FeedTierische Wärme
HimmelskundeBrockhaus 1882

Tierische Wärme, s. Wärme (tierische). Tierkreis. Die Bewegungen der meisten Planeten, namentlich aller schon im Altertum bekannten, geschehen, von der Erde aus gesehen, in einem schmalen Gürtel des Himmels, der wenig über 207 breit ist und von der CEkliptik (s. d.) in zwei Hälften geteilt wird. Dieser Gürtel wird der T. oder Zodiakus genannt und in zwölf gleiche Teile, Zeichen (ehemals Dodekatemoria) genannt, eingeteilt. Die Namen und Bezeichnungen dieser Zeichen (erstere größtenteils von Tieren entlehnt, daher die Benennung T.) sind der Reihe nach, wie sie von der Sonne durchwandert werden, oder von Westen nach Osten folgende: Widder (V), Stier (S), Zwillinge (I), Krebs (S), Löwe (), Jungfrau (up), Wage (O), Skorpion (m), Schütze (“), Steinbock (8), Wassermann (=) und Fische 60. Sie Sonne, welche im Frühjahr im Zeichen des Widders steht, verweilt etwa einen Monat lang in jedem Zeichen und durchwandert sie so der Reihe nach alle in einem Jahre. Die drei ersten Zeichen heißen daher die Frühlingszeichen, die drei folgenden die Sommerzeichen, das siebente bis neunte die Herbstzeichen und die drei letzten die Winterzeichen. Außerdem nennt man die sechs ersten auch die nördlichen und die sechs letzten die südlichen, ferner die drei ersten und die drei letzten zusammen die aufsteigenden, die sechs übrigen die niedersteigenden Zeichen. Mit den Zeichen der CEkliptik stimmen die gleichnamigen Sternbilder des T. gegenwärtig nicht mehr überein, ausgenommen hinsichtlich der Aufeinanderfolge. über das Alter des T. ist viel Streit gewesen, namentlich seitdem man die bekannten Zeichen auf ägypt. Denkmälern wiedergefunden hatte. In einem Dachzimmer des Tempels von Denderg (s.d.) wurde von der franz. Kommission unter Napoleon ein rundes Deckenbild entdeckt und in den untern Räumen desselben Tempels ein viereckiges, welche beide unter andern Sternbildern die griech. Zodiakalzeichen enthielten, und man war geneigt, diesen ein hohes Alter zuzuschreiben. Durch Champollions Entzifferung der phonetischen Hieroglyphen stellte sich aber heraus (1824), daß die Skulpturen des Tempels von Dendera erst in die röm. Kaiserzeit gehören. Der runde T., der ältere von beiden, entstand frühestens unter Kleopatra und Cäsarion und bezog sich nicht unwahrscheinlich auf das Ereignis der Geburt des letztern. Vgl. Riel, Der T. und das feste Jahr von Denderav (Lpz. 1878). Es ist anzunehmen, daß die Griechen ihre Zeichen von den Chaldäern übernahmen. Die Agyyter erhielten sie im 1. Jahrh. v. Chr. erst von den Griechen und nahmen sie in Dendera und Esneh unter die altägypt. Sternbilder auf.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 692Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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