Vogel(Eduard), deutscher Afrikareisender, Sohn von Joh. Karl Christoph V., geb. 7. März 1829 zu Krefeld, widmete sich seit 1847 auf der leipziger Universität den Naturwissenschaften, namentlich der Astronomie. Nachdem er sich in der letztern noch unter Enkes Leitung zu Berlin weiter ausgebildet, wurde er im Nov. 1851 an Bishops Sternwarte zu London Assistent Hinds, an dessen Entdeckungen und Arbeiten er Anteil nahm. Im J. 1853 übertrug ihm die engl. Regierung auf A. Petermanns Rat die Führung einer Expedition nach Centralafrika zur Unterstützung und Fortsetzung der Forschungen von Richardson, Barth und Overweg. Im Juni 1853 trat er in Tripolis die Reise nach Bornu auf dem gewöhnlichen Wege an. Am 5. Aug. erreichte er Mursuk und gelangte nach längerer Wüstenreise 13. Jan. 1854 nach Kuka. Nach einigen kleinern Exkursionen in die nächste Umgegend begleitete er den Scheikh von Bornu auf einer Sklavenjagd nach dem Musgu⸗ und Tuborilande, wobei er etwas südlicher vordringen konnte, als Barth und Overweg. Im Juli 1854 trat V. sodann eine Reise nach dem Gebirgslande Mandara an, in dessen Hauptstadt Mara er über einen Monat gefangen gehalten und mit dem Tode bedroht wurde. Er entkam nach der Landschaft Udje im südl. Bornu und traf auf einer Reise nach Sinder unfern Bundi 1. Dez. mit Barth zusammen. Von Sinder aus kehrte V. 29. Dez. nach Kuka zurück, wo er nun einige Wochen in Gemeinschaft mit Barth verbrachte. Im Jan. 1855 begab sich V. auf eine Reise nach Ihcoba, setzte dann seinen Weg nach dem Benue fort, den er in Hamarrua überschritt, kehrte nach Jacoba zurück, brach aber nochmals nach dem Benue auf und erreichte die südlich dieses Flusses gelegene Hauptstadt von Kuana. * November trat er hierauf den Rückweg über Jacoba nach Bornu an und traf 1. Dez. Conversations-Lexikon. 13. Aufl. XVI. wieder in Kuka ein. So weit reichen V.s eigene Nachrichten; seine fernern Schicksale sind erst später aufgeklärt worden. Man weiß, daß er 1. Jan. 1856 Kuka verließ, um ostwärts nach den Nilländern zu gehen, daß er seinen Weg südlich um den Tsadsee nahm und noch im Januar in der damaligen Haup.⸗ stadt Wadais, Wara, ankam, aber im Febr. 1856 auf Befehl des Sultans daselbst ermordet wurde. Obgleich ausführliche Reiseberichte von V. nicht vorliegen, hat er sich doch schon durch Orts⸗ und Höhenbestimmungen, sowie durch andere Beobachtungen um die Geographie des innern Nordafrika anerkennenswerthe Verdienste erworben. Die jahrelange Ungewißheit über sein Schicksal rief verschiedene Unternehmungen zu seiner Aufsuchung hervor, wie die von v. Neimans, Cuny, Beurmann, Heuglin (mit Munzinger, Steudner, Kinzelbach u. a.); die letztern Expeditionen waren seit 1860 von Aug. Petermann angeregt und durch dessen verdienstliche uluge Ar ermöglicht; sie währten bis 1864. Endgültige Aufklärung über V.s Ende erlangte erst Nachtigal auf seiner Reise durch Wadai 1873. V.s Schwester Elise Polko veröffentlichte seine Biographie unter dem Titel: «Erinnerungen an einen Verschollenen. Aufzeichnungen und Briefe von und über Eduard V.v (Lpz. 1863).