FeedSäo-Paulo
ErdkundeBrockhaus 1882

Säo-Paulo, eine der südl. Provinzen Brasiliens, wird im N. durch den Rio Grande von Minas-Gerges, im W. durch den Paranä von Matto-Grosso, im S. durch den Paranäpanema von der Provinz Parana geschieden, im SO. vom Atlantischen Ocean, im O. von den Provinzen Rio de Janeiro und Minas-Geraes begrenzt und zählt auf 290876 akm (1883) 1058 950 E., darunter über 15000 Deutsche, eine mindestens ebenso große Anzahl Italiener und (1876) 168 950 Stlaven. Der Küste vorgelagert sind die Insel Säo-Sebastiano und verschiedene Gruppen kleinerer, ebenfalls fruchtbarer und bewaldeter Inseln. Der nördl. Teil des Gestades, Beira mar, ist reicher entwickelt, weil hier die Serra do Mar näher an das Meer herantritt, dagegen ist das südl. Litorale einförmiger, da das Küstengebirge weiter in das Innere zurückweicht. Nach Westen sinden die bis zu 1000 m aufsteigenden Randgebirge in einem von mehrern großen Zuflüssen des Parana durchfurchten Hochplateau ihre Fortsetzung, welches sich zum Parana allnahlich senkt. Während die Abhänge der Serra do Mar und der mit zahlreichen Ausläufern in die Provinz hineinreichenden Serra da Mantiqueira von reichen Urwäldern bestanden sind, wird das westl. Hochland von Campos (Grasfluren) bedeckt, welche eine großartige Rindvieh⸗, Pferde⸗ und Maultierzucht ermöglichen. Im S. des Plateaus finden sich auch Araucarienwälder (Pinhaes), deren Hauptverbreitungsgebiet die drei südlichsten Provinzen des Kaiserreichs sind. Das Klima des tief-Te un Küstenstrichs ist sehr heiß, feucht und zum eil ungesund; hier tritt sogar das Gelbe Fieber auf; dagegen ist die Luft auf den Hochebenen trockener und von einer niedrigern Temperatur (Jahresmittel in der Hauptstadt Säo-Paulo 19 C.). In dem kaiserl. Bergwerk Ipanema bei Soracaba wird Eisen gewonnen, welches dem schwedischen an Güte vollkommen gleich steht; Marmorbrüche eines sehr schönen Gesteins finden sich bei San-Roque; die vorhandenen Braunkohlenlager werden noch wenig ausgebeutet. Unter der Kultur der Kolonialprodukte steht die des Kaffees oben an, die bessern Santos⸗ und Campinassorten sind ein begehrter Handelsartikel. Der Zuckerrohrbau erfreut sich eines bedeutenden Aufschwungs. Auch die Kultur von Baumwolle und Tabak ist nicht unbedeutend. Mais wird wegen der Schweinezucht viel gebaut; Reis, Bohnen, Gerste und Gemüse werden ebenfalls produziert. Die überwiegend von Deutschen begründete oder doch geleitete Industrie der Provinz erstreckt sich bereits auf Baumwollweberei, Eisengießerei, Fabrikation von Tabak, Cigarren und Hüten, Bierbrauerei und Destillerie; auch der Handel findet sich vielfach in deutschen Händen, welche die Verbindung mit dem Mutterlande pflegen. Die besten Häfen der Provinz sind Santos, Porto de Iguapé und Cananea. Trotz ihrer Wasserfülle eignen sich der Parana und seine Nebenflüsse wegen der zahllosen Wasserfälle und Stromschnellen wenig für die Schiffahrt; ebenso wenig der Parahyba, welcher nach seinem obern Laufe hierher gehört. Von den Küstenflüssen kommt nur der guapé in Betracht, da er auf 160 km mit Dampfern befahren wird. Dagegen erschließt das Eisenbahnnetz des Landes mit einer Gesamtlänge von 1408 km die Propinz dem Verkehr. Die erste Ansiedelung legten hier die Brüder Martin Affonso und Pero pez de Souza 1532 unter dem Namen Säo-Vincente an; 1535 wurde das Land denselben durch den portug. König Johann III. als Lehnsherrschaft übertragen, letztere indessen 1710 von der portug. Krone zurückgekauft. Die Hauptstadt der Provinz S. liegt über 5 km südlich vom Oberlauf des Tieté auf einer An-Eadt⸗ 753 meüber dem Meere, ist mit der Hafenstadt Santos, mit Rio de Janeiro und mit dem Innern des Landes durch Eisenbahnen verbunden, Sitz eines Bischofs, eines Appellationstribunals, einer 1827 gegründeten Fakultät für Jurisprudenz und soziale Wissenschaften, einer theol. Fakultät und eines deutschen Konsulats, Mittelpunkt der Industrie der Provinz, zählt etwa 40000 E., darunter 1500 Deutsche, welche einen eigenen Klub mit Bibliothek, eine Zeitung und eine Schule haben, ist gepflastert und nach allen Richtungen von Pferdebahnen durchzogen, und hat eine Kathedrale, einen Regierungspalast, ehemals das 1552 gestiftete Jesuitenkollegium, welchem die Stadt ihren Ursprung verdankt, einen bischöfl. Palast am schönen Jardim Publico, ein Seminar für weibliche Zöglinge, ein Krankenhaus, ein Irrenhaus, ein Theater und mehrere Banken, darunter eine Filiale der Brasilianischen Bank. In der Nähe liegen die vom Staate ins Leben gerufenen und fast ausschließlich von Italienern bewohnten Kolonien Santa-Anna, Gloria, Säo-Caetano und Säo-Bernardino.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 224Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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