FeedVogel (Hermann Wilhelm)
TierreichBrockhaus 1882

Vogel (Hermann Wilhelm), Photochemiker und Spektralanalytiker, geb. 26. März 1834 in Dobrilugk (Niederlausitz), widmete sich zuerst dem Kaufmannsstande, studierte später, seiner ursprünglichen Neigung folgend, Chemie und Physik am königl. Gewerbeinstitut zu Berlin. Hierauf praktizierte er kurze Zeit in einer Zuckerfabrik, fungierte bis 1860 als Assistent der Professoren Rammelsberg und Dove und bis 1865 als Assistent am mineralogischen Museum der Universität Berlin. Nachdem er «Die Photographie auf der Londoner Weltausstellungo (2. Aufl., Braunschw. 1863) veröffentlicht, begründete er 1863 den Photographischen Verein zu Berlin, 1864 die Fachzeitschrift Photographische Mitteilungenv, 1869 den Verein zur Förderung der Photographie, dessen Präsidium er noch bekleidet. Er leitete 1865 die große internationale photographische Ausstellung zu Berlin, erhielt gleichzeitig den neu begründeten Lehrstuhl für Photochemie an der Gewerbeakademie, fungierte später als Jurymitglied der Weltausstellungen in Paris (1867), in Wien (1873) und Philadelphia (1876). Inzwischen wurde er als Mitglied der norddeutschen Sonnenfinsternisexpedition 1868 nach Aden (Arabien), als Mitglied zweier englischen Erpeditionen gleichen Zweckes nach Sicilien (1870) und den Nicobarischen Inseln (1875) entsendet und bereiste auf Einladung der National photographic association of Northamerica zweimal die Vereinigten Staaten (1870 und 1883) bis zum Stillen Ocean. Er schilderte seine Reisen in dem Buche (Vom Indischen Ocean bis zum Goldlander (Berl. 1878). Seine wissenschaftliche Thätigkeit richtete sich auf das Studium der photographisch-chem. Prozesse, auf die ästhetischen Prinzipien der Porträt- und Landschaftsphotographie, die Grundsätze der Beleuchtung und der photographischen Perspektive, Experimentalstudien über Absorptionsspektra im allgemeinen und die Spektren des Sauerstoffs, Stickstoffs und Wasserstoffs (letzteres führte ihn zur Deutung des Siriusspektrums und zur Verwerfung der Lockyerschen Dissoziationstheorie) re. Sein Silberprober (1864) und sein Phokometer für Pigmentdruck und Lichtdruck, sowie sein Universalspektroskop führten sich dauernd in der Praxis ein. Vis wichtigste Forschungen betreffen jedoch die sogenannten Beschleuniger (Sensibilisatoren), d. h. die Körper, welche die chemischen Wirkungen des Lichts auf Silbersalze erheblich befördern. Umfassende Spektralversuche führten ihn 1873 zur Entdeckung von Stoffen, die vermöge ihrer Fähigkeit, das gelbe, grüne und rote Licht zu absorbieren, photographische Platten für diese bis dahin für unwirksam gehaltenen Farben empfindlich machen. Er nannte diese Körper optische Sensibilisatoren. Aus dieser Entdeckung entwickelten sich die neuern farbenempfindlichen Verfahren, welche farbige Gegenstände in den richtigen Tonwerten aufzunehmen gestatten und dadurch einen wesentlichen Umschwung in der Photographie nach farbigen Gegenständen hervorriefen. Seit 1884 ist V. Vorsteher des unter seiner Leitung neu errichteten phototechnischen Laboratoriums der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg. Seine Hauptwerke sind: 4 Lehrbuch der Photographie » (3. Aufl., Berl. 1878), «Die Fortschritte der Photographie seit 18795 (Berl. 1883), «Die chem. Wirkungen des Lichts und die Photographie v (2. Aufl., Lpz. 1883), „Die Photographie farbiger Gegenstände in den richtigen Tonverhältnisseno (Berl. 1885), Handbuch der prakt. Spektralanalyse irdischer Stoffen (Berl. 1878), Aus der neuern Hexenküche. Skizze des Spiritistentreibens (Berl. 1880), Lichtbilder nach der Natur» (Berl. 1882).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 305Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 3

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Tierreich 6