FeedKaläga
ErdkundeBrockhaus 1882

Kaläga, Gouvernement des europ. Rußland, welches auf 30929 qkm 7 1098 814 E. dadet ist von den Gouvernements Moskau, Smolensk, Orel und Tula umgeben und befindet sich durch große Handels⸗ und Gewerbthätigkeit in hohem Wohlstande. Besonders ragen hervor die Erzeugnisse der Glashütten, Eisenhämmer, Woll⸗, Baumwoll⸗ und Leinwandmanufakturen, der Tuchfabriken und der großen Branntweinbrennereien. K. ist eins der fruchtbarsten Gouvernements; der Hauptstrom ist die Oka, die einen ergiebigen Fischfang gewährt. Die Wälder, etwa 25 Proz. des Areals, sind reich an Wildbret. Die kalugaischen Nachtigallen sind weit berühmt. Die Landbewohner beschäftigen sich vorzugsweise mit Hanfbau. Das Gouvernement wird in 11 Kreise eingeteilt und war früher eine Provinz des Großfürstentums Moskau, bis es von Katharina II. 1776 zu einem besondern Gouvernement erhoben wurde. Die Hauptstadt Kaluga, am Cinflusse der Jatschenka in die Oka und an der Bahnlinie Wjasma-Riaschk, zählt (1882) 38 608 E., die besonders lebhafte Ol⸗, Leder⸗ und Segeltuchfabrikation, sowie einträglichen Handel mit Ol, Obst, Getreide, Gemuse und Honig betreiben. Die Stadt ist der Sitz eines Civilgouverneuers und eines griech. Bischofs, hat 31 Kirchen, ein Mönchs⸗ und ein Nonnenkloster, ein Priesterseminar, ein adeliges Pensionat, drei Hospitäler, ein Gefängnis, eine Kreis⸗ und vier Pfarrschulen, eine 1849 gegründete landwirtschaftliche Gesellschaft, vier Wohlthätigkeitsanstalten u. s. w. Auch befinden sich hier ein großer Artilleriepark und bedeutende Pulvermagazine. K. ist die Stadt Großrußlands, welche 1480 den letzten Angriff der Tataren zu bestehen hatte. Sie war Sitz des zweiten falschen Demetrius (s. d.) der hier 1610 ermordet wurde, und seit 1859 der Schamyls.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 44Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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