FeedFestungsbau
BaukunstBrockhaus 1882

Festungsbau bildet die Aufgabe der permanenten Befestigungskunst, mit welcher die Lehre vom F. identisch ist. Beim F. handelt es sich darum, eine gute und gedeckte Aufstellung für die Infanterie und Artillerie der Verteidigung zu schaffen. Eine solche Aufstellung muß eine kräftige Beherrschung des Vorfeldes und aller Zugänge zur Festung gewähren; sie muß ferner durch Anlage eines sturmfreien, der Zerstörung aus der Ferne nicht ausgesetzten Hindernisses unnahbar gemacht werden. Für die nicht im Dienst befindlichen Streit—⸗ kräfte und-Mittel ist die Anlage von Deckungsräumen notwendig. Bei den großen Städtefestungen wird der Ort und seine unmittelbare Umschließung durch einen weit vor eschobenen Gürtel von Werken gegen die feindliche Beschießung zu sichern sein, wodurch zugleich eine aktive Verteigentliche Platz stets eine zusammenhängende Umfassung oder Enceinte erhält, wird im gedachten alle die vorgeschobene Verteidigungslinie aus elbständigen, weit voneinander liegenden Anlagen, detachierte Forts und Zwischenwerke, gebildet. Die zur Beherrschung des Vorfeldes dienende Aufstellung liegt erhöht, und zwar auf einer Erdanttung, dem Wall oder Hauptwall, und ist mit einer Brustwehr und den nötigen Deckungsräumen veraben Ein vor demelben liegender tiefer und breiter Graben mit steilen Böschungen, oder mit Wasser gefüllt, bildet mit der vordern Böschung des Walls zusammen das Hindernis, welches stets einer flankierenden Bestreichung bedarf. Vorwärts des ur Zulauder liegt eine niedere Verteidigungsstellun ur Infanterie, der gedeckte Weg, welcher zugleich zur Bewachung des Hindernisses und zum Sammeln der Ausfalltruppen dient. Innere Anlagen (Abschnitte, Reduits) haben den Zweck, der Ausbreitung des Gegners, nachdem er das Hindernis überwunden hat, entgegenzuwirken. Bombensichere Kasernen, Magazine u. s. w. dienen dazu, den nicht in Verwendung befindlichen Streitkräften und-Mitteln eine geschützte Unterkunft zu gewähren. Das Profil des Hauptwalls ergibt sich zunächst aus vorstehender Fig. 1. Die Feuerlinie des Walls überhöht diejenige des gedeckten Wegs um 3,½25 m. An der innern Brustwehrböschung befindet sich ein Bankett für Infanterie, welches erst bei der Armierung durch Abstechen der Böschung die nötige Breite erhält. Hinter dem Bankett liegt die n durchlaufende Geschützbank. Jenes wird da, wo Geschütze bei der Armies rung Aufstellung finden, in entsprechender Breite abgetragen. Um den ierdurch entstehenden Verlust an erlinie für Infanterie im voraus auszugleichen, befindet sich beim Profil der neuen Stadten⸗ ö eeinten (s. Fig. 2) vor dem Hauptwall ein niederer Wall, der nur zur Infanterieverteidigung dient. Rückwärts der Geschützbank liegt, 133 m tiefer, der den Verkehr vermittelnde Wallgang. An geeigneten Stellen ist die Verteidigungsstellung des Hauptwalls durch Querwälle oder Traversen (s. d.) gegen Seitenfeuer gesichert. Brustwehr wie Traversen erhalten die gegen anhaltendes Feuer schwerer Geschütze notwendige Stärke. Hohlräume unter dem Walle dienen zur gedeckten Unterbringung von Bereitschaftstruppen (Pikets), als Magazine für Pulver und Munition, wie als Geschoßladestellen und Speziallaboratorien. Als Schutzräume für die Geschützbedienungen kommen Hohltraversen vor. Das Profil des trockenen Grabens ergibt sich aus den nachstehenden Figuren 2 und 3. Die Sohle des Grabens liegt etwa 6 m unter dem gewachsenen Boden. Die Breite des Grabens wird einerseits so groß bemessen, daß ein überbrücken ausgeschlossen ist, andererseits wieder so gering, daß das Mauerwerk, mit welchem die Escarpe (s. d.) der Sturmfreiheit halber bekleidet wird, gegen den indirekten Schuß gesichert ist. Das Mauerwerk der Escarpe liegt entweder an der Erde an (anliegendes Revétement oder Futtermauer) und ist dann mit in die Erde hineinragenden Strebepfeilern versehen (s. nachstehende Figuren, von denen Fig. 3 das Profil, Fig. 4 die Ansicht der Futtermauer darstellt), oder es ist freistehende Mauer (obenstehende Fig. 2 und Fig. 21 b der Tafel: Festungsbau). Letztere ist schwerer zu passieren, bedarf daher nicht so großer Höhe als die Futtermauer, ist billiger herzustellen und zieht beim Einschießen nicht den Einsturz des Walls nach sich, dagegen ist ihre Zerstörung lechter Mit Scharten wird die freistehende Mauer in neuerer Zeit nicht mehr versehen. Überwölbt man die Strebepfeiler einer Futtermauer, so nehmen die Gewölbe den Erddruck auf sich, das Revétement wird entlastet (Ent⸗ „Durch gleichzeitige Anlage einer auf der Erdseite lie⸗ .Ugenden Abschlußmauer können Hohlräume ges chaffen werden, die, wenn man in die vordere Mauer Schar ten einbricht, verteidigungsfähig werden; es ent steht die verteidigungsfähige Entlastungsmauer die aber ihrer Kostspieligkeit halber nur an besonders wichtigen Stellen angewandt wird. (Nachstehende Fig. 5 stellt eine Escarpen-Dechargen-Galerie und eine crenelierte Contrescarpen— Galerie, Fig.6 den Grundriß der erstern dar.) Im Deutschen Reich ist die Anwendung der freistehenden Mauer vorherrschend. Die Contrescarpe (s.d.) eines trockenen Grabens ist entweder in Erde, oder sie hat Futtermauer, resp. Entlastungsmauer; die in letzterm Falle entstehenden Hohlräume dienen als Minenvorhäuser (s. d.) oder als Reverskaponnieren. werden entweder durch Grundwasser gefüllt, oder es wird fließendes Wasser hineingeleitet. In letzterm Falle geschieht die Anspannung des Wassers durc Stauschleusen, der Eintritt in den Graben durch Einlaßschleusen. Der Ausfluß des Wassers wird durch Auslaßschleusen oder durch steinerne Dämme (Bären oder Batardeaus) gehindert, deziehungsweise geregelt! Fig. 7 und 8). Man kann die Schleusen auch benutzen, um das Wasser beliebig und auszulassen, in welchem Falle man von l „Wasserspiel oder Wassermanöver spricht. Durch die Anstauung des fließenden Wassers kann gleichzeitig (Inundation) erzeugt werden, welche die Sturmfreiheit der Festung erhöht und die Ausführung der Angriffsarbeiten erschwert oder verhindert. Der Grundriß des Hauptwalls und Grabens einer Festung richtet sich nach der Art, wie die Flankierung des letztern erreicht werden soll, was entweder durch die Führung der Linien, oder dur selbständige Bauten im Graben, Kaponnièren (. d. genannt, geschieht. Die Flankierung einer Linie durch eine andere kann nur erfolgen, wenn beide unter einem einspringenden Winkel von 90 Grad oder etwas mehr zusammenstoßen. Einspringend wird der Winkel genannt, wenn seine erhabene Seite dem Verteidiger zugekehrt ist. Die einfachste Art, die Flankierung durch den Grundriß zu erreichen, ist nun der regelmäßige Wechsel ausspringender und einspringender Winkel von angemessener Größe. Es entsteht so das Tenaillensystem. (S. Fig. 11 der Tafel.) Den Spitzen der einspringenden Winkel zunächst befinden sich tiefgelegene Hohlhbauten, Flankenbatterien genannt, welche eine rasante und vollständige Grabenflankierung bewirken. (S. Tenaille). Beim bastionierten Grundriß (s. Fig. 10 der Tafel) wechseln aus⸗ und ein-Flanken derart bestrichen, daß z. B. die linke Flanke des rechts gelegenen Bastions den Graben vor der linken Hälfte der anstoßenden Courtine und vor der rechten Face des links gelegenen Bastions einer Front unter Feuer nimmt und umgekehrt. Zur rasanten Bestreichung des Grabens sind auch hier kasemattierte Flanken (Flankenbatterien) wichtig. Indes ist selbst ohne tiefgelegene Bauten der ganze Graben unter Feuer, was beim Tenaillensystem nicht der Fall ist. Beide Grundrißformen ergeben eine ausgedehntere Entwickelung der Linien, als es bei der Umschließung auf kürzestem Wege durch gerade Linien, welche nur unter ausspringenden Winkeln zusammenstoßen, dem sog. Polygonalsy stem, der Fall ist. (S. Fig. 18 der Tafel.) Die Fronten können hier auch schwach aus⸗ oder einspringen. (Fig. 19 und 20.) Die Flankierung wird beim Polygonalsystem durch Kaponnieren erreicht, die entweder auf den Mitten (FJig. 18 und 19) oder an den Endpunkten der Fronten (Fig. 20) liegen. Auf den Mitten und an den Endpunkten der Fronten ist der Hauptwall der bessern Feuerwirkung wegen in der Regel einige Meter gehoben und so entstehen Cavaliere (dK in Fig. 1820), welche mit kurzen Schulterwehren versehen sind. Die Kaponniren, deren Mauerwerk im Grundriß nachstehende Fig. 9 dargestellt, haben entweder nach beiden Seiten Feuer und heißen dann ganze, oder nur nach einer Seite, in welchem Falle sie halbe genannt werden. Letztere kommen bei detachierten Forts als Schulter- und Endkaponnieren vor (Fig. 21a und 17 der Tafel) und haben nur Gewehrscharten, ganze in der Regel Geschütz- und Bei Festungen n festungen) ist die Ke nur auf den wahrf sonders stark und mi welche häufig Panz fernung der Forts er hältnisse des Vortt Stellen bis 2500 n nicht übersteigen. einander sind so bei den Zwischenraum arbeiten durchschrei eines derselben bem Entfernung der For geringste 2000 m. hängt von den Abss lichen Verhältnissen sind durch eine Rin, den, zahlreiche Rat die Verbindung mit [Fortfestung ne stehender Fig. 11 stt schen, die Zwischenn rehbarkeit des Turms ein großes en. (S. nachstehende Fig. 10, die mvon Gruson darstellt.) mit detachierten Forts (Forternumwallung (éeorps de place) scheinlichen Angriffsfronten beit einzelnen Cavalieren versehen, zertürme aufnehmen. Die Entvon der Kernumwallung beträgt n, kann, durch besondere Verterrains bedingt, an einzelnen n herabsinken und soll 8000 m Die Abstände der Forts untermessen, daß der Belagerer nicht der Forts mit den Angriffsiten kann, ohne sich mindestens nächtigt zu haben. Als größte Fig. 10. rts voneinander gilt 5000 m, als Die Zahl der Zwischenwerke ständen der Forts und den örtnab. Forts und Zwischenwerke igstraße mit Gürtelbahn verbundialstraßen und -Bahnen stellen t der Kernumwallung her. Eine zuester Bauart ist in umtizziert, die Forts sind mit römiverkemitarab. Ziffern numeriert.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 726Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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