FeedTorshök
ErdkundeBrockhaus 1882

Torshök, Kreisstadt im russ. Gouvernement Twer, gehört zu den ältesten Städten Rußlands und war ehedem eine nicht unwichtige Festung. Die Stadt liegt, seit dem großen Brande von 1767 neu erbaut, zu beiden Seiten der Twerza, an der Zweigbahn Ostaschkow-Rshew der Petersburg-Moskauer Eisenbahn, hat einen bedeutenden Umfang, zählt aber nur 12910 E. (1883) und ist wegen des bedeutenden Verkehrs wichtig, der von hier aus mit den Hauptstädten Rußlands, besonders mit Petersburg und zum Teil sogar mit dem Auslande unterhalten wird. Vornehmlich tragen zu diesem Handel bei die schon seit Jahrhunderten in T. bestehenden 12 Leder-⸗ und Corduanfabriken, sowie die Corduan- und Saffianstickereien in Gold und Silber, welche unter dem Namen türk. Stickereien, kasan. Stiefeln u. s. w. bekannt sind. Der bei weitem größte Teil der Einwohnerschaft gehört dem Kaufmanns⸗ und Handwerksstande an. Außer den Lederfabriken und Gerbereien gibt es hier auch einige Fabriken für Talg⸗ und Stearinlichte. Die Hauptgegenstände des Handels sind Getreide, Weizenmehl, Eier, Knochen, Seife, Lichte, Umschlagepapier u. s. w. Die Stadt hat ein griech.⸗ russ. Seminar, ein festungsartig gebautes Mönchskloster zum heil. Jephrem und 30 Kirchen, darunter eine schöne Kathedrale. T. war einst Grenzfestung der Republik Nowgorod, wurde 1178 und 1181 durch Wsewolod von Wladimir belagert und 1239 von den Mongolen unter Batu-Chan erobert und verheert. Die Stadt fiel 1372 in die Hände des Großfürsten Michael von Twer, der sie verbrannte, und wurde 1569 von dem Großfürsten Iwan IV. ausgemordet und zerstört.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 763Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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