FeedWall ist eine Erdanschüttung
BaukunstBrockhaus 1882

Wall ist eine Erdanschüttung, deren man sich bei Festungen bedient, um eine günstige Aufstellung für Artillerie wie Infanterie zur Beherrschung des Vorfeldes zu gewinnen und das Innere des Platzes gegen Einsicht zu decken. Bei Stadtbefestigungen wird der zusammenhängende innere höchste W. als Hauptwall bezeichnet, im Gegensatz zum W. der Außenwerke, oft ist auch Hauptwall gleichbedeutend mit W. permanenter Anlagen überhaupt. Die obere Fläche des W. trägt ihrem vordern Rande zunächst die Brustwehr, welche zur Sicherung der Geschütze und Mannschaften des Verteidigers nach außen hin dient. Der Raum hinter der Brustwehr, welcher zur Aufstellung der Geschütze und zur Kommunikation bestimmt ist, wird Wallgang genannt. Die Höhe des W. wird mindestens derart bemessen, daß die Feuerlinie der Brustwehr die Glaciskrete um 3,5 m überragt, was eine Gesamthöhe von etwa 5,75 müber dem vorliegenden Terrain bedingt, die der bessern Beherrschung halber auf 7 bis 10 m gesteigert werden kann. Die Stärke der Brustwehr beträgt 6—7 m; im übrigen hat diese das gewöhnliche Profil. Die Breite des Wallgangs beläuft sich auf 10 bis 12 m. In Festungen neuester Bauart zerfällt derselbe in die 7 bis 8 mbreite Geschützbank und den dahinter und tiefer gelegenen sog. niedern Wallgang. Die hintere Böschung des W. bleibt entweder in Erde stehen oder wird mit Mauerwerk bekleidet. Am innern Fuße des W. läuft die Wallstraße hin. Die äußere Wallböschung, welche mit der Escarpe des Grabens zusammenfällt, erhielt in früherer Zeit häufig Bekleidung durch Mauerwerk; jetzt wendet man meistens freistehende Escarpenmauern an. Unter dem W. liegen oft Hohlräume, die zur gesicherten Unterbringung von Mannschaften, Munition und Material aller Art dienen, auch zur Verteidigung eingerichtet sein können. Neuerdings ist ein Profil mit Ober⸗ und Unterwall üblich geworden, letzterer nur zur Gewehrverteidigung eingerichtet. Der Grundriß des W. richtet sich nach der Befestigungsmanier. (S. Festungsbau.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 409Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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