Visp oder Vispach (frz. Viege), Marktflecken und Fluß in dem gleichnamigen Bezirk (899 qkm, 6826 C.) des schweiz. Kantons Wallis. Der Flecken liegt 657 m über dem Meere, 9 km westlich von Brig auf dem rechten Ufer des Flusses, am Eingang des Vispthals und an der Linie Sitten-Brig (Simplonbahn) und zählt (1880) 814 meist kath. und deutsche E. Der Ort ist altertümlich gebaut, mit stattlichen Herrenhäusern und zwei schönen Kirchen; am 22. Juli 1855 wurde er durch ein Erdbeben, im Sept. 1868 durch Hochwasser teilweise zerstört. Am 23. Dez. 1388 schlugen hier die Oberwalliser das savoyische Heer. Der Fluß, ein linker Zufluß des Rhöne, entspringt als Gorner- oder Mattervisp am Gornergletscher, 1840 m über dem Meere, durchfließt in nordnordöstl. Richtung das Zermatt⸗ oder Nicolaithal, in welchem er zahlreiche Gletscherwasser aufnimmt, vereinigt sich bei Stalden (834 m) mit der Saaser V. und gelangt durch das Vispthal nach V., wo er in die Ebene des Rhönethals hinaustritt und, im Unterlaufe kanalisiert und eingedämmt, 2 km unterhalb des Fleckens 630 müber dem Meere nach 37 kmlangem Laufe mündet. Die Visp ist ein wilder, trüber Gletscherfluß, oft durch Hochwasser gefährlich; ihr Flußgebiet mißt 850 àkm, wovon 302 (35,5 Proz.) auf Gletscher fallen. Das Vispthal, das von dem Flecken füdlich bis zur Gabel der beiden Quellflüsse bei Stalden ansteigt, ist die Unterstufe der beiden großartigen Hochthäler von Zermatt (s. d.), und Saas, die durch die Kette der Mischabelhörner voneinander getrennt werden. Das Saasthal, von der Saaser Visp durchflossen, die am Monte-Moro entspringt, zieht sich 26 km lang zwischen den Ketten der Mischabel⸗ und der Fletschhörner nach Nordnordwest. In seine oberste Stufe, in der das einsame Bergwirtshaus von Mattmark (2123 m) steht, senken sich die mächtigen Eisströme des Schwarzenberg- und des Allalingletschers hinab, von denen der letztere öfters (1633, 1680, 1772) die Thalsohle bis zur rechten Berglehne ausfüllte und so Veranlassung zur Bildung des kleinen düstern Mattmarksees und zu furchtbaren überschwemmungen gab. Auch von Lawinen ist das Saasthal stark gefährdet. Hauptort ist das Pfarrdorf Saas im Grund, das 1562 m über dem Meere, 14 km südöstlich von Stalden auf der rechten Thalseite liegt, 373 E. zählt und mit Stalden durch einen Saumweg verbunden ist. Dem Dorfe schief gegenüber liegt auf einer aussichtsreichen Terrasse der linken Thalseite das Dorf Fee (1798 m), wie Saas im Grund ein beliebter Luftkurort und Ausgangspunkt für Gletscherwanderungen in den das Thal umschließenden Hochalpen, die an Großartigkeit und landschaftlicher Schönheit kaum hinter den Zermatter Bergen zurückstehen. Ortsnamen des Thals und seiner Umgebung, wie Monte-Moro, Allalin, Almagell u. s. w., gelten als Spuren einer einstigen Besiedelung oder Besetzung des Thals durch Sarazenen. Vgl. Ruppen, «Die Chronik des Thales Saas⸗(Sitten 1851); Wolf, „Die Visperthälerd (Zür. 1886).