Keuchhusten, Stickhusten oder blauer Husten 90551 convulsiva, pertussis, frz. coqueluche, engl. hooping-cough), ein epidemisch auftretender, über den größten Teil der bewohnten Erde verbreiteter ansteckender Katarrh der Luftwege, der namentlich Kinder vom zweiten bis achten 8.OM befällt und sich durch periodische, krampfhafte Hustenlch im charakterisiert. Derselbe zeigt sich vorzüglich im Herbst und Frühjahr und begleitet Masern mißt, sind unter C aufzusuchen. und Scharlachepidemien oder wechselt mit diesen ab. Mädchen und Schwächlinge werden in größerer Anzahl von ihm befallen als Knaben und kräftige Kinder. Einmal Befallene sind meist vor erneuter Erkrankung sicher. Der K. beginnt wie ein gewöhnlicher fieberhafter Husten, von dem er im Ansang nur durch das epidemische Auftreten unterschieden werden kann. Nach wenigen Tagen oder Wochen verlieren sich die tataur cheinungen, und es bleibt nur der Lungenkatarrh bestehen, welcher durch die Sekretion eines sehr reichlichen zähen Schleims ausgezeichnet ist. Die Ansammlung des Schleims im Kehlkopf bedingt zunächst die periodischen krampfhaften Hustenanfälle, die in ihren Außerungen charakteristisch sind. Zuerst wird die Luft langsam, unter einem pfeifenden Geräusch, durch die krampfhaft verengte Stimmritze gezogen und dann durch kurze, schnell abgebrochene Hustenstöße ausgetrieben, worauf wieder das keuchende Einatmen folgt, bis der Schleim in die Mundhöhle gefördert ist. Oft tritt wegen des Drucks auf den Unterleib Erbrechen und mit diesem leichtere Entleerung des Schleims ein. Während des Hustenanfalls ist der Rückfluß des Blutes vom Kopfe geemmt, das Gesicht wird blau, es kommt selbst zu lutungen aus der Nase, dem Ohr, dem Munde, in die Augenbindehaut; ferner, wegen des Drucks auf den Bauch, zu unwillkürlichen Ausleerungen, ja mitunter selbst zu Brüchen. Nach dem Anfall, welcher gewöhnlich 1—2 Minuten, bisweilen aber selbst eine Viertelstunde dauert, befindet sich das Kind völlig wohl. Die Zahl der einzelnen Anfälle + eines Tags ist sehr verschieden; auf der Höhe der Krankheit können sich 30, selbst 40 Anfälle in 24 Stunden einstellen. Nicht bloß der Schleim, sondern auch andere, auf den Kehlkopf wirkende Schädlichkeiten (kalte Luft, Rauch, Staub, anhaltendes Weinen etc.) rufen den Hustenanfall hervor. Mit der Zeit, nach Wochen oder Monaten, verliert der Schleim seine zähe Beschaffenheit, die Reizbarkeit der Schleimhaut läßt nach und die Anfälle werden schwächer, seltener und bleiben zuletzt ganz aus. Verbreitet wird die Krankheit durch ein im Auswurf und Atem der Kranken enthaltenes Kontagium, welches übrigens nicht bloß durch die Kranken, sondern auch durch Gesunde oder durch Wäschstücke und andere Gegenstände, an denen der Auswurf haftet, übertragen werden kann. Nach den neuern Untersuchungen wird der K. durch mikroskopisch kleinste Pilze hervorgerufen, welche sich in den Luftwegen einnisten, in den feinen Luftröhrenverzweigungen und den Lungenbläschen einen entzündlichen Zustand unterhalten und dadurch das charakteristische Symptomenbild des K. hervorrufen. An sich tötet der K. nur in äußerst seltenen Fällen, kann aber durch Zutritt von Lungenentzündung u. dgl. gefährlich werden oder durch Hinterlassung von Lungenemphysem, Brüchen u. dgl. die Gesundheit auf Lebensdauer schädigen. Die Annahme, daß der K. mindestens 18—20 Wochen dauern müsse, ist durchaus unbegründet und verderblich; vielmehr gelingt es bei der nötigen Sorgfalt, die Dauer der Krankheit auf einige Wochen einzuschränken. Bei frischen Erkrankungen sollen die Kinder im Bett gehalten und durch warme Decken in gelinden Schweiß gebracht werden. Das Zimmer muß Tag und Nacht die gleiche Temperatur haben. Ferner muß man die Anfälle abzukürzen suchen, weil hierdurch auch die Dauer der ganzen Krankheit abgekürzt wird. Sobald der Anfall sich (durch Röcheln u. w.) anmeldet, gebe man warme, schleimige Getränke (Brustthee, warmes Zuckerwasser, Milch mit Selterswasser u. 9910 oder eine Lösung von kohlensaurem Kali oder Natron (Sodawasser), sorge auch dafür, daß die Kinder nicht jedem Hustenkitzel nachgeben. Der Schleim muß nötigenfalls mit den —7% aus dem Mund entfernt werden. Daneben eisten öftere Einatmungen feuchtwarmer Carboldämpfe lein-bis zweiprozentiges Carbolwasser, täglich vier-bis sechsmal mittels eines Inhalationsapparats eine halbe bis eine Stunde lang zerstäubt), sowie die Darreichung narkotischer Heilmittel oft vortreffliche Dienste. Da die Krankheit ansteckt (selbst Erwachsene), so trenne man selbstverständlich die noch gesunden Kinder sorgfältig von den schon erkrankten. In besonders hartnäckigen Fällen hilft nur Wechsel des Wohnortes, namentlich Aufenthalt in warmer, reiner Land⸗ und Bergluft.