Vliessingen oder Vlissingen (franz. Flessingue, engl. Plushing), früher stark befestigte Stadt der niederländ. Provinz Zeeland, auf der Südküste der Insel Walcheren, an der Mündung der hier 4250 m breiten Westerschelde gelegen und durch einen Kanal mit Middelburg in Verbindung gesetzt, Station der Linie V.⸗Roosendaal der Niederländischen Staatsbahnen, ist der Sitz eines Kantonalgerichts und zählt (1879) 10056 E. Der Hafen der Stadt, früher Kriegshafen, wurde seit 1865 zu einem Handelshafen ersten Ranges umgebaut, der 8. Sept. 1873 eröffnet wurde. Er besteht aus einem 660m langen, 6—10 mtiefen Außenhafen und zwei innern Häfen von 450 und 400 m Länge bei einer Breite von 100 bis 200 m und einer Tiefe bis zu 8,25 m. Die Hafenmündung ist 180 mebreit. V. hat eine schöne reform. Kirche, eine 1765 gegründete Gesellschaft der Wissenschaften, ein Theater, Schiffswerfte, sowie in der Nähe der Börse das 1841 errichtete Standbild des hier geborenen Seehelden de Ruyter. V. ist Station der Linien der Hamburg-Amerikanischen Dampfschiffahrtsgesellschaft und der hier domizilierten Zeeland-Dampfschiffahrtsgesellschaft. Vor dem 15. Jahrh. war V. noch ein Dorf. König Philipp II. schiffte sich hier 1559 nach Spanien ein, um nie wieder in die Niederlande Vriel eingenor Nachdem die Watergeusen 1572 riel eingenommen, war V. die erste niederländ. Stadt, welche die Fahne der Freiheit aufpflanzte. Sie wurde 1585 nebst Briel und Rammekens von Wilhelm von Oranien als Entschädigung für die Holland geliehenen Kriegsgelder an die Königin Elisabeth unterpfändlich eingeräumt und von engl. Truppen bis 1616, wo das Darlehn vergütet war, besetzt gehalten. Am 21. Jan. 1808 wurde V. dem franz. Kaiserreich einverleibt und 17. Aug. 1809 kapitulierte die Festung unter dem franz. General Monnes nach einem fünftägigen furchtbaren Bombardement an die Engländer unter General Graf Chatham und Admiral Strachan, welche beim Abzug im Nov. 1809 die Festungswerke und alle größern Etablissements, welche Napoleon J. dort angelegt hatte, demolierten. Vgl. Winkelmann, «Geschiedkundige plaatsbeschrijving van V.v (Vliessingen 1873).