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VerkehrBrockhaus 1882

Kanal heißt in der Oceanographie, gleichbedeutend mit Meerenge, Sund oder Straße, ein Meeresteil, welcher auf zwei entgegengesetzten Seiten vom Lande begrenzt ist, sodaß er dadurch auf einen verhältnismäßig schmalen Raum beschränkt wird, mittels dessen er zwei größere Meeresteile miteinander verbindet. Selten und mißbräuchlich wird mit dem Worte ein Meerbusen bezeichnet, wie dies z. B. bei dem Bristolkanal im südwestl. England der Fall ist. Der Kanal schlechtweg, bei den Alten Mare Britannicum, bei den Engländern der Britische oder Englische Kanal (Britishoder English Channeh), bei den Franzosen La Manche (Armel), ein Teil des Atlantischen Oceans von 86000 qkm Größe und das befahrenste aller Meere der Erde, verbindet, von Frankreich und England begrenzt, jenen Ocean mit der Nordsee. Meerbusenartig gestaltet, besitzt er zwischen der franz. Insel Ouessant und dem engl. Kap Landsend einen 200. km breiten Eingang, verengt und erweitert sich in seiner ostnordöstl. Richtung mehrmals und hat an seiner schmalsten Stelle, die zugleich seinen Ausgang bildet, dem Pas de Calais oder der Straße von Dover (Strait of Dover), dem Fretum Gallicum oder Britannicum der Alten, nur eine Breite von 37 km. Seine Länge beträgt 560, seine größte Breite 260 km, letztere zwischen der Mündung des Ex in England und der Rede von Cancale in Frankreich. Die Küsten- und Hafenbildung ist auf beiden Seiten sehr verschieden. Auf dem Festlande ist die Küste der Bretagne bis zu den Sieben Inseln, im Norden von Lannion, steil und felsig; aber ihr liegt ein flacher, öder Sandgrund vor, dessen Flugsand die wandernden Hügel von St.⸗Pol bildet. Sstlich folgen bis zur Reede von Cancale große Sandstrecken und fette Marschgegenden. Von hier steigt die Küste an, und ist teils mit Sanddünen besetzt, teils mit breitem Sandgrunde und fällt mit Steilwänden, den sog. Falaisen, ab. Nördlich von Bayeux und Caen liegen in einiger Entfernung von der Küste die Felsen Calvados. Sstlich von Dieppe wendet sich die Küste nordwärts nach der Straße von Calais, wo, wie gegenüber in England, sich Kreidefelsen erheben und die Vorgebirge Grisnez und Blanenez bilden. Die ganze franz. Küstenstrecke hat aber keinen einzigen von der Natur selbst gebildeten Seehafen von Bedeutung. Es liegt dies teils in der eigentümlichen Meeresströmung im K., die, hauptsächlich gegen O. gerichtet, die franz. Küste direkt trifft und mit Sand und Schlamm bedeckt, teils in der eigentümlichen Verwitterung des Bodens. Dagegen zeigt sich die engl. Seeküste fast durchaus als ein steiler, oft felsiger Abfall, überall mit scharf eingeschnittenen Buchten und geräumigen Flußmündungen und einer Menge brauchbarer und geräumiger Häfen, welche durch Landzungen und Vorgebirge gegen Strömungen und Nordweststürme geschützt sind und das Land zu einer der vollkommensten Hafenküsten der Erde machen. Die Tiefe nimmt im K. wie in der Nordsee mit der Entfernung vom Pas de Calais, wo sie an der tiefsten Stelle nur 47 m beträgt, zu. „Hinsichtlich der Gezeiten findet sich im K. die eigentümliche Erscheinung, daß die Flut an beiden Enden vom Atlantischen Ocean und aus der Nordsee gleichzeitig eintritt, wodurch ihr Niveau an beiden Küsten außerordentlich erhöht wird. Am Südforeland in England beträgt die Fluthöhe bei Springzeit 5—7, gegenber nißt, sind unter C aufzusuchen. bei Calais 6 m. Besonders übt diese Erscheinung mächtigen Einfluß auf die Küste der Bretagne, wo z. B. bei St. Malo der Flutstrom in den Syzygien sich bis 16 meund darüber erhebt, während er in den Quadraturen nur 5 msteigt. Diese Eigentümlichkeit des K. bringt dem Hafen von London den Vorteil, daß die von Norden und von Süden kommenden Schiffe gleichzeitig mit derselben Flut in ihn einfahren können. Dagegen ist die Ausfahrt aus dem K. bei starken Westwinden beschwerlich.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 59Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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