FeedUpsala
ErdkundeBrockhaus 1882

Upsala, die Hauptstadt im Län gleichen Namens (5314 akm mit (1884] 114 591 CE.) in der schwed. Landschaft Upland, 66 km nordnordwestlich von Stockholm, mit dem sie sowohl durch die nördl. Staatsbahn, die hier nach Gefle und Lenna abzweigt, als auch durch regelmäßige Dampfschiffahrt in lebhaftem Verkehr steht, liegt in einer weiten und fruchtbaren Ebene, der größten in Mittelschweden, die von dem bis dahin schiffbaren Flüßchen Fyris durchströmt wird. Die Stadt hat 18 762 E., mit Ausschluß der Studenten, deren Zahl im Sommersemester 1886 sich auf 1766 belief. U. ist seit 1164 der Sitz des Erzbischofs, Primas des Reichs, und eines Landshauptmanns, der das alte Schloß bewohnt, und hat außer der Universität eine vollständige Lehranstalt (Kathedralschule) und mehrere Volksschulen, sowie ein Volkslehrerseminar. Die Universität wurde unter dem Reichsvorsteher Sten Sture auf Anregung des Erzbischofs Ulfson 1477 gestiftet und von Gustav Adolf mit dem Geschenk seiner sämtlichen Familiengüter bereichert. Die Bibliothek, letzt in einem neuen, prachtvollen Gebäude aufgestellt, zählt etwa 250000 Bände (kleine Schriften ungerechnet) und 11000 Handschriften darunter den berühmten Codex Argenteus des Ulfilas (s. d.). Ferner besitzt die Universität eine Sammlung von 16000 Münzen, eine sehr wertvolle Mineraliensammlung, einen großen botan Garten mit einem Museum und der 1829 errichteten Statue Linnés, sowie eine neue Sternwarte und viele andere akademische Institute. Das neue großartige Universitätsgebäude wurde 1879 —86 erbaut. Der Lehrerstand der Universität beträgt (1886) 32 ord. und 17 außerord. Professoren, 4 Adjunkten, 2 Assistenten und 51 Privatdocenten. Zu U. besteht auch ein Museum für nordische Altertümer und 2 kmentfernt von U. ist die neue Centralirrenanstalt. Die Domkirche, 1287—1435 erbaut, ist im Innern 90 m lang, 45 m breit und 27 mhoch. Obgleich 1702 durch die Feuersbrunst, welche fast ganz U. in Asche legte, sehr beschädigt und nicht wieder in der frühern Großartigkeit hergestellt, ist sie doch ein imponierendes Gebäude. Eine vollständige Restauration der Kirche wurde 1886 begonnen. Die vielen Grabmäler, unter welchen die von Gustav Wasa (mit Sandbergs Freskogemälden) und Johann III. prachtvoll, das auf Linnes Grab erwähnenswert, befinden sich in den ½ Seitenkapellen. Außerdem besitzt die Kirche eine Menge histor. Merkwürdigkeiten. In U. bestehen eine königl. Societät der Wissenschaften Carder 1710) und eine akademische Lesegesellschaft. Seit den ältesten Zeiten wird in U. im Anfang des Februar ein großer Markt Distingen (Disa-ting), gehalten, bei welchem besonders die norrländ. Bauern — Waren (Butter, Vogelwild, Renntierfleisch, Leinwand u. s. w.) absetzen. Die Umgegend, der Boden der älteste Geschichte Schwedens, führt den Namen yrisvall. Hier liegt, 4 Em nördlich von der Stadt, das jetzixe Bauerndorf Gamla-Upsala, d. i. Alt-Upsala, einst der Hauptsitz des Asakultus und Residenz des Oberpriesters, der denen Tempel an war, mit einem jetzt verschwundenen Tempel und heiligen Haine. Dabei sind drei große Königshügel und eine zahllose Menge kleinerer Grabhügel. Bei U. ist auch die Mora-Wiese (s. d.) und Linnes ehemaliges Landgut Hammarby, das jetzt Staatseigentum ist.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 58Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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