Villers (Charles Francois Dominique de), geistvoller franz. Schriftsteller, geb. 4. Nov. 1765 zu Bolchen (Boulay) in Lothringen, genoß den ersten Unterricht bei den Benediktinern in Metz, ging dann zur dortigen Artillerieschule über und trat 1782 als Lieutenant in ein Artillerieregiment zu Straßburg. Bei dem Ausbruch des Revolutionskriegs floh er 1793, von den Jakobinern bedroht, nach Deutschland, wo er bei dem Condeschen Heere Dienste nahm. Nach dem unglücklichen Ausgang des ersten Feldzugs kehrte er auf kurze Zeit in seine Vaterstadt zurück. Er hielt sich hierauf in Holland auf und ging dann nach Deutschland, wo er in Holzminden, Driburg und Göttingen lebte, bis er 1797 nach Lübeck kam. Durch die Freundschaft einer hochgebildeten Frau an Lübeck gefesselt, verlebte er hier glückliche Jahre, in denen sein Geist sich mit deutscher Art und Kunst befreundete. Seine Reisen nach Paris, seine Verbindung mit franz. Gelehrten trugen ebenso viel als seine Schriften dazu bei, deutschem Wesen und deutscher Litteratur im allgemeinen, sowie der Kantschen Philosophie im besondern in Frankreich Anerkennung und Achtung zu verschaffen. Dies war es, was er sich zur Aufgabe seines ganzen Lebens gesetzt hatte. Unter seinen Schriften machte das größte Aufsehen sein vom franz. Nationalinstitut gekrönter Essai sur l'esprit et P'influence de la réformation de Luther, etc.o (Par. 1804; 4. Aufl. 1820; deutsch von Cramer, Hamb. 1805; 2. Aufl. 1817). Durch seine Lettre à Madame la comtesse Fanny de Beauharnais sur Lubecko, worin er über die bei der Erstürmung Lübecks 1806 verübten Greuel berichtete, hatte er sich den Haß des franz. Heers zugezogen. Er wurde daher, als man die Hansestädte 1811 mit Frankreich vereinigte, aus dem Generalgouvernement verwiesen, folgte dann einem Ruf als Professor der Philologie nach Göttingen, wurde aber, als Hannover unter die alte Regierung zurückkehrte, abgesetzt. Er starb zu Göttingen 26. Febr. 1815. Von seinen Schriften sind noch zu nennen: Coup d'œil sur les universitésv (Kass. 1808) und Rapport sur l'état de la littérature ancienne et de l'histoire en Allemagner. Auch bearbeitete er die Kantsche Philosophie als Philosophie de Kant, ou principes tondamentaux de la philosophie transcendentale (2Bde., Metz 1802). Eine Biographie V.“ verfaßte Begin (Metz 1810). Vgl. auch «Briefe von Benjamin Constant, Görres, Goethe u. s. w. Auswahl aus dem handschriftlichen Nachlasse des Charles de V., herausg. von Islero (Hamb. 1879).