FeedAzoren
ErdkundeBrockhaus 1882

Azoren, portug. Ilhas Agores, engl. Azores, franz. Acores, d. h. Habichtinseln auch J as Terceiras und Westin eln, engl. Western⸗ slands eine als Provinz, nicht als Kolonie zum Konigreich Portugal Garnpe und von dem Festlande 1700 km entfernte Gruppe von neun Inseln und mehrern Klippen im Atlantischen Ocean, zwischen 37—40 nördl. Br. und 7—14 westl. L. (von Ferro) gelegen, früher unpassenderweise zu Afrika, jetzt zu Europa gerechnet. Die Inseln undassen einen Raum von 2388 qkm und zählen (1878) 264 352 C., sodaß 110 Seelen — 1 akm entfallen. Sie bilden einen über 650 km langen, von OSO. nach WRW. erichteten Zug, der mit Sta.⸗Maria be innt, mit lores und Corvo in der Nähe der berühmten Fucusbank oder des Kräutermeers (Mar de Sargasso) endet und durch Zwischenräume von etwa 190 kEm in drei Gruppen geschieden wird: die östl. Gruppe mit Säo-Miguel, der größten, bevölkertsten und reichsten Insel (777 qm), Sta.⸗Maria (97 qkm) und zwischen beiden die 45 qkm große Bank Las Formigas nebst 7—8 Felsen; 2) die mittlere Gruppe mit Pico (447 qkm), Terceira (421 qkm), Säo-Jorge (244 akm), Fayal (179 qkm), Graciosa (63 qkm); 3) die wesil. Gruppe mit Flores (141 qkm) und Corvo (19 qkm). Administrativ zerfällt der Archipel in drei nach ihren Hauptstädten benannte Distrikte: Angra do Heroismo (Hauptstadt des ganzen Archipels, auf Terceira), 818 km mit (1872) 72830 C.; Horta (auf Fayal), 847 aEm mit (1872) 62779 CE.; Ponta-Delgada (auf Säo-Miguel), 864 akm mit (1872) 124 463 E. Zu Angra gehören außer Terceira noch Graciosa und Säo-Jorge, Ponta-Delgada umfaßt die östl. Gruppe, Säo-Miuel und Sta.⸗Maria, der Distrikt Horta die übrigen en; der sicherste ist Angra auf Terceira, dem Fayal und Ponta-Delgada (auf Säo-Miguel) noch am nächsten kommen. Die einzelnen Inseln sind sämtlich in Südostbis Nordwestrichtung langgezogen, schwer 1Sterlich und durchaus wukanischer Natur. Die Oberfläche ist bei allen bergig, durch wilde Schluchten errissen, höchst pittoresk. Unter den Vulkankegeln ist der Pico-Alto (2222 m) auf Pico der bedeutendste. Der Pico de Värra auf Säo-Miguel ist 1089, die Caldeira de Sta.⸗Barbara auf Terceira 1067, der Pico de Esperanza auf Säo-Jorge 1067, die Caldeira de NCa 1021, der Morro-Grande auf Flores 942, die Caldeira de Corvo 777 m hoch. Der Pico-Alto de Sta.⸗Maria erreicht nur 570, Graciosa nur 396 m. Wirkliche Tafelflächen sind selten, und auch diese sind durch parasitische Vultankegel uneben. Die dem vulkanischen Terrain micberbolt he Form der Kraterkessel (Caldeiras) wiederholt sich hier außerordentlich häufig, der Boden derselben ist meist von Seen erfüllt. So bilden namentlich auf Säo-Miguel die Lagoa do Fogo, die Caldeira das Furnas und vor allen die Caldeira das Sete-Cidades mit ihren herrlichen Seen und der üppigen Vegetation im Gegensatze zu den wilden Felszacken die schönsten Landschaften des Archipels. Der Boden besteht auss ½ aus neuern vulkanischen Massen, Laven, Tuff, Bimsstein, Schlacken und Agglomeraten. Die ältesten Schichten sind trachytische Laven, nur auf Sta.⸗ Maria finden sich versteinerungsführende, Awellen rine Kalkschichten. Za Eucl sind heiße Quellen vorhanden, auf Säo-Miguel führt das Val das Furnas, welches von der gleichnamigen Caldeira zum Meere durchbricht, seinen Namen von der außerordentlichen Menge daser Quellen, die teilweise sogar unter dem Wasser des Sees hervorbrechen. Auf Terceira Ranlich Solfataren Schwefeldämpfe aus. Die vulkanischen Kräfte, denen die Inselgruppe ihr Dasein verdankt, sind bis in die neueste Zeit in kräftiger Thätigkeit gewesen. Von Erdbeben und Ausbrüchen sind die A. seit ihrer Entdeckung (1444) 21mal heimgesucht worden, am meisten die Insel Säo-Miguel (spr. Migél), nämlich 12mal. Unter diesen Erdbeben war das stärkste das von 1522, welches mit mächtigen Erdstürzen und Schlammergüssen einen großen Teil der Insel verheerte und namentlich die damalige Hauptstadt Villa-Franca vollständig zerstörte. Einige von den Ausbrüchen fanden nicht unmittelbar auf den Inhatt sondern in der Nähe derselben unterseeis tatt, wie 1638, 1720 und 1811 bei Säo-Miguel, 1691 und 1757 bei Säo-Jorge; ganz unberührt blieben Sta. Maria, Graciosa, Flores und Corvo. Bei Gelegenheit der unterseeischen Ausbrüche entbeme jedesmal Inseln, die nach kurzer Zeit unter em Wasser verschwanden. Am interessantesten und am besten bekannt ist der von 1811, bei wel-Miig die Insel Sabrina entstand. Nachdem Säoiguel schon längere Zeit von wiederholten Erdstößen heimgesucht worden war, brach am 1. Febr. Conversations-Lexikon. 13. Aufl. II. 1811 etwa 4 Em von der Westspitze der Insel Feuer und Asche aus dem Meere hattz, hiuteriieß der Ausbruch acht Tage gewährt hatte, hinterließ er an der Stelle eine Bank. Im Juni begann abermals nach mehrfachem Erdbeben ein Ausbruch, etwas näher an Säo-Miguel, welcher 17. und 18. Juni seinen Höhepunkt erreichte, und bis zum 21. bildete sich ein Krater, dessen höchste Umwallung etwa 80 m über dem Meere aufragte. Nachdem 1. Juli Kapitän Tillard von der engl. Fregatte Sabrina auf der Fusel elandet war, verschwand dieselbe bis gegen Ende Oktober, und jetzt nden sich an ihrer Stelle Tiefen von 27 m. Sie cheng aus Asche und porösem Gestein, unter welchen gelegentlich Laven zu Tage traten. Noch 25. Nov. 1857 beobachtete ein engl. Schoner unweit der A. ein Seebeben, wobei eine halbe Stunde lang warme Dämpfe aus dem Meere stiegen, das in ů—ẽ Bewegung geriet. Die A. sind gut bewässert. Mineralquellen von wirksamen CEigenschaften gibt es besonders auf Terceira, Säo-Miguel, Pico und Flores. Im Winter sind die Inseln heftigen Stürmen ausgesetzt, und auch im Sommer weht der Wind meist ziemlich heftig; sonst ist das Klima gleichmäßig mildfeucht und esund und wird daher Lungenkranken empfohlen. Iu Ponta-Delgada beträgt die mittlere Jahrestemperatur 17,7 C. (Sommer 20,7, Winter 13,). Auch begünstigt dieses Klima den kten Vod Pflanzenwuchs auf dem vulkanisch zersetzten Boden. Es gedeihen hier alle Produkte Portugals, namentlich vorzügliche Orangen in Menge, Wein, namentlich am Westabhange des Pico-Alto; er wird gewöhnlich unter dem Namen Fayalwein, zuweilen auch als Madeira in den Handel gebracht. Ferner Oreille, Ananas, Mandeln, Getreide, hauptsächlich ais, Gemüse, Kartoffeln, Arzneipflanzen in Fülle, felbst Hams und Bananen, auf mehrern Inseln gaßtee n Der Olbaum gedeiht nur auf Terceira; affee und Tabak wird nur in ganz verschwindenden mSch ebaut, wie früher auch Zuckerrohr. Wie an chissbauhol; ist auch Mangel an Metallen. Die Viehzucht ist sehr bedeutend und liefert vortreffliches Schlachtvieh in Menge; die Pferde, in geringer Zahl gehalten, sind klein und schlecht. Eigentümlich ist auch eine auf Corvo gezüchtete Rasse von Kühen, die nur Im Höhe eutichen. Wild finden sich nur Kaninchen, Wiesel, Ratten und Mäuse. Unter den Vögeln gibt es viele Sänger und schön gefiederte Arten. Der Große Batara oder Baratra (Hamnophilus magna), eine Spezies der Würger, ist ausschließlich auf den A. heimisch. Geflügel, bande ustern und Schildkröten sind reichlich voranden. Die Hauptmasse der Bevölkerung ist portug. Abkunft. Daneben leben Neger, Mulatten und, bei onders auf Fayal, auch Engländer, Schotten und Irländer. Landwirtschaft wird nur auf Säo-Miguel, Fayal und Graciosa mit einiger Einsicht betrieben. Bedeutend ist der Handel, besonders mit Portugal, England, Brasilien und Nordamerika. Hauptgegenstände der Ausfuhr sind Wein und Branntwein, Orseille, Orangen, Getreide, Hülsenfrüchte, Rindvieh, Schweine, Sahnesble Käse, Ol, Färbermoos, Vogelfedern und aus solchen verfertigte kostbare Blumen, Stroh zu Hüten. Unter den Ausfuhrgegenständen spielen die Orangen die 55, da rolle, sie gehen fast ausschließlich nach England, da ie den Transport nicht so gut vertragen wie die italienischen. Der Wert der ausgeführten Orangen betrug 1872 80705 Pfd. St. Bodenkultur wie Erport sind beeinträchtigt durch das bis in die neueste Zeit bestandene Verhältnis, daß der bei weitem größere Teil des Areals 27½ Landbesitzern (Morgados) gehört, von denen Zeitpächter kleine Teile er-Zalken. Armut herrscht daher allgemein, und die Auswanderung nach Britisch-Guiana, Westindien und Brasilien ist anhaltend. Industrie fehlt gänzlich; die Inseln werden meist von England aus mit Manufakturwaren versehen, außerdem werden Rum, Zucker, Thee, Kaffee und Fische importiert. Wepie eannt aen Daß die A. schon den Karthagern bekannt gewesen, beweisen die 92 Corvo gefundenen punischen Münzen. Auch den Normannen und Arabern waren sie bekannt. Indessen erst seit der Entdeckung oder vielmehr Wiederauffindung und Besetzung durch die Portugiesen wurden die Inseln genauer bekannt. Der Komtur Goncalo Velho Cabral fand 1431 die Klippen der Formigas und 1432 Sta.⸗Maria. Schon auf der Welttafel des Venetianers Andreas Bianco von 1436 und auf der catalonischen Karte des Gabriel de Valsecca von 1439 sind die A. angegeben als von Diego von Sevilla 1427 gesehen, und sogar auf dem mediceischen Portulano von 1351 ist bereits der ganze Archipel genau und im einzelnen merkwürdig richtig angegeben. Im J. 1444 wurde Säo-Miguel, 1449 Terceira, Säo-Jorge, Fayal, Flores und (wenn nicht erst 1460) Corvo, 1453 Graciosa entdeckt. Sämtliche 7 waren bei ihrer Besitznahme unbewohnt, reich an Wald und Vögeln. Die ersten portug. Kolonien erhielten Sta. Maria und Säo-Miguel gleich nach ihrer Auffindung. Der Volksglaube hielt die A. für die Inseln der Sete⸗-Cidades oder Sieben Städte, das Asyl von sieben Bischöfen,‚ die nach der Eroberung der Iberischen Halbinsel durch die Araber sich geflüchtet und sieben Städte pel für die Atlantis (s. d.). König Alfons V. trat 1466 die Insel Fayal an seine Tante Isabella, Herzogin von Burgund (Mutter Karls des Kühnen), auf Lebenszeit ab, worauf sich viele Ansiedler aus Flandern auf derselben einfanden. Daher auch der Name der Flandrischen, Flamländischen oder Vlämischen Inseln (Ilhas Flamengas „ den freilich manche davon ableiten, daß ein aufmann Vanderborg aus Brügge die Inseln 1439 zuerst aufgefunden haben soll. Infolge jener Schenkung wurde Jobst von Hürter aus Moerkirchen mit einer flamländ. Kolonie als Lehnsmann und erblicher Statthalter nach Fayal und Pico geschickt. Dessen Tochter Johanna Henalete 1486 den berühmten Kosmographen Martin Behaim (s. d.), der sich 1486—90 und wieder 1494—1506 in Fayal aufhielt. Mit dem Tode der Herzogin Isabella kam Fayal wieder an Portugal, und gleich diesem standen die A. 1580—1640 (Terceira erst seit 1583) unter span. Herrschaft. In neuerer Zeit wurden die Mi. eln dadurch wichtig, daß der Angriff gegen Dom Dal. 1832 von hier ausging. gl. Hebbes, «Nachrichten von den A., besonders der Insel Fayal monf von Rühs, Weim. 1806); Boid, «Deseription of the Azoresd (Lond. 1835); Kerhallet, Description nautique des Agores„ (1858); G. Hartung, «Die A. in ihrer äußern Erscheinung und nach ihrer geognost. Natur geschildert » (Lpz. 1860); Y orelet, Iles Açores. Notice sur histoire naturelle des Agçoreso (Par. (Lond. 1870). Azot, s. Stickstoff. ö

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 304Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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