FeedWacholder
PflanzenreichBrockhaus 1882

Wacholder oder Wachholder (Junipérus L.), eine Gattung von Sträuchern und Bäumen aus der Familie der Nadelhölzer, deren männliche und weibliche Blüten auf getrennten Individuen stehen, mit gegenständigen, zu drei wirteligen oder vier Blättern und steinfruchtartigen, drei Samen enthaltenden Beeren, welche ihrerseits durch das gegenseitige Verwachsen und Fleischigwerden der Schuppenblätter (Eiträger) des weiblichen Kätzchens entstehen. Die namentlich über Nordamerika, Asien und die Mittelmeerländer verbreiteten Wacholderarten zerfallen in Sade- oder Sevenbäume (s. Sadebaum), mit herabfallend angewachsenen, schuppenförmigen, oft zweigestaltigen Blättern, nickenden weiblichen Kätzchen und eiförmig-rundlichen Beerenzapfen, und in echte W., mit an der Basis gegliederten, stets eingestaltigen, pfriemen- oder nadelförmigen Blättern, aufrechten weiblichen Kätzchen und kugeligen Beerenzapfen. Zu letztern gehört der gemeine Wacholder (J. communis L.). Dieser, in ganz Europa und Nordasien vorkommend, wird nur unter günstigen Verhältnissen zu einem 5—7, höchstens 10 m hohen Baume; in der Regel bleibt er ein 1—2 m hoher Strauch mit 12 mim langen, linealischen, stechenden Blättern, die in Wirteln zu je drei an den dreikantigen Asten stehen. Die Kätzchen sind klein, die männlichen vielblütig, eirund, die weiblichen dreiblütig, urnenförmig. Der Beerenzapfen ist im ersten Jahre eirund und von grüner Farbe, im zweiten wird er kugelig, saftig und blauschwarz mit weißem Reif. Die steinharten Samen haben auf der Schale drei ölreiche Drüsen. Das gelbroötliche, im Kerne bräunliche, harte und wohlriechende Holz wird zum Auslegen feiner Arbeiten gebraucht. Aus knorrigen Wurzeln und Stämmen verfertigt man Gartenmöbeln und Stöcke. Zum Räuchern benutzt man die trockenen Zweige, Wurzeln und Beeren. Letztere sind als Küchengewürz brauchbar, geben in ihrem eingedickten Safte (Wacholdermus) ein harn- und schweißtreibendes Mittel und dienen zur Bereitung mehrerer reizender, die Verdauung befördernder Arzneimittel, z. B. des Wacholderbeeröls (Oleum Juniperi). Offizinell sind außerdem noch der Wacholderspiritus (Spiritus Juniperi) und die Beeren selbst (Eructus Juniperi). Auch verfertigt man aus ihnen einen besonders im westfäl. Dorfe Steinhagen und dem holländ. Schiedam gut destillierten Branntwein. (S. Ge-⸗ never.) Zwischen Holz und Rinde setzt sich eine harzige Substanz an, die sonst als deutscher Sandarak verwendet ward. Der spanische Wacholder (J. oxycedrus L.), auf dürren Plätzen in den Ländern des Mittelmeers wachsend, hat beträchtlich . braunrote Früchte. Er kommt in seiner nutzung mit dem vorigen überein und liefert das übelriechende ätherische Huile de Cade, das in der Tierheilkunde, besonders gegen die Raude der Schafe, in Anwendung kommt. Zur Gruppe der Sadebäume gehört der virginische Wacholder (J. Virginiana L.), auch rote Ceder genannt, ein 12 — 15 m hoher Baum, mit aromatischen, balsamisch duftenden, rautenförmiglänglichen, vierzeilig-dachziegeligen Blättern und schwarzblauen Beerenzapfen, welche nur 1—2 Samen enthalten. In Deutschland pflanzt man ihn in Anlagen und bindet aus seinen lange grün bleibenden Zweigen Totenkränze. Sein feines rotbraunes Holz wird besonders zu Bleistiften verwendet und bildet daher in Nordamerika einen wichtigen Ausfuhrartikel für die europ. Bleistiftfabriken. Außerdem werden große Mengen dieses Holzes zur Herstellung von Cigarrenkisten benutzt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 356Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 1

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Pflanzenreich 6