FeedWellingtonia
GeschichteBrockhaus 1882

Wellingtonia wurde von dem engl. Botaniker Lindley zu Ehren des Herzogs von Wellington ein 1832 von dem Botaniker Douglas entdeckter Nadelholzbaum Californiens genannt, welcher wegen seiner riesigen Dimensionen in Europa wie in Nordamerika ungeheueres Aufsehen erregte, jahrzehntelang für den riesigsten Baum der Welt, wenigstens bezüglich der Höhe, die er zu erreichen vermag, gegolten hat und gegenwärtig bereits ein verbreitetes Ziergewächs der Gärten geworden ist. Engländer und Nordamerikaner haben sich um die Ehre gestritten, den angeblich egrößten Baum der Welto nach ihrem größten Landsmann zu benennen. Nachdem Lindley denselben 1833 K«W. gigantea getauft hatte, wurde er 1854 durch den Nordamerikaner Winslow unter dem Namen Washingtomia beschrieben, später aber von Torrey, ebenfalls einem Amerikaner, zu der bereits 1847 von Endlicher aufgestellten Coniferengattung Sequoia gezogen. Die in Californien Mammouthbaumo und „(Mammouthfichte genannte W. ist bisher einzig und allein in der dortigen Sierra Nevada aufgefunden worden, wo sie in einer mittlern Meereshöhe von 1500 m und unter dem 38.“ nördl. Br. Waldbestände bildet. Man hatte das Alter solcher Riesenbäume, welche bis 100 mehoch werden, auf 3000 Jahre geschätzt; allein genauere Untersuchungen haben ergeben, daß die W. eine sehr rasch wachsende Holzart ist und deshalb auch ihre größten Eremplare kaum über 2000 J. alt sein dürften. Neuerdings ist festgestellt worden, daß verschiedene austral. Arten der Myrtaceengattung Eucalyptus (darunter der berühmte Blaugummibaum E. Globulus) nicht nur höher und stärker werden als die W., sondern diese auch an Raschwüchsigkeit weit übertreffen, während sie bezüglich des Alters von den Cedern des Libanon und auch von gewissen nordamerik. Coniferen in den Schatten gestellt wird. Immerhin behauptet W. bis jetzt unter den Nadelhölzern bezüglich der Dimensionen, welche sie zu erreichen vermag, den ersten Rang. Die W. besitzt einen schnurgeraden, im Alter mit einer sehr dicken Rinde bedeckten Stamm und eine pyramidalkegelförmige Krone, welche aus abwechselnd, aber rings um den Stamm herumstehenden Ästen besteht. Nadeln und Zapfen sind nur klein, nämlich erstere pfriemenförmig, 6—12 mm lang, letztere eiförmig, von höchstens 5 em Länge. Die kleinen, usammengedrückten, fast rundherum schwach geflugelten Samen reifen erst im zweiten Herbst, die Keimpflanze hat 3—6 Kotyledonen. Das im frischen Zustande weiße und weiche, ausgetrocknet weißliche und harte Holz soll sehr dauerhaft sein. Die W. gedeiht in Süd-und Westeuropa im Freien, in Mitteleuropa nur an geschützten Stellen. In den Parken Englands gibt es bereits große, zapfentragende Exemplare.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 541Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 1

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6