Schießen ist das Forttreiben von Geschossen mit Hilfe einer bewegenden Kraft, als welche seit etwa 1400 das Schießpulver gebräuchlich ist. Die Bahn des Geschosses heißt Flugbahn (s. d., Bd. VI, . 9 Die Flugbahnen, welche aus derselben Feuerwaffe unter gleichen Einwirkungen erzeugt werden, sind darum nicht zusammenfallend, da diese Gleichheit niemals eine absolute ist. Das hierdurch bedingte Auseinanderfallen der Flugbahnen wird die Streuung der Waffe genannt und nimmt naturgemäß mit der Schußweite zu. Die Größe der Streuung hängt ab: von den allgemeinen Konstruktionsverhältnissen der Waffe und ihrer Munition, von der speziellen Beschaffenheit der zu einem bestimmten S. herangezogenen Exemplare beider, von der Individualität desjenigen, der die Waffe beim Schießen handhabt (Geschützbedienung, beim Gewehr der Schütze), von den jedesmaligen Verhältnissen der Atmosphäre und des Terrains. Je größer die Streuung einer Feuerwaffe ist, um so geringer ist ihre Trefffähigkeit oder Präcision, um so weniger Wahrscheinlichkeit hat man, ein Ziel von gegebener Begrenzung zu treffen. (S. Treffwahrscheinlichkeit.) Als Maßstab der Präcision dienen entweder die Abmessungen der Streuung auf den verschiedenen Entfernungen oder die Prozentzahl der Treffer, welche von der Gesamtzahl der Schüsse gegenüber einem bestimmten Ziele zu erwarten sind. Gegenüber aufrechten Zielen hat die Rasanz (s. d.) der Bahn einen gewissen Anteil an den Treffresultaten. Die Wirkung der Geschosse am Ziel s. unter Geschoßwirkung. Um der Waffe die gehörige Richtung geben zu können, bedarf man einer ungefähren Kenntnis der Entfernung des Ziels. Eine direkte Messung der Schußdistanzen ist selbstredend in den meisten Fällen ausgeschlossen. über die Instrumente zum Messen der Distanzen vom Standort des Schießenden aus s. Distanzmesser, Bd. V, S. 398. Im Feldkriege wird man selten von solchen Gebrauch machen können; man ist meistenteils genötigt, die Distanz zu schätzen, wobei eine gute Karte unter Umständen mithelfen kann. Aber auch eine genaue Kenntnis der Distanzen ist zur Erlangung einer guten Schußleistung nicht ausreichend, es bedarf in jedem Gass eines auf die Beobachtung der abgegebenen Schüsse sich gründenden Einschießens, das beim Geschütz, der leichtern Beobachtung der Sprenggeschosse halber, geringere Schwierigkeiten verursacht, als beim Gewehr; bei letzterm wird die Beobachtung durch Salvenfeuer (s. Salve) erleichtert. Eine rasante Flugbahn sichert bis zu gewissem Grade Trerffresultate, auch ohne daß man völlig eingeschossen zu sein braucht. Da die Leistungen der Ercten her im heutigen Gefecht am Gesamterfolg einen hervorragenden Anteil haben, so legt man großen Wert auf eine gute Ausbildung der Truppen im S., zu welchem AIwöcte ausgedehnte und rationelle Schießübungen dienen. Als Ziele dienen hier Scheiben oder besondere Bauten, welche die Verhältnisse der Wirklichkeit möglichst getreu wiedergeben. Die Infanterie hält vielfach Gefechts-Schießübungen im Gelände ab. Um gute Schießlehrer auszubilden und einen einheitlichen Betrieb des S. in einer Armee zu fördern, dienen Schießschulen. (S. Militärschießschulen, Bd. XI, S. 724.)