Themistökles, der genialste aller athen. Feldherren und Staatsmänner, war der ohn des Eupatriden Neokles und 525 v. Chr. geboren. Seine Mutter war eine Thrazierin Abrotonon, nach dem Historiker Phanias dagegen hieß sie Euterpe und stammte aus Halikarnaß. Schon frühzeitig zeichnete er sich durch Schärfe seines Verstandes, glänzende Begabung und glühenden Ehrgeiz aus und bot alles auf, um eine hervorragende Rolle im öffentlichen Leben zu spielen. Als sein großer polit. Gegner Aristides, der Führer der gemäßigten Demokratie und der konservativen Partei, der ihm in sittlicher Hinsicht überlegen, an Scharfblick und Beweglichkeit des Geistes aber bei weitem nicht gewachsen war, durch den Ostrazismus (s. d.) aus Athen entfernt worden war (483), trat T. entschieden an die Spitze des athen. Staats. Er wurde der eigentliche Schöpfer der athen. Seemacht, indem er (487) einen Volksbeschluß erwirkte, wonach die bedeutenden Einkünfte aus den Silberbergwerken von Laurion, welche bis dahin alljährlich unter die Bürger verteilt worden waren, zum Bau von Kriegsschiffen verwandt wurden. Beim Heranrücken des Heeres des Xerxes bewog er nach der Schlacht bei Thermopylä die Athener, ihre Stadt, welche gegen die ungeheuere Übermacht der Perser nicht zu halten gewesen wäre, preiszugeben und sich, nachdem sie Weiber, Kinder und Greise auf der Insel Salamis und in Troizen in Sicherheit gebracht, auf die Flotte zurückzuziehen. Er war es auch, der mit der gewaltigsten Anstrengung und in fortwährendem Widerstreite gegen die engherzigen Gedanken der Peloponnesier die griech. Flotte in der Meerenge von Salamis zusammenhielt und sie nötigte, den Kampf mit der persischen hier aufzunehmen (im Sept. 480 v. Chr.), welcher Kampf fur die Rettung Griechenlands entscheidend wurde. Nach der Niederlage der Perser bei Platää im Sept. 479 gingen die Athener zunächst an die Wiederherstellung ihrer in Trümmern liegenden Stadt, die nun auf T. Rat in weiterm Umfange aufgebaut und ugleich mit dem neuen Hafenplatze Piräus, dessen? nlage ebenfalls durch T. 493 v. Chr. begonnen worden war, durch Ich Ringmauern stark befestigt wurde. Die Veruche Spartas, die Vollendung der Befestigung zu hindern, wußte er mit großer Schlauheit zu vereiteln. T. stand jetzt auf dem Gipfel seines Ruhms, der weit über die Grenzen seines engern Vaterlandes hinausreichte; aber sein stolzes Selbstbewußtsein und sein rücksichtsloses Auftreten arbeitete seinen polit. Gegnern, die von Sparta unterstützt wurden, in die Hände, und es gelang diesen 470 v. Chr., seine Verbannung aus Athen durch den Ostrazismus durchzusetzen. Während er als Verbannter in Argos lebte, wurde er auf Betrieb der gegen ihn sehr erbitterten Spartaner durch den Athener Leobotes als angeblicher Mitschuldiger des Pausanias des Hochverrats an Griechenland angeklagt und aufgefordert, sich vor einem hellen. Gerichtshofe in Sparta zu verantworten. Da er sich natürlich nicht stellte, wurde er zum Tode verurteilt, obwohl ein Beweis seiner Schuld niemals geführt worden ist, und konnte (466465) weder in Korkyra, wohin er sich von Argos aus zuerst geflüchtet hatte, noch in Epirus am Hofe des Molosserkönigs Admetos Schutz und Sicherheit finden. Endlich Klang es ihm unter mancherlei Fährlichkeiten nach Kleinasien u entkommen, von wo er mit Hilfe eines Gastfreunes Nikogenes sich direkt nach Susa an den Hof des pers. Königs Artaxerxes I. begab und diesem (Spätsommer 465) seine Dienste anbot. Der König, der in ihm das geeignetste Werkzeug zur Rache an den Hellenen gefunden zu haben glaubte, nahm ihn freundlich auf, gab ihm die Stadt Magnesia am Mäander als fürstl. Sitz und außerdem die Einkünfte verschiedener anderer kleinasiat. Städte zu seinem Lebensunterhalt. Hier lebte er bis zum J. 459, wo ihn ein schneller, vielleicht nicht natürlicher Tod vor der traurigen Notwendigkeit, die Flotte des Nationalfeindes gegen seine eigene Schöpfung zu führen, rettete. Aus dem Altertum ist eine ausführliche Lebensbeschreibung des T. von Plutarch, eine kürzere von Cornelius Nepos vorhanden. Die unter T. Namen auf uns gekommenen 21 Briefe sind, wie zuerst Bentley bewiesen hat (Abhandlungen über die Briefe des Phalaris, T., Sokrates etc.», deutsch von Ribbeck, Lpz. 1857), unecht, obgleich sie in der neuesten Zeit einen Verteidiger gefunden haben an M. de Koutorga (Par. 1861). Vgl. Bauer, al Tuamesf. (Merseburg 1881).