FeedVictoria regia Linł.
PflanzenreichBrockhaus 1882

Victoria regia Linł., eine südamerik. Wasserpflanze, 1827 von Bonpland in einigen Nebenflüssen des Amazonenstroms entdeckt, 10 Jahre später von Schomburgk in den Gewässern des Berbice im engl. Guaiana gefunden und zu Ehren der Königin von England Nymphaea Victoria genannt. Lindley aber erkannte schon aus einer in seinen Besitz gekommenen Zeichnung, daß sie weder eine Nymphaea, noch, wie Pöppig gemeint, eine Euryale sei, gründete auf sie eine neue Gattung und legte der Pflanze den Namen V. bei. Nach Wuchs und Blütenform erinnert sie an die Seerosen. Die Blätter sind schwimmend, kreisrundschildförmig, flach, mit einem 5 em hoch aufwärts gelegenen Rande, oben grün und glatt, unten hellpurpurn, gitterig stark generyt und gleich den Blatt⸗ und einblumigen Blütenstielen stachelig, bei ältern Pflanzen 1,50, selbst 1,80 bis 2 meim Durchmesser haltend. Zwischen den Blättern heben sich die Blüten auf den Wasserspiegel hinauf. Von denen der Seerosen unterscheiden sie sich durch ihre kolossale Größe (32 em und darüber) und eine größere Zahl von Blumenblättern. Sie sind nur zur Nachtzeit geöffnet, weiß, in der Mitte rosenrot, mit blumenblattartigen, purpurroten Staubfäden, wohlriechend, und ihr Kelch ist vierspaltig, purpurrot und abfallend, die Frucht fast kugelförmig, auf dem Scheitel eingedrückt, im fleischigen Innern mit zahlreichen Fächern; die von letztern eingeschlossenen Samen werden von den in der Nähe der Ströme wohnenden Spaniern geröstet und als Mais del agua verspeist. Zuerst wurde die V. in England eingeführt, wo ihr von reichen Grundbesitzern förmliche Glaspaläste (Victoriahäuser) erbaut wurden. Jetzt kultiviert man sie auch in bescheidenern Räumen und bringt sie dort zur Blüte.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 253Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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