Trottoir (vom frz. trotter, traben oder anhaltend und eilig gehen) oder Plattengang nennt man den zur Seite der städtischen Straßen, entlang den Häuserfronten, hinlaufenden Jußweg, welcher meist, um das Hinauffahren der Wagen zu verhindern, ein wenig erhöht und nach der Straße mit sog. Bordsteinen abgegrenzt ist. Zwischen T. und Fahrweg pflegt sich gewöhnlich das Straßengerinne und der Einfallschrot für die Schleusen zu befinden, nach welchen hin das T. ein geringes Gefälle erhält (½ : ½0). In gutgepflasterten Städten sind die T. mit glatterm Belage versehen als der Fahrweg,namentlich mitwürfelförmig behauenen Blöcken von Granit, Basalt, Grünstein u. dgl., seltener mit harten Ziegeln oder Klinkern gepflastert, oder mit Platten von Granit, Sandstein, Thon⸗, Kiesel- oder Kalkschiefer getäfelt, neuerdings auch mit Asphalt-Estrich überzogen. Ihre Breite beträgt gewöhnlich je ein Fünftel der Gesamtstraßenbreite, sodaß auf den zwischenbefindlichen Fahrweg drei Fünftel derselben kommen. Schon im Altertum waren T. gebräuchlich, wie man z. B. in Pompesi sieht, wo überdies hervorragende Steine im Straßenpflaster die übergänge bilden, um trockenen Fußes von einer Seite auf die andere gelangen zu können. Im Mittelalter ordnete man oft das T. in der Mitte der Straßenbreite an und nannte es Bürgersteig, welches Wort bisweilen noch jetzt statt des französischen T. gebraucht wird. Trotzendorf, s. Friedland (Valentin). Tronbadour (Trobaire, Trobador) bezeichnete in der provengal. Litteratur einen Dichter, der, im Gegensatz zu den um Lohn singenden Spielleuten, den Jongleurs (s. d.), die Poesie zu seinem Vergnügen trieb, und benennt ihn als den, der Gedichte erfand (trobar) und sie musikalisch komponierte. Mancher T. hatte Jongleurs im Sold, oder war selbst Jongleur, weil er seine Gedichte um Lohn selbst verbreiten mußte. Die meisten gehörten dem niedern Adel an und lebten von der Freigebigkeit der Fürsten und Herren, die zum Teil selbst die Poesie ausübten. Mit den Albigenserkriegen (1210) erhielt die Troubadourdichtung, die bis 1100 sich zurückverfolgen läßt, den Todesstoß, verbreitete sich aber auch da noch über Spanien und Italien. In Frankreich waren die Grafen von Provence, von Toulouse, Richard Löwenherz von England u. a., in Nordspanien die Fürsten von Aragonien und Castilien; unter den ital. Fürsten Bonifaz von Montferrat, und Azzo VII. von Este (1215—65) hervorragende Beförderer der provencal. Lyrik. Auch Frauen der höhern Stände nahmen selbstthätig an der provencal. Dichtung teil. Den Mittelpunkt der Troubadourpoesie bildet das der Frauenverehrung und dem Ausdruck der Liebesfreude und des Liebesschmerzes des Dichters dienende Minnelied (canzo chanson, s. Canzone), ursprünglich wie jede andere Lied art vers (Vers) genannt. In Canzonen zeichnen sich Bernard von Ventadour, Guiraut von Borneil, Peire Vidal, Gaucelm Faidit, Peirol, Aimeric von Peguillan u. a. aus. Die Canzone tritt in Gegensatz zum Sirventes, wörtlich Dienstgedicht (serrir), d. h. ein im Dienste fremder oder allgemeiner n. gedichtetes Lied, das sich mit öffentlichen Angelegenheiten polit. und religiöser Art, Kriegen, Kreuzzügen (Kreuzlied) u. dgl. beschäftigt. In den polit. Sirventes zeichnet sich Bertran von Born aus, der in den Kriegen Heinrichs II. mit seinen rebellischen Söhnen eine Rolle spielte. Im religiösen und moralischen Sirventes ragt Peire Cardinal hervor. Voll flammender Leidenschaft ist des Guillem Figueira Lied gegen die Römische Kurie. Litterarischen Inhalt haben zwei Sirventesen Peires von Auvergne und des Mönchs von Montaudon: Kreuzlieder dichteten Pons von Capdoil, Peire Vidal, Gaucelm Faidit u. a. Das Klagelied (planh) trauert um einen verstorbenen Gönner oder um eine verstorbene Geliebte; polit. Natur sind die Klagelieder auf den Tod des Grafen Blacatz (gest. 1236). Die Tenzone (tensos), d. h. Streitgedicht, auch joes partitz, d. h. geteiltes Spiel oder partimen (Teikung) genannt, stellt ein Gespräch oder einen Meinungsaustausch zwischen zwei oder drei Dichtern über eine in der ersten Strophe aufgeworfene Frage dar, über den ein Richter zu entscheiden aufgefordert wird. Die Kunst der T.s wurde mehr und mehr eine Formkunst. Das erschwerte Dichten, worunter die Anwendung besonders schwieriger Formen und seltener Reime verstanden wurde, und das schon Peire von Auvergne, Graf Raimbaut von Orange, Guiraut von Borneil, befonders aber Arnaut Daniel übte, der eine von der ital. Poesie aufgenommene und in dieser ständig gewordene Form, die Sestine (s. d.), geschaffen hat, zeigt, wie der im Minnelied behandelte Gegenstand gedanklich früh erschöpft war. Ausgeklügelt ist auch die Form des Descort, das aus Absätzen von verschiedener Melodie und rhythmischer Form besteht: die Dichter wollen damit einen Zwiespalt der Empfindungen ausdrücken. Raimbaut de Vaqueiras wendet, um diesen Mangel an Harmonie auszudrücken, einmal auch verschiedene Sprachen an. Schlichter und empfundener ist die Alba, die das Scheiden der Liebenden am Morgen nach süßverflossener Nacht schildert; die Serena, das Abendlied, die das Sehnen des Liebenden nach der verheißenen Liebesnacht ausdrückt; die Retroensa, die einen Refrain hat und dadurch als volkstümlich sich zu erkennen gibt; die Balada und Dansa, ebenfalls häufig mit Refrain versehen, die zum Tanz gesungen wurden; die Pastorela oder Pastoreta, das Schäferlied, das den Ritter in einer Liebschaft mit einer ländlichen Schönen vorführt u. a. In Reimpaaren wurden gedichtet die Liebesbriefelbreus oder salutz d'amors), von denen mehrere Arnaut von Maroill seinen Damen widmete, während Guiraut Riquier den Brief mit Baphiende Inhalte ausstattete. Die Biographien der T. wurden schon im 13. Jahrh. aufgezeichnet, zum Teil von namhaften Dichtern, welche die Nachrichten über ältere T. zusammenstellten. Gesammelt findet man sie bei Mahn, Die Biographien der T.v (Berl. 1881) und Chabuneau Montpellier 1885); verarbeitet hat sie Diez: Leben und Werke der T.v (Zwick. 1829) und «Die Poesie der T. v (Zwick. 1827). Außerdem vgl. Fauriel, Uistoire de la poësie provençales (3 Bde., Par. 1846); Galvani, «Osservazioni sulla poesia de' Trovadoris (Modena 1829); derselbe, Fiore di storia letteraria e cavalleresca della occitaniao (Mail. 1845); Milälty Fontanals, De los Trovadores en Espana (Barcel. 1861); Bartsch, «Grundriß zur Geschichte der provengal. Litteraturo (Elberf. Gött. 1882). Eine Gesamtausgabe der Werke der T. gibt es bis jetzt nicht; zahlreiche Gedichte findet man in Raynouard, «Choix des poésies originales des J.5 (6 Bde., Par. 1816 —21); Mahn, Die Werke der T.» (Berl. 1846 fg.) und Gedichte der T.v (Bd. 1—4, Berl. 1860 fg.); Brinckmeier, Blumenlese aus den Werken der T.y (Halle 1849); Bartsch, Provengal. Lesebuchv (Elberf. 1855; 3. Aufl. 1875). Eine Sammlung von Übersetzungen, die freilich weiter hinter den Originalen als die von Diez zurückbleiben, lieferte Kannegießer, „Gedichte der T. (Tüb. 1852).