FeedZiegen (Capra)
TierreichBrockhaus 1882

Ziegen (Capra), eine Gattung hohlhörniger Wiederkäuer mit seitlich zusammengedrückten, sichelförmig nach hinten gebogenen Hörnern, das Männschen meist mit einem Barte am Kinn versehen. Die Z. leben truppweise in Gebirgsgegenden, sind scheu und im Klettern und Springen gleich ausgezeichnet durch Geschick wie durch Kühnheit. Hierher gehören, nächst den Steinböcken (s. d., der Alpensteinbo ck, . Ibex, Tafel: Wiederkäuer, Fig. 1), die Bezoarziege (C. Aegagrus), Paseng oder wilde „Ziege. Diese ist rötlichgrau gefärbt, hat auf dem Rücken einen schwarzen Streif, bewohnt die Scheidegebirge Vorder⸗ und Mittelasiens bis nach Kreta „und Griechenland und gleicht besonders in den aquerwulstigen Hörnern ziemlich dem Steinbock. Ferner die Schraubenziege, Markhor (6. Falconeri), aus dem Himalaja, mit schraubenförmig gewundenen Hörnern und sehr starkem Kinnart. Die gemeine Ziege (C. Hircus) erscheint seit den ältesten Zeiten als Haustier der Gebirgsnomaden und kommt gegenwärtig in vielen durch Größe, Gestalt der Hörner und Beschaffenheit des Haars unterschiedenen Abarten vor. Langes, seidenartiges Haar haben die Angoraziege (s. d.), besonders aber die tibetanische Ziege und die vielleicht mit ihr identische Kaschmirziege. Letztere werden auf den Bergen des Himalaja als austiere gehalten, gedeihen besser in den kältern egionen und geben das feinste Wollhaar, die einelne Ziege jährlich nur wenige Unzen. Aus demselben werden die berühmten Kaschmirshawls gewebt (s. Kaschmir und Shawl). Versuche, die Kaschmirziege bei uns zu ziehen, sind bis jetzt wenig eglückt, doch hat man durch Kreuzung mit der ngoraziege eine treffliche und ergiebige Mittelrasse erzielt. Unter den grobhaarigen Z. ist die in Agypten und Syrien heimische Ramberziege, deren Hörner sich nach hinten ringeln, durch Wuen dane heng Kopf merkwürdig, an dem die Ohren ang herabhängen, die Nase in der Mitte gebrochen und die Schnauze abgestutzt ist. Diese und die Niliege (C. aegyptiaca) mit kürzern Ohren kommen chon auf den ältern ägypt. Denkmalen vor. Auch von der Hausziege kennt man mehrere Spielarten, z. B. die ungehörnte spanische, die walisische, deren Hörner erst in einer gewissen Höhe nach den Seiten gedreht sind, u. s. w. Im großen geschieht die Zucht der 3. am vorteilhaftesten in gebirgigen Gegenden. Die Paarung Froht dann im Herbst statt, damit die Jungen im . 8 geboren werden, wo die Weide offen wird. Die Stallfütterung geschieht mit trockenem Laube, Heu, Stroh und Wurzelwerk. Saufen bedürfen die Z. wenig, desto mehr Salz und stets trockene Streu. Den hauptsächlichsten Nutzen gewähren sie durch ihre Milch, die einen besondern Geschmack hat und auch zur Käsebereitung dient. Zicklein gelten an vielen Orten als Leckerbissen, besonders im Orient. Die Haare können nur zur Verfertigung grober Zeuge (Teppiche), zu Pinseln, Bürsten, Hüten, Polstern gebraucht werden. Aus Ziegenleder macht man Beinkleider und besonders Handschuhe. Der Schaden, welchen die Z. den alten Kulturländern am Mittelmeere gebracht haben, überwiegt indessen weit ihren Nutzen. Sie sind die ärgsten Waldzerstörer durch Vernichtung der Sämlinge und großenteils Ursache der Entwaldung der Berge in den genannten Gegenden. iegenbalg (Bartholomäus), verdienstvoller Missionar, geb. zu Pulsnitz in der Lausitz 14. Juni 1683, widmete sich in Halle dem Studium der Theologie. 91 V. 1705 folgte er dem Rufe des Königs riedrich IV. von Dänemark, der eine Mission in ndien gründen wollte. Z. kam 1706 in der Niederassung zu Trankebar an, wo er aber gegen den Widersand der dän. Kolonialbeamten heftig anzukämpfen hatte. Er kehrte 1714 nach Europa zurück und ging disc England, wo er unter dem Schutze der Ostindischen Gesellschaft 1716 nach Madras reiste. Später ging er wieder nach Trankebar, um seine Berufsarbeiten fortzusetzen, wo er 23. Febr. 1719 starb. Von seinen Schriften sind zu erwähnen die „Grammatica Damulicao (Halle 1716), die Explicatio doctrinae christianae Damulicev Aussl die Biblia Damulicav 1723) und die „Ausführlichen Missionsberichter (Halle 1710 fg.), die bis 1770 unter seinem Namen fortgesetzt wurden. Der Missionar Germann in Ostindien gab aus 3.5 Nachlaß die Genealogie der malabarischen Götters (Erlang. 1868) heraus. Vgl. Germann, „3Z. und Plütschau. Die Gründungsjahre der trankebarschen Mission» (Erlang. 1868).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 905Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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