Tambow, ein 66586,7 qkm großes, völlig flaches und zum Teil von Steppen durchzogenes Gouvernement des eurov. Rußland, wird gegen N. von den Gouvernements Wladimir und Rishnij-Nowgorod, gegen O. von Pensa und Saratow, gegen S. von Woronesch und gegen W. von Orel, Tula und Riäsan begrenzt und gehört teils zum Wolga⸗, teils zum Dongeviet. In der nördl. Hälfte ist der Boden sandig, sumpfig und an den Flüssen Oka und Mokscha mit großen Waldungen bedeckt. in der südlichen aber fruchtbar. Die Steppen finden sich im Osten. Wegen guter Wiesen⸗ und Weideplätze ist die Viehzucht sehr bedeutend. Im Gouvernement finden an verschiedenen Orten jährlich 16 Pferdemärkte statt, darunter die von Burnaki, Üwarow, Poletaiew die bedeutendsten. Die Rindvieh⸗ und Schweinezucht liefert Mastvieh, Talg und Fett. Der Getreidebau, besonders im Süden, erzielt viel Korn, Hirse, Hanf und Lein, Hülsenfrüchte und namentlich auch Mohn; Gemüse und Oost gedeihen weniger gut. Die Waldungen liefern Schiffbauholz und beschäftigen viele Hände mit Kohlenbrennen, Verfertigung von Holzwaren, Pech⸗ und Rußbereitung. Man gewinnt viel Torf, auch Eisen, Kalk, Thon, Salpeter, Schwefel. Große Steinkohlenlager zieben sich in bedeutender Tiefe vom Norden des Gouvernements nach dem Suden. An Gesundbrunnen ist kein Mangel. Das Fabrikwesen beschäftigt sich vorzüglich mit der Bearbeitung von Rohprodukten. Der Handel wird durch die Schifffahrt auf den Flüssen Mokscha, Zna, Woronesch und Chopr begünstigt. Die Zahl der Einwohner belief sich 1885 auf 2490313. Das Gouvernement zerfällt in 12 Kreise. Die Hauptstadt Tambow, an der Zna und dem Bache Studenetz, durch Eisenbahn mit Koslow und Saratow verbunden, 1636 gegründet und ehemals befestigt, zählt 34000 E. und ist der Sitz eines Civilgouverneurs und Bischofs. Die Stadt hat mehrere ansehnliche Gebäude, 27 Kirchen, ein schönes Kloster, ein Priesterseminar, zwei Gymnasien, ein Lehrerseminar, ein steinernes Theater, ein Kadettenkorps, ein Alexandrineninstitut für adelige Fräulein, zwei Kreis⸗ und zwei Pfarrschulen, ein ucht⸗ und 21. Geien und mehrere Wohlthätigkeitsanstalten. Es bestehen viele Talgschmelzereien und Seifensiedereien und drei Jahrmärkte. Überhaupt ist der Verkehr ansehnlich.