FeedHornbaum
PflanzenreichBrockhaus 1882

Hornbaum, auch Weißbuche, Haine, Hain— buche, Hagebuche (Carpinus IL.), eine zur 21. Klasse des Linneschen Systems, nach dem natürlichen System zur Familie der Näpfchenfrüchtler (Cupuliferae) gehörige Pflanzengattung. In Europa sind nur zwei Arten, wie der gemeine Hornbaum oder gemeine Weißbuche (C. Betulus L.) und der südländische Hornbaum (C. orientalis Mill.), vertreten. Der H. hat walzenförmige, sitzende männliche Kätzchen, deren Blüten bloß aus einem schuppenförmigen Deckblättchen und 12—24 Staubgefäßen bestehen. Die weiblichen rBlüten werden durch einen unterständigen Fruchtknoten gebildet, der mit dem vier⸗ bis achtzähnigen eSaum der Blütenhülle und zwei sadenförmgen Narben gekrönt ist; in lockern, dünnen Kätzchen stehen immer je zwei beisammen, von denen jede auf edem Grunde eines gestielten, dreispaltigen oder eckigen Deckblättchens steht, welches zur Fruchtzeit „sich sehr vergrößert, blattartig wird und das vielriefige, dickschalige Nüßchen einseitig deckt. Die bekannteste Art der Gattung ist der in Laubwäldern weit verbreitete gemeine H., ein etwa 20—30 m hoch werdender Baum mit einem meist etwas gekrümmten, spannrückigen Schaft, dessen Rinde glatt weißgrau, nur an ganz alten Stämmen etwas längsrissig ist. Die Blätter sind eilänglich, zugespitzt, fast dreifach gesägt, querfaltig. Der H. trägt fast jährlich Ublethen Samen; die Reifezeit ist im Oktober, doch bleiben die Früchte oft den Winter über hängen. Keimung erfolgt erst im zweiten Frühjahr nach der Aussaat. Das Holz ist weiß, sehr hart, ungemein fest und zähe, wird von Tischlern, Drechslern und Stellmachern vielfach verarbeitet und nimmt eine schöne Politur an. Zur Herstellung gewisser Maschinenteile, wie Radkämme, Zapfenlager, Pochstempel ist es vorzüglich geeignet, ebenso zu Schuhmacherstiften; seine Dauer ist im Trockenen gut, im Feuchten ziemlich gering; auch ist es ausgezeichnetes Brennholz. Das Beschneiden verträgt der H. sehr gut, eignete sich deshalb zu den früher in Gärten beliebten, symmetrisch zugeschnittenen Heckenwänden. Auch jetzt verwendet man ihn gern zur Anlegung lebendiger Hecken. Der H. hat einen etwas kleinern Verbreitungsbezirk als die Rotbuche. Er fehlt in Italien und Griechenland, überschreitet nicht die Pyrenäen. Dagegen ist er nach Nordosten weiter verbreitet als die Buche, denn er tritt in den litauischen Waldungen, wo letztere fehlt, noch zahlreich auf und geht tief nach Rußland hinein. Mehr ein Baum der Ebene und des Hügellandes als des Gebirges, steigt er weniger hoch als die Rotbuche, im Harz bis 400 m, im Bayrischen Wald bis 700 m, in den Vogesen bis 800 m, in den Schweizer Alpen 900— 1100 m. An den Boden macht er ähnliche Ansprüche wie die Rotbuche, verträgt auch Beschattung wie diese. Die vorzügliche Ausschlagfähigkeit macht ihn besonders ihotren für Nieder⸗ und Mittelwaldbetriebe, zu Kopfholz-und Schneidelholzbetrieb. Feinden und Gefahren ist der H. weniger ausgesetzt als andere Holzarten; er leidet selten von Frost, eher etwas von der Hitze. Insekten sind nicht zu fürchten, wenn er auch von einigen Käfern und Raupen gern angenommen wird. Krebs, Weißfäule, Gipfeldürre u. s. w. kommen an ihm vor. Der in Südeuropa, in den Kaukasusländern bis nach Persien hin heimische südländische Hornbaum ist mehr Strauch als Baum, er hat kleinere, nicht zugespitzte Blätter, kleinere Früchte, verträgt übrigens den kältesten Winter. Zur Gattung Carpinus wurde früher auch die Hopfenbuche (s. d.) gerechnet.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 400Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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