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BaukunstBau-Lexikon 1881

Pflaster, n., franz. pavement, pavé, m., aire pavée, engl. pavement, paved floor, Iat. pavimentum. I. Geschichtliches. A. Die Griechen pflasterten ihre 1Landstraßen mit rechteckigen u. polygonen Platten, oft auf „gemauertem Grund. Das P. in den Häusern, sdoe, bestand aus Ziegeln od. Marmor, die aus Platten bestehende „Pflasterung hieß Aueereeroy edapog und war oft in verschiedenen Farben gewählt u. in Mustern verlegt, woraus der Mosaikfußboden sich entwickelte. Die flachen Dächer fund Terrassen waren mit mehreren Schichten aus Topfscherben und Kalk (dordanos, Aestrich) bedeckt, auf denen „Platten lagen. Das Plattenpflaster der Tempel war hier und da mit einem gelblichen, von bunten Linien durchzogenen Stuck bedeckt. — B. Die Römer hatten verschiedene Pflasterungsmethoden: a) via strata, Straßenpflaster. Zwischen zwei Furchen (Tracen, schmalen Gräben), die die Straßenbreite bezeichneten, hobman die Dammerde aus, stampfte den bloßgelegten Boden und brachte darauf das statumen, eine Schicht flacher, in Mörtel verlegter „Bruchsteine. Darauf kam rudus, ruderatio, eine Schicht aus 2 Th. Kalk auf 5 Th. Steinbrocken; waren die Steine neu, so hieß die Schicht rudus novum, waren sie schon einmal gebraucht, rudus redivivum; darauf kam die dritte „Schicht, nucleus, bestehend aus einem Beton von Kalk, EKreide, Ziegelbrocken, Dachziegelbrocken u. Erde od. Kies, GKalk und Lehm. Die vierte Schicht, summum dorsum, summa crusta, bestand aus großen Kieselsteinen od. aus polygonen, rechteckig etc. bearbeiteten Platten; b) via glareata hieß die Straße, wenn die Deckschicht aus klarem Kies u. Mörtel bestand; e) via terrena hieß die Straße, wenn die Deckschicht statt des Mörtels mit Erde gemacht war. — C. Im Mittelalter herrschte sehr große Verschiedenheit betreffs Ausführung des P.s. Die inneren Fußböden wurden meist mit Platten oder bunten Ziegeln belegt. Das Straßenpflaster scheint man sehr vernachlässigt 3 haben. Es bleibt hier noch viel zu erforschen. II. Verschiedene Arten des Pflasters. A. Steinpflaster. Fußboden, welcher mit Steinen belegt ist, auch dieser Ueberzug aus gut zusammengefügten Steinen selber. Man pflastert Höfe, Hausfluren, Ställe, Landstraßen, Deichkronen u. Deiche; s. d. Art. Deckpflaster. Gassen in Städten pflastert man mit grobkörnigen, nicht thonhaltigen Bruchsteinen, sogen. Pflastersteinen, mit Feldsteinen, großen Kieselsteinen oder Sandsteinquadern. Bei dem Straßenpflaster muß man nach Bestimmung der Straßenbreite, des Gefälles etc. darauf sehen, daß das Regenwasser abfließen kann, wozu Gossen, entweder in der Mitte oder zu jeder Seite der Straße 1—4 m. von den Häusern, angebracht werden, nach denen hin man die Straße konvex abfallen läßt. Das Maß hierfür bestimmt die Breite der Straße. — 1. Eintheilung nach dem verfahren bei der Pllasterung. Es geschieht das P.n, welches auch Besetzen oder Dammsetzen genannt wird, durch den Plaastersetzer, Steinsetzer, auch Straßenjuwelier genannt, franz. paveur, engl. paver, pavier, und zwar a) naß, wobei die Steine in othek Heidelberg Cement, Kalkmörtel oder Thon gelegt, b) trocken, wenn 2 die Steine in Sand gelegt werden. Bei beiden Arten wird U zunächst der Rücken der Straße, der Pflasterrücken, und die d Gossensohle mittels Piquets nach dem angenommenen Nivellement abgesteckt u. abgeschnürt. Nachdem man nun 6 das Unterbett nach diesen beiden Absteckungen u. dem der z Straße zu gebenden Querprofil regulirt, auch, wenn es ganz od. zum Theil aus frisch angefülltem Boden besteht d (3. B. nach Einlegung von Schleusen od. dergl), durch gehörige Nässung, am besten Anfüllung mit Wasser, zum Setzen gebracht, u. nun auf das so fertig gewordene Unter-f bett ein 14—18 em. hohes Sandbett aufgebracht u. nach f jener Abschnürung planirt hat, beginnt man die eigentliche Pflasterung mit dem Auspflastern der Gosse, Tagerinne. Diese Auspflasterung der Gosse besteht meist aus zwei Steinen, Gossensteinen, Rinnsteinen (frz. zumelles, engl.) kennelstonés), deren Sohle dann die Fuge bildet, oder auch aus einem Bodenstein und zwei Backen-oder Bordsteinen. Darauf legt man entlang der Gosse neben dieselbe eine Reihe größerer Steine: Anfangsstein, Bordstein, zweiter Bordstein (contre-jumelles) eine ähnliche Reihe legt man in die Mitte der Straße, so daß erstere gleichsam die Widerlager der Bogen sind u. letztere die Schlußsteine bilden, indem man den Raum zwischen beiden Gossen so in zwei Bahnen (revers) theilt, diese Schenkel gewissermaßen auswölbt und dabei auf 1 m. Breite 4—5 em. Pfeilhöhe rechnet. Nachdem das Sandbett nochmals gehörig nach diesem Mäß geebnet ist, macht der Pflasterer für jeden einzelnen Stein mit der löffelförmigen Seite des Hammers eine kleine Vertiefung in den Sand, setzt den Stein an u. schlägt ihn mit der Bahn des Hammers flüchtig sest; nach der Vollendung einer Strecke befestigt man sie gehörig durch Schlagen miteinerhandramme, auch Pflaster. kamme genannt; als Mittel zu größerer Befestigung des P.s macht man auch wohl noch Querreihen od. Gurte von großen Steinen, oder legt das Gegenpflaster in solchen Gurten rechtwinklig od. schief gegen die Achse der Straße. Dabei müssen kleinere Steine gehörig mit Sand unterfülltwerden, damit sie nicht hohl liegen. Zuletzt überschüttet man das P. mit Sand, um die Lücken auszufüllen. In fetter Erde, Thon oder Mörtel ausgeführt, wird das P. natürlich fester als in Sand. Man theilt es gern, bes. an Straßenkreuzungen und auf freien Plützen, sobald man farbige Steine bekommen kann, in regelmäßige u. zierliche Felder. — 2. Eintheilung nach dem Material: a) Lütticher P., bossirtes P., besteht aus viereckig gearbeiteten Bruchsteinen, bossirten Pflastersteinen, frz. Pierre échantillonnée, engl. squared pavingstone, mit denen sich also ein regelmäßiger Verband herstellen läßt: s. d. Art. Pflasterverband; über die Größe vgl. d. Art. Pavé. b) Polygon⸗

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 3, S. 538Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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