Kanara, Kananur, Landschaft des brit. Vorderindiens, die sich mit nur geringer Breite, aber beträchtlicher Länge zwischen 127 11 und 15 30 nördl. Br., sowie 74 9“ und 75 44 östl. L. von Greenwich erstreckt. Nördlich wird K. vom portug. Territorium von Goa, östlich von Teilen der brit.⸗ ind. Präsidentschaften Bombay und Madras, sowie von dem Reiche des Radscha von Mysore, südlich von dem Distrikt Malabar der Präsidentschaft Madras und dem engl. Distrikt Kurg in Mysore, westlich von dem Indischen Ocean begrenzt. Der Name K. ist bei den Eingeborenen unbekannt und gilt für eine Korruption des Wortes Karnata, des Namens eines alten Hindukönigreichs im Dekhan. Die Landschaft K. besteht aus zwei politisch voneinander getrennten Hälften, einer nördlichen, welche ein Kollektorat der südl. Division der Präsidentschaft Bombay, und einer südlichen, die einen Distrikt der Präsidentschaft Madras bildet. Nordkanara, mit einem Areal von 10968,20 gkm und einer Bevölkerung von 398 406 Seelen, liegt zwischen 13* 35 und 15 30 nördl. Br., sowie 74 und 75 10 östl. L. von Greenwich. Südkanara, mit einem Flächeninhalt von 10106 qkm und einer Bevölkerung von 918 362 Seelen, erstreckt sich von 12* 11 bis 13 39“ nördl. Br. und von 74 45 bis 75 42 östl. L. von Greenwich. Nordkanara hat keinen einzigen für größere Schiffe geeigneten Küsten- und Hafenplatz, Südkanara dagegen besitzt den Seehafen Mangalur unter 127 52 nördl. Br. und 74 54 östl. L. von Greenwich. Die frühere Geschichte von K. liegt im Dunkeln. Bald nach der Mitte des 18. Jahrh. fiel es in die Hände von Hyder-Ali und kam nach dem Falle von Hyder-Alis Sohne Tippu⸗-Sahib an die Enganaresisch, eine der südindischen oder dravidischen Sprachen, die im südwestl. Dekhan von etwa 9 Mill. Menschen gesprochen wird. (S. unter In-⸗ dische Sprachen, Bd. IX, S. 577.)