FeedFaber (Gotthilf Theodor von)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Faber (Gotthilf Theodor von), Schriftsteller, geb. zu 24— 4./I5. Febr. 1766, besuchte die Domschule zu Magdeburg und studierte seit 1784 in Halle und Jena Jurisprudenz. Im J. 1787 begab er sich nach Straßburg und 1789 nach Paris, wo er, als der Krieg mit Osterreich ausbrach, als Elsässerd in die Armee Lafayettes eintrat. H.deieh unter Dumouriez in der ehm bei 2 und in Belgien und nahm an dem Treffen bei Valmy und der Schlacht bei Jemappe teil, geriet aber 1793 in österr. Gefangenschaft, aus der er sich nach zwei Jahr u durch die Flucht rettete. F. war dann ein Jahr in Hessen als Hauslehrer thätig, kehrte unter ndem Direktorium nach Paris zurück und wurde im Civildienst bei der Centralverwaltung des Rheindepartements in Aachen angestellt. Später wirkte er als Kommissar der vollziehenden Gewalt im Kleveschen bei der ersten Organisation des Landes mit und wurde dann Professor der franz. Sprache reund Litteratur an der Centralschule in Köln, wo er ie]den Beobachter im Rheindepartemente mit Prof. Reinhard herausgab. Ende 1805 wandte sich F. nach Petersburg und schrieb hier KNotices sur Pintérieur de la France (Petersb. 1807), die Aufsehen erregten und ohne des Verfassers Wissen unter dem Titel Offrandes ð Bonapartes (Lond. 1807) wieder abgedruckt wurden. Ferner veröffentlichte er «Observations sur l'armée frangaise des derniers temps à partir de 1792 jusqu'en 18075 (Petersb. 1808), die ins Deutsche als »Bemerkungen über die franz. Armee der neuesten Zeit, oder die purde von 1792—18075 (Königsb. 1808) übersetzt wurden. In der Folge lebte F. einige Zeit in Karlsberg bei Wenden in Livland, wo er seine interessanten Bagatelles. Promenades d'un Desoeuyré dans la ville de St.-Pétersbourgo (2 Bde., Petersb. 1811; Nachdruck, Par. 1812) schrieb, welche ebenfalls ins Deutsche übersetzt wurden als „Spaziergänge in St.⸗Petersburg» (Lpz. 1814). Im J. 1813 wurde er von der russ. Regierung beauftragt, das Journal Observateur impériab zu begründen, und schrieb „Beiträge zur Charakteristik der franz. Staatsverfassung und Staatsverwaltung während der Epoche Bonaparteso (Königsb. 1815), die es bewirkten, daß er der russ. Gesandtschaft am Bundestage zu Frankfurt a. M. 1816 beigeordnet und 1818 zum Wirkl. Staatsrat erhoben wurde. Nach dem Aachener Kongreß lebte F. in denselben Verhältnissen seit 1822 in Mainz und seit 1834 in Koblenz. Im J. 1840 nahm er seinen Abschied und lebte bei Lnzern in der Schweiz, wo er an einem Werke über den Grafen Kapodistrias arbeitete. Zunächst erschien eine kleine Broschüre: «Kapodistrias. Zur Vorbereitung für die künftige Geschichte der polit. Wiederherstellung Griechenlandsy (Aarau 1842), dann sein Aufsehen erregendes großes Werk: Le Comte J. Capodistriaso (Par. 1842). F. starb in Paris 28. Nov. 1847.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 501Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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