und der Gunst der Meeresflut verdankt ie und namentlich London (s. d.) einen Verkehr, wie ihn kein Strom, keine Stadt der Welt aufzuweisen hat. Von London aufwärts bis Lechlade (240 km oberhalb der Londonbridge) kann die nur mit Barken vermittelst mehrerer Schleusen befahren werden. Mit dem Innern des Landes ist der Fluß durch viele Kanäle in Verbindung gesetzt, darunter der Grand-Junction⸗, Orford⸗, Paddington⸗, Regent⸗, Thames⸗ und Severnkanal. Letzterer verbindet in einer Ausdehnung von 48 Em Lechlade mit Stroud und Froomlade an der Severn, 11 km unterhalb Gloucester. Der gewöhnliche Wasserweg zwischen London und Bristol ist jedoch der Kennet⸗ und Avonkanal, welcher, 11 km lang, von Reading nach Bath am Avon führt. Das Flußgebiet der T. gehört 12 Grafschaften an und umfaßt 13370 qkm. Oberhalb London ind die Ufer vortrefflich angebaut und bieten mit Gart Städten, Flecken, Dörfern, Landhäusern, ärten, Wiesen, Triften und waldbegrenzten Hüeln eine reizende Aufeinanderfolge landschaftlicher Seenerte. Unterhalb London, wo die Ufer meist flach sind und das Marschland, da es bei hoher Flut um Teil 2 m unter dem Wasserspiegel liegt, durch Lostspielige Faschinendämme geschützt werden muß, verwandelt sich die Ansicht zu einem Bilde des großartigsten Weltverkehrs durch das rege Leben auf beiden Ufern, durch Städte, wie Greenwich mit dem großen Invalidenhospital, Deptford und Woolwich mit zahlreichen Docks, Arsenalen und Magazinen für die Flotte, und Gravesend, welches Badeort, Endpunkt des londoner Hafens und Sammelplatz der großen in See gehenden Kauffahrer ist. Von der linken Seite her münden in die T. der Churn bei Cricklade, der Coln und der Leach oder Lech bei Lechlade, der Windrush und Cvenlode, der Cherwell bei Orford, die erwähnte Thame, der Colne bei Staines, der Brent bei Brentford, der Lea bei Blackwall, der Roding, Bourn oder Rumford-River und Ingerbourn; von der rechten Seite der Ock bei Abingdon, der Kennet bei Waadie der Lodden, der Wey oder Wye, der Mole, Wandle, Ravensbourne und Darent. Nur Lea, Kennet, Wey und Darent sind für die Schiffahrt von Bedeutung. Außerdem gilt als Nebenfluß der Medway (s. d.), der wichtigste von allen. Die Mündung der T., jetzt geschützt durch die Werke von Sheerneß, die Forts Tilbury, New-⸗Tavern und zwei schwimmende Batterien bei Gravesend, war ehedem nur gering verteidigt, sodaß die Holländer im Kriege von 1665 bis 1667 sogar mit Erfolg eine Invasion wagen konnten, 10. Juni 1667 in die Themsemündung einliefen, mehrere engl. Kriegsschiffe nahmen und die Stadt London in den größten Schrecken setzten. Das Ereignis hatte den Frieden von Breda 21. Juli 1667 zur Folge. Auch die Mündung des Medway ist durch zwei Forts unterhalb Gillingham geschützt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 612Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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