Wilhelmj (Aug.), ausgezeichneter Violinvirtuos, geb. 21. Sept. 1845 zu Usingen im Nassauischen als der Sohn des in Wiesbaden ansässigen Weinbergbesitzers August W., zeigte schon sehr früh musikalisches Talent, welches vom Hofkonzertmeister Konr. Fischer in Wiesbaden zuerst ausgebildet wurde. Im J. 1861 ging er zu Liszt nach Weimar und darauf zu Ferd. David nach Leipzig, welcher vier Jahre lang (1861—64) sein eigentlicher Violinlehrer wurde. Außerdem hatte er auf dem leipziger Konservatorium Moritz Hauptmann und Richter, später in Wiesbaden noch Joachim Raff zu Lehrern in der musikalischen Theorie. Seit der Zeit konzertierte W. in allen civilisierten Ländern. Seine erste Kunstreise führte er 1865 nach der Schweiz aus. Im Frühjahr 1866 besuchte er Holland, darauf England und 1867 Frankreich. Noch in demselben Jahre begab er sich nach Italien und 1868 folgte er einer Einladung der Großfürstin Helena nach etersburg. Während der folgenden Jahre wiederholte er seine Kunstreise nach der Schweiz, Frankreich, Belgien, Schweden, England, Holland und Italien. Er trat 1872 erstmals in Berlin, 1873 in Wien auf, überall mit demselben großartigen Erfolge. Im Herbst 1878 begab er sich nach Nordamerika, wo er in allen größern Städten spielte; hierauf kehrte er über Neuseeland, Australien, China, Japan und Agypten 1882 nach Europa zurück. Spätere Kunstreisen führten ihn nach Skandinavien, Rußland und 1886 nach Konstantinopel, wo er als erster deutscher Künstler im Harem des Sultans spielte. Im J. 1871 erhielt er den Titel Professor. Wenn W. nicht auf Reisen ist, lebt er auf seinem Landgut bei Mosbach-Biebrich a. Rh., wo er eine Hochschule für Violinspiel gegründet hat. Sein Spiel 7 sich aus durch vollendete Handhabung aller derjenigen Kunstmittel, welche den geborenen großen Violinspieler ausmachen, durch absolut reine Intonation und geniale Auffassungsgabe. Als Komponist schrieb W. wirkungsvolle Stücke für sein Instrument, einige Lieder und ein Streichquartett. Für Wagners Musik hat W. auf die thätigste Weise Propaganda gemacht. Im J. 1876 war er Konzertmeister bei den bayreuther Aufführungen und 1877 wirkte er ebenso bei Wagners Konzerten in London.