Seine (Sequäna bei den Alten), einer der größten und fischreichsten Flüsse Frankreichs, entspringt aus drei Quellen 47m hoch im Depart. Cöte-d' Or am südwestl. Ende des Plateau von Langres, in dem waldigen Thale Combe de la Douix, im Walde von Chanceaux und durchströmt in nordwestl. Hauptrichtung Burgund, Champagne, Isle de France und die Normandie (Depart. Cöte-d Or, Aube, Marne, Seine-et-Marne, Seine-et-Oise, Seine, Eure und Niederseine). Auf ihrem Laufe berührt sie Chatillon, Mussy, Bar, Troyes, Mery, Nogent, Montereau, Melun, Corbeil und durchschneidet 866 EKm weit Paris. Dann fließt sie vorüber an St.⸗Denis, Argenteuil, St.-Germain, Poissy, Mantes, Vernon, Les-Andelys, Pont de l'Arche, Elbeuf, Rouen, Duclair und Caudebee, bildet von unterhalb Quillebeuf an ein 30 kmulanges, zwischen Harfleur und Honfleur 10 km breites AÄstuar und ergießt sich südlich von Cap de la Höve, nahe unterhalb Havre, in 407 km direkter Entfernung von der Quelle, nach einem sehr gekrümmten Laufe von 776 km in den Kanal (La Manche). Unterhalb Troyes, bei Marcilly, von der Aubemündung an, wird die S. (656 Km) schiffbar. Innerhalb Paris wechselt sie beträchtlich in der Breite, von 49 m (unter dem Pont St. Michel) bis 166,3 und 265 m (unter dem Pont-Neuf und Pont d' Austerlitz). Von da an hat sie viele Inseln und einen langsamern Lauf, sowie auffallend viele Windungen. Unterhalb Rouen wird sie 680— 780 m, bei Quillebeuf 2,5 kKm, gegenüber von Honfleur 10 Emtbreit. Von der Quelle bis Paris sind ihre Ufer im allgemeinen monoton, desto malerischer und romantischer von Paris bis zum Meere. An der Mündung ist sie zur Flutzeit majestätisch; zur Ebbezeit gewahrt man nur Wasserstreifen zwischen schlammigem Sand. Zur Zeit der Aquinoktien, sowie bei Neu-⸗ und Vollmond steigt die Barre mit Getöse aufwärts, selbst bis Rouen bemerkbar, nicht selten die besten Deiche zerstörend. Bis Rouen, 126 km vom Meere, steigen mit der Flut Segelschiffe von 300 bis 500 t, Dampfer von 600 bis 800t Last hinauf, sodaß diese Stadt, sowie La Bouille, Duclair, Caudebee, Quillebeuf als Seehäfen betrachtet werden. Die S. hat ein Gebiet von 78000 àkm und nimmt 25 Nebenflüsse (darunter 8 schiffbare) auf, von denen rechts die Aube, Marne mit Ornain und Ourcg, die Oise mit der Aisne, die Epte und Andelle, links die Nonne mit dem Armangon, der Loing, die Essonne, Eure und Rille die namhaftesten sind. In Verbindung steht sie durch das treffliche Kanalsystem Frankreichs auch mit der Somme, Schelde, Maas, Loire, Saöne und dem Rhöne, sowie durch den neuen Marne-⸗Rheinkanal mit dem Rhein. Sie ist der wichtigste und verkehrreichste Fluß Frankreichs, indem sie die Hauptstadt des Reichs direkt mit dem brit. Kanal und durch künstliche Wasserstraßen den Ocean mit dem Mittelmeere in Verbindung setzt. Nach der S. sind vier Departements benannt. Das Departement Seine, ein Teil der alten Provinz Isle-de-France, fast kreisrund, ganz umschlossen vom Depart. Seine-Dise, ist das kleinste, aber durch die darin liegende Hauptstadt Paris das volkreichste und volksdichteste Departement Frank—⸗ reichs. Es hat ein Areal von 478,7 qkm, wovon die Hauptstadt Paris (s. d.) allein 78 einnimmt, und eine Bevölkerung, die 1800 —21 von 630585 auf 822 100 (um 30,1s Proz.), bis 1831 auf 935108 Conversations-Lexikon. 13. Aufl. XIV. (um 13 Proz.), bis 1841 auf 1194603 (um 27,5 Proz.), bis 1851 auf 1422065 (um 19 Proz.), bis 1861 auf 1953660 (um 37,36 Proz.), bis 1872 auf 2220060 (um 13,68 Proz.), bis 1876 auf 2410849 (um 8,6 Proz.) und bis 1881 auf 2799329 sich steigerte. Das Land ist meist eben, und der Chau⸗ (mont, Montmartre, Mont-⸗Valérien, die Höhe bei Piquet und der kleine Bicetre sind bei 101, „105, 161, 167 und 169 m Seehöhe die Erhebungen, welche den mittlern Teil, das Thal der Seine, beherrschen. Die Seine nimmt bei Charenton die Marne, in Paris die von Süden kommende Bievre (Rivière des Gobelins), sowie die Kanäle de l'Oureg, St.⸗Denis und St. Martin auf. Der Boden des Departements, aus Kalkstein, Gips und Mergel bestehend, ist leicht und dürr, aber durch eifrigen Anbau ertragreich, namentlich in den gutbewässerten Gärten, welche jährlich bis sechs Ernten geben. Bemerkenswert sind die vielen Gips- und Steinbrüche, sowie die kalten Mineralquellen von Passy und Auteuil. Produkte sind Getreide, viel, aber mittelmäßiger Wein, Hülsenfrüchte, Rüben, vortreffliche andere Gemüse. Alles dies reicht jedoch für die ungeheuere Bevölkerung nicht hin, weshalb auf den Flüssen und Kanälen unermeßliche Provisionen aller Art, Lebensmittel, Bau- und Brennmaterialien herbeigeführt werden müssen. Den Verkehr befördern außerdem gute Chausseen und die von Paris ausgehenden Eisenbahnen. Das Departement zerfällt in die Arrondissements Paris, St.-Denis und Sceaux und zählt 28 Kantone und 72 Gemeinden. Das Departement Niederseine (Seine-Inférieure), aus Teilen der Normandie (den Landschaften Caux und Bray) und Teilen von Roumois und Vexin gebildet, zählt (1881) auf 6035,5 qEm 814068 E., zerfällt in die fünf Arrondissements Rouen, Havre, Dieppe, Ppetot und Neufchätel, die zusammen 51 Kantone und 759 Gemeinden enthalten, und hat zur Hauptstadt Rouen (s. d.). Die Küste hat außer dem AÄstuar der Seine keine Buchten. Das Land ist teils ganz flach, teils von bewaldeten Hügeln durchzogen, welche fruchtbare Thäler einschließen. Außer der Seine im Süden, die viele Bäche aufnimmt, ergießen sich nur kleine Küstenflüsse ins Meer, wie bei Dieppe die Bethune, an der Ostgrenze die Bresle bei Tréport, von wo ein Kanal nach Eu führt. Die schiffbaren Flüsse haben 157, die 170 nicht schiffbaren 462 Km Länge. Das Klima ist mild. Das Departement gehört zu den bevölkertsten (mit 135 E. auf 1 gkm), reichsten und gewerbthätigsten Teilen Frankreichs. Landbau und Industrie stehen hier auf der höchsten Stufe. Rouen ist eine der bedeutendsten Fabrikstädte des Reichs und Häyre dessen zweiter Handelshafen. Der wohlbewässerte, im allgemeinen fruchtbare Boden gewährt reiche Ernten von Getreide, doch kaum hinreichend für die dichte Bevölkerung; ferner Kartoffeln, Gemüse, Apfel, Olgewächse, Hopfen, Lein, Futter und Runkelrüben im Üüberfluß. Die guten Weiden im Innern unterstützen die Viehzucht. Die Holzungen nehmen zusammen 716 qkm ein, und Torf findet sich in Menge in den Flußthälern. An der Küste bereitet man aus Varech (Seetang) Aschensalz und Dünger. Von Erzen findet sich nur etwas Eisen, dagegen sind vielerlei Steinarten, wie Marmor, Bau-und Pflastersteine, auch Kreide, Thon und Mergel vorhanden, desgleichen zählreiche Mineralquellen, wie die von Rouen, Forges, Aumale und Gournay, wozu noch die Seebäder von Dieppe, Etretat am Cap d'Antifer kommen. Neben der Landwirtschaft besteht eine großartige und vielseitige Industrie, an welcher sich fast zwei Drittel der Bevölkerung beteiligen. Wichtig ist auch die Seefischerei, welche Paris versorgt. Von größter Bedeutung ist aber der Handel, der durch die Häfen Rouen, La-Bouille, Duclair, Caudebec, Quillebeuf und Harfleur an der Seine, den großen Seehafen Havre und die kleinern Seeplätze Etretat, Fécamp, St.⸗Pierre-en-Port, St.⸗Valery-en-Caux, Dieppe, Tréport und Eu gefördert wird. Das Departement Seine⸗-et-Marne, aus Teilen von Isle-de-France und Champagne, namentlich Brie-Frangaise und Gätinais-Frangais, Stücken von Valois und Brie-Champenois gebildet, zählt (1881) auf 5736,35 Km 348 991 C., zerfällt in die fünf Arrondissements Melun, Fontainebleau, Coulommiers, Provins und Meaux, zusammen mit 530 Gemeinden in 29 Kantonen, und hat zur Hauptstadt Melun (s. d.). Das Land ist eine Ebene mit sanften Höhen (Kalksteinhügeln), im höchsten Punkt kaum 175 müber dem Meere gelegen, durchflossen von der Seine mit der Honne, dem Loing und dem Mres, von der Marne mit dem Kleinen und Großen Morin, vom Ourcg u. s. w. Der Ourcgkanal, die Kanäle von Cornillon und Chelles haben zusammen 118,4 km, die schiffbaren Flüsse 242,3 km und die 229 unschiffbaren Flüßchen und Bäche 1037,5 Em Länge. Auch an kleinen Seen und Teichen fehlt es nicht. Mineralquellen hat Provins. Das Klima ist gemäßigt und gesund. Der Boden, nur im Süden und Osten kalkig, sonst thonig und kiesig, ist gut bebaut oder mit ausgezeichneten Wiesen und schönen Wäldern bedeckt, darunter der berühmte Wald von Fontainebleau. Man gewinnt Weizen, Obst, die sehr geschätzten Spaliertrauben von Thomery (bei Fontainebleau), sehr vielen, aber nur mittelmäßigen Wein, zieht Rindvieh, welches den Käse von Brie liefert, sowie Merinoschafe. Von Wichtigkeit sind die Steinbrüche; auch Industrie und Handel sind bedeutend. Das Departement Seine-et-Oise, auch aus Teilen von Isle de France (Hurepoix, Mantais, Parisis, Vexin und Brie-Francaise) gebildet, das Depart. Seine umschließend, zählt (1881) auf 5603,61 alm 577798 C., zerfällt in die sechs Arrondissements Versailles, Mantes, Pontoise, Rambouillet, Corbeil und Ctampes, zusammen mit 686 Gemeinden in 37 Kantonen, und hat zur Hauptstadt Versailles (s. d.). Das Land ist fast ganz eben hier und da von Hügeln überhöht. Reichliche Bewässerung geben die Seine mit der Essonne, Orge, Maudre und Vaucouleurs links und der Marne, dem Ouregkanal, der Oise und der Epte rechts, sowie zahlreiche Teiche. Die schiffbaren Flüsse haben 148 Km, die Kanäle 57½7 km und die 160 nicht schiffbaren Flüßchen und Bäche 4205 km Länge. Mineralquellen hat Forges-les-Bains. Das Klima ist mild und gesund, doch veränderlich, zuweilen feucht und nebelig, befonders in den Flußthälern. Der Boden, zum Teil sandig, aber im ganzen fruchtbar, liefert Kreide, Gips, Bausteine und Torf. Man produziert Getreide weit über, den Bedarf, Kartoffeln, Wein und viel 9.9 5 Die Waldungen nehmen fast ein Fünftel es Arcals ein. Natürliche und künstliche Wiesen unterstützen die Viehzucht. Man zieht Pferde und Schafe, die durch die große Schäferei zu Rambouillet (s. d.) sehr verbessert worden sind. Obgleich das Departement vorwiegend ein ackerbautreibendes ist, unterhält die Bevölkerung doch auch 3—400 industrielle Etablissements mit etwa 12000 Arbeitern, namentlich Spinnereien, Fabriken für Strumpf⸗ und Posamentierwaren, Destillationen, Papiermühlen u. s. w. Auch beutet man sehr viele Steinbrüche aus und treibt lebhaften Handel.