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ErdkundeBrockhaus 1882

Tresfurt, (Henniges von), s. Henniges. Treffurt, Stadt in der preuß. Provinz Sachsen, Regierungsbezirk Erfurt, Kreis Mühlhausen, in einem schönen, von bewaldeten Bergen umgebenen Thal rechts an der Werra, Sitz eines Amtsgerichts, zählt (1885) 1946 meist evang. E. und hat eine evang. und eine kath. Pfarrkirche, fünf Cigarren—⸗ fabriken, starken Obstbau, namentlich von Kirschen und Echtobratt und in hoher Lage die wohlerhaltene Schloßruine Normanstein. Treffwahrscheinlichkeit der Feuerwaffen ist das auf Grund umfassender Erfahrungen für einen bestimmten Fall als wahrscheinlich geltende Verhältnis der treffenden Schüsse zur Gefamtzahl der überhaupt abgegebenen. Die T. wechselt je nach der Waffe, der Entfernung, Lage und Ausdehnung des Ziels und andern Umständen. Die T. wird gewöhnlich in Prozenten der abgegebenen Schüsse ausgedrückt. Beträgt die T. in einem gegebenen Falle 100 Proz., so spricht man von Treffsicherheit. Daß letztere nicht durchweg vorhanden, beruht auf der Streuung der Geschosse, worunter man das Auseinanderfallen der unter denselben Umständen erzeugten Geschoßbahnen versteht, welche in ihrer Gesamtheit die Geschoßgarbe oder den Streuungskegel bilden. Die Streuung entsteht durch die Unregelmäßigkeiten in der Beschaffenheit der Waffe und ihrer Munition, durch die Ungleichmäßigkeiten in der Bedienung und durch den Wechsel der atmosphärischen Verhältnisse, welche das Schießen beeinflussen. Infolge dessen liegen in jedem gegebenen Falle die Komponenten der Flugbahn (s. d.), als Anfangsgeschwindigkeit, Abgangsrichtung, Luftwiderstand, Rotation, in gewissen Fehlergrenzen. Der Einfluß auf die Bahn wird um so mehr hervortreten, je größer diese 47 an sich sind und je längere Zeit ihr Einfluß auf die Geschoßbahnen dauert, also mit der Größe der Schußweiten wachsen. Die Streuung wird ausgedrückt durch die Größe des Treffbildes in einer vertikalen oder in einer horizontalen Ebene; im erstern Falle spricht man von Höhen⸗, im letztern von Längenstreuung, in beiden Fällen von Breitenstreuung. Höhenstreuung ist der Höhenunterschied des höchsten und tiefsten Treffpunktes, Längenstreuung derjenige der größten und geringsten Schußweite, Breitenstreuung der seitliche Abstand des am weitesten rechts und links sitzenden Schusses. Der mittlere Treffpunkt ergibt sich aus dem arithmetischen Mittel der Abstände der einzelnen Treffpunkte von bestimmten Abscissenlinien, z. B. im horizontalen Trefferbild aus der mittlern Schußweite und dem Mittel aus der algebraischen Summe der Seitenabweichungen rechts und links der Schußlinie. Er fällt annähernd in die Mitte des Trefferbildes. Die mittlere Streuung ergibt sich aus den Abmessungen, innerhalb welcher in einem bestimmten Sinne (Höhe, Länge, Breite) die bessere Hälfte der Schüsse sitzt. Dieselben betragen nicht die Hälfte, sondern ein Viertel der Abmessungen der Gesamtstreuung, da die Zahl der kleinen Fehler diejenige der großen erheblich überwiegt. Die Streuung ist der Ausdruck für die Trefffähigkeit oder Präcision (Treffgenauigkeit) einer Waffe und wird als mittlere Streuung in sog. Trefffähigkeitstabellen zusammengestellt. Aus letztern wird die T. auf den verschiedenen Entfernungen gegen Ziele bestimmter Dimensionen errechnet. In jedem einzelnen Falle kann auf eine Annäherung an die errechneten Werte erst gezählt werden, wenn man sich eingeschossen hat, d. h. wenn der Streuungskegel in die richtige Lage zum Ziel gebracht ist, sodaß die mittlere Geschoßbahn mit der Mitte des Ziels zusammenfaällt. Je weniger dies gelingt, um so größer ist der Verlust in den Treffresultaten gegenüber der errechneten wahrscheinlichen Trefferzahl. Bei vertikalen Zielen kann dieser Verlust zum Teil durch die Rasanz (s. d.) der Bahn oder die relative Trefffähigkeit ausgeglichen werden. Da die Streuungen mit den Entfernungen wachsen, so tritt mit der Zunahme der letztern selbstredend eine Verminderung der T. ein. Je genauer Waffe und Munition konstruiert ist, je sicherer die Geschosse im Rohre geführt werden, um so größer ist die Trefffähigkeit einer Waffe. Je sorgfältiger die Bedienung stattfindet und je konstanter die atmosphärischen Verhältnisse sind, um so grösier ist zugleich die T., letztere wächst auch mit den Dimensionen des Ziels.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 820Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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