Kapverdische Inseln oder Inseln des Grünen Vorgebirges (Ilhas do Cabo Verde), ein portug. Archipel im Atlantischen Meere, 14 45 bis 17² 13• nördl. Br. und 4 50“ bis 7² 30 westl. L. von Ferro, etwa 550 kmevon dem westafrik. Kap Verde entfernt, von dem er den Namen führt, besteht aus zehn Inseln, wovon neun bewohnt, und vier Klippen, und zählt auf 3851 qkm (1879) 99317 E., wovon nur der 20. Teil Weiße, die übrigen freie Farbige sind. Die Inseln zerfallen in zwei Gruppen, eine südliche unter dem Winde (Sotavento) und eine nördliche über oder vor dem Winde (Barlovento). Zur erstern gehören Säo-Thiago, Maio, Fogo und Brava und die zwei Klippen Rombo; zur letztern Boavista und Sal im Osten, Säo-⸗Nicolaäo, Säo-Vicente, Sta.⸗Lucia (unbewohnt), Säo-Antäo und die Klippen Branca und Raza im Westen. Die Inseln sind fast sämtlich sehr gebirgig und von submariner Vulkanbildung; Fogo trägt sogar einen noch rauchenden Vulkan. Vom Dezember bis Juli ist das Klima sehr heiß, in den vier folgenden Monaten herrschen Winterregen, während welcher in der Regel West⸗ und Nordwestwinde wehen, zuweilen als heftige, von Gewittern begleitete Orkane. Zuweilen bleibt der Regen jahrelang aus; dann tritt infolge der Mißernten Hungersnot ein, welche z. B. 1730—33 fast zwei Drittel der Bevölkerung und 1831—33 an 30500 E. wegraffte. Bei der Verbreitung der Basaltdecken und Bimssteinmassen ist nur wenig Ackerboden vorhanden. Waldung gibt es nirgends. Nur Kokos⸗ und andere Palmen finden sich in einzelnen Gruppen, Buschwerk auf dem Grunde der Schluchten und Thäler. Indigo und gute Baumwolle wachsen von selbst, die Tamarinde ist ziemlich häufig. Man baut Reis, Mais, Hirse; ferner Wein, Zuckerrohr, Tabak und trefflichen Kaffee, Orseille, ausgezeichnete Orangen, sowie mancherleiandere tropische und subtropische Früchte, während Weizen eingeführt werden muß. In neuerer Zeit wurde die Jatropha Curcas der Olgewinnung ißt, sind unter C aufzusuchen. wegen als Kulturpflanze eingeführt. Auch gewinnt man viel Salz, Palmöl und Ricinusöl, zieht Pferde, Esel und ausgezeichnete Maultiere, Schweine, Ziegen, Rinder, Schafe, Truthühner und anderes Geflügel in Menge, jagt Perlhühner, die hier wild leben, Rebhühner und Wachteln. Die Küsten sind reich an Fischen und Riesenschildkröten, die unbewohnten Klippen an Guano. Die Koralle des Mit-⸗ telmeeres wird fleißig gefischt (seit 1882). Der Archipel ist für die Seefahrer als Erfrischungsstation von Wichtigkeit, bringt aber wegen der schlechten Handelspolitik und Verwaltung dem Mutterlande leinen erheblichen Gewinn. Zum Teil wurden die Inseln schon 1441 von den beiden in portug. Dienste stehenden Genuesen Antonio und Bartolomeo di Nolli (wie das Kap Verde in demselben Jahre von Dionysio Fernandez) entdeckt, aber erst, nachdem der Venetianer Ca da Mosto 1446 vier derselben aufgefunden, von den Portugiesen besetzt. Seitdem sind sie auch bei der Krone Portugal geblieben. Sie stehen unter einem Generalgouverneur, der seinen Sitz in Porto-Praia auf Säo-Thiago hat, und bilden zusammen 11 Regierungsbezirke mit 29 Kirchsprengeln unter einem Bischof, der unter dem Erzbischof von Lissabon steht. Säo-Thiago, die größte der Inseln, zählt auf 966,2 gkm 41076 CE. Sie ist von einer Gebirgskette und vielen Bergkegeln erfüllt (Pico da Antonia 1400 m hoch) und hat reichliche Bewässerung und ziemlich guten Anbau. An einer schönen Bai der Ostküste liegt die befestigte, sehr ungesunde Hauptstadt Porto-Praia, mit 21000 E. und dem Hafen. Maio, eine fast ganz aus tertiärem Kalkstein bestehende Insel mit schroffen Steilküsten, ohne Trinkwasser, zählt auf 205,7 gEm nur 1602 E., die sich mit Gewinnung von Seesalz beschäftigen. Die Insel Fogo, 443 qkm groß, besteht fast nur aus einem unmittelbar aus dem Meere emporsteigenden Kegelberge von 2700 m Höhe (Pico do sender der 1847 einen Lavastrom bis zum Meere gesendet hat. Die Insel hat fruchtbaren Boden, reichliche Lebensmittel, aber ungesundes Klima, zwei mittelmäßige Häfen und zählt 12221 E. Brava, das Paradies des Archipels genannt, gebirgig, ziemlich gesund, mehr bewässert und gut bebaut, hat drei Häfen, mehrere Mineralquellen, darunter die Essigquelle (Fonte deVinagre), und zählt auf 54,84 dEm 8156 E., die als gute Seeleute gelten. Säo-João-Baptista ist der Hauptort, Furna der Haupthafen. Boavist a, eine sandige, unfruchtbare, wegen der vielen Riffe und Sandbänke schwer zugängliche Insel von 593,2 dkm, zählt 2643 C., die Fischerei, Schildtrötenfang und Salzbereitung treiben. Sal,233aEm groß, mit 1082 E., im Innern mit dem Pie Martinez, sonst niedrig und sandig, seit 1839 besiedelt, hat eine reiche Salzquelle, die einen Salzexport von jährlich 350— 450 Fanegas liefert. Säo-Nicoläd, mit 375,5 qkm und 8733 E., ist sehr fruchtbar, aber ungesund. Der besuchteste Hafen ist Preguizo oder Freshwater an der Südseite. Die Insel Säo-Vicente, 206,8 qkm groß, mit 1000m hohen Basaltbergen bedeckt, nackt und unfruchtbar, aber das gesundeste und jetzt von Seefahrern besuchteste Eiland des Archipels, ist seit 1796 besiedelt und zählt 3297 E. Der Hauptort Leopoldina ist eine aufblühende Stadt. Porto-Grande, der beste Hafenplatz der Inselgruppe, hat eine große Kohlenniederlage für die Postdampfer der engl. Dampfschiffahrtskompagnie Royal Mail auf der Linie zwischen Lissabon und Brasilien, Montevideo und Buenos-Ayres. Säo-Antäo, die nordwestlichste und fruchtbarste der Inseln, 919,6 glem groß, mit dem 2195 mhohen Paào do Acucar, ist schwer zugänglich, aber reichlich durch Bäche bewässert und mit warmen und kalten Stahlquellen versehen. Sie zählt 20507 E., wovon 6000 auf die Hauptstadt Santa-Cruz kommen. Die Bai von Tarrafal ist zu allen Jahreszeiten ein guter Ankerplatz. Vgl. Dölter, Die Vulkane der Kapverden und ihre Produkter (Graz 1882); derselbe, Küber die Kapverden nach dem Rio Grande und Futah Djallono (Lpz. 1884).