FeedVleeschonwer (Ludwig)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Vleeschonwer (Ludwig), vlämischer Schriftsteller, geb. zu Antwerpen 18. Aug. 1810, lebte 1828—34 als Sprachlehrer in Amerika, studierte dann in Paris und Berlin Medizin, verzichtete jedoch nach seiner Rückkunft in Antwerpen auf die ärztliche Praxis und wandte sich der vlämischen Litteratur zu. Als vläm. Schriftsteller sind von ihm nur zwei Werke zu nennen: «Stulcken en Brokkend (Skizzen aus seinem Aufenthalt in Amerika, Antw. 1841) und seine treffliche Übersetzung von Goethes «Faust» (1842). Später war er journalistisch thätig, so als Redacteur des antwerpener „Handelsblado (1844—47), des Witzblatts Roskamo (im antwerpener Dialekt geschrieben, 1848 in Het Vaderlando verwandelt), 1851 des Journal d'Anverso, welches er 1860 aufgab, um ein eigenes satirisches Blatt Reinaert de Voso herauszugeben. Er starb 12. Okt. 1866. Blieland, eine der westfries. Inseln zwischen Nord⸗ und Zuidersee, zur niederländ. Provinz Nordholland gehörig, durch das Eijerlandsche Gat von der südwestlich gelegenen Insel Texel, durch den Vliestrom von dem nordöstlich liegenden Terschelling geschieden, 28 qkm groß, hat 744 E., eine Reede und in der Nähe der Ostspitze einen Leuchtturm. Etwa 21 km südlich dehnt sich die Sandbank Jak Jist aus. V. war im Mittelalter ein Teil der ehemals viel größern Insel Terel. Blies (entstanden aus dem lat. vellus), ein Schaffell mit der Wolle oder auch die abgeschorene Wolle, die noch vollkommen zusammenhängt, wie sie auf der Haut gestanden hat. In der griech. Sagenlehre ist besonders das Goldene Vlies zu Kolchis berühmt, welches Jason, der die Fahrt dahin mit den Argonauten (s. d.) unternahm, zurückholte. Der Orden des Goldenen Vlieses Frz. ordre de la Toison d'or, span. La 6rden dei Loison de oro), einer der ältesten und angesehensten veltlichen Ritterorden, ward von Herzog Philipp III. dem Gütigen von Burgund 10. Jan. 1430 zu Brügge dei Gelegenheit seiner dritten Bermählung mit Ffabella, Tochter des Königs Johann I. von Portugal, zu Ehren der Jungfrau Maria und des Apostels Andreas gestiftet. Herzog Philipp erklärte sich zum Großmeister dieses für 31 Ritter aus altadeligem Geschlecht bestimmten Ordens und setzte fest, daß diese Würde auf seine Nachfolger in der Regierung von Burgund übergehen sollte. Nach Erlöschen seines Mannsstammes im Jahre 1477 kam das Großmeistertum durch Maria, Erbin von Burgund, an ihren Gemahl, den Erzherzog Maximilian von Osterreich, spätern Kaiser Maximilian I., und somit an das Haus Habsburg. Seit nach dem Tode Karls V., welcher die Anzahl der Ritter auf 52 vermehrt hatte, die burgund.⸗niederländ. Besitzungen an die span. Linie des Hauses Ssterreich gefallen waren, übten die Könige von Spanien das Amt eines Großmeisters aus. Nachdem aber Kaiser Karl VI. nach Endigung des Spanischen Erbfolgekriegs unter Verlust Spaniens die span. Niederlande 1715 erhalten hatte, behauptete er gegen den span. Hof sein Recht auf diese Würde. Doch wurde darüber nichts entschieden, und es wird daher seitdem sowohl von Ssterreich wie von Spanien der Orden des Goldenen V., allerdings nach verschiedenen Grundsätzen und nunmehr unbeschränkt in der Zahl der Ritter, verliehen. Die Haupterfordernisse der strengern, von seiten Osterreichs geübten Observanz sind alter Geschlechtsadel und Bekennen der katholischen Religion, von welchen beiden Bedingungen in Spanien auch abgesehen wird. Die Ritter tragen das Ordenszeichen an einem rotseidenen Bande um den Hals. Dasselbe besteht in einem goldenen, durch einen goldenen Ring gezogenen und von diesem nach beiden Seiten abhangenden Widderfell, darüberein mit goldenen Flammen umgebener goldener emaillierter Feuerstein, auf dem die Worte stehen: «Pretium laborum non vile.s Die Ordenskette ist jetzt ausschließend die Dekoration des Großmeisters. Diese besteht aus zweiabwechselnden Gliedern, deren erstes einen goldenen flammensprühenden Feuerstein und deren anderes zwei zusammengesetzte goldene Feuerstahle vorstellt. Einen Orden der drei goldenen Vliese stiftete Napoleon J. zu Schönbrunn 15. Aug. 1809 doch trat derselbe nicht ins Leben.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 303Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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