FeedKrupp
HeilkundeBrockhaus 1882

Krupp oder Croup (in der schott. Volkssprache soviel wie Häutchen), kruppöse Entzündung, kruppöser Prozeß, in der neuen Medizin alle jene, besonders auf der Schleimhaut und auf entblößten Haut- oder Geschwürsflächen vorkommenden Entzündungen, welche eine Ausschwitzung eines eigentümlichen, zwar gerinnenden, daher rahmähnliche Häute (Afterhäute, Pseudomembranen) bildenden, aber nicht zur Gewebsbildung, sondern nur zu eiterigem Zerfall geneigten Faserstoffs verursachen. In diesem Sinne gehören hierher z. B. die Ruhr und die gewöhnliche (sog. kruppöse) Lungenentzündung, Im engern Sinne bezeichnet der Name K. oder häutige Bräune (Angina membranacea) den Kehlkopfskrupp, d. h. eine kruppöse Entzündung der Schleimhaut des Kehlkopfes und der Luftröhre, welche vorzüglich Kinder bis in das 12. Jahr befällt, am meisten bei feuchter und kalter Witterung, bei wehenden Nord⸗ und Ostwinden und in niedrig liegenden, feuchten Gegenden, an Seeküsten, Flüssen u. dgl. zu herrschen pflegt und meist tödlich verläuft. Die Entzündung fängt gemeiniglich mit ziemlich starkem Fieber und mit einer verdächtig klingenden Heiserkeit, bisweilen aber auch ganz plötzlich und unerwartet, ohne alle Vorboten an und verrät sehr bald ihre gefährliche Natur durch die sich einstellende und immer wachsende Angstlichkeit der Kranken beim Atemholen, mühsames, pfeifendes Ein⸗ und Ausatmen, groben, rauhen, bellenden, schließlich ganz klanglosen Ton des Hustens (Krupphusten), oft auch Schmerz im Kehlkopf. Häufig geht eine kruppöse Entzündung im Rachen und in den Mandeln vorher. Die Krankheit bildet sich gemeiniglich schnell, in einem oder einigen rmißt, sind unter C aufzusuchen. Tagen aus und tritt oft in einzelnen Anfällen Tageunchernender⸗ auf, die durch Stunden oder age anscheinender Besserung voneinander getrennt sind. Die häutige Bräune hat ihren Sitz im Kehlkopfe und in der Luftröhre, geht zuweilen bis in die Verästelungen derselben in die Lungen und besteht in einer Entzündung der innern Schleimhaut dieser Teile, wobei sich schnell gerinnbare Ausschwitzungen bilden, welche die Luftwege verstopfen. Oft werden daher mit dem Husten häutige, zuweilen röhrenförmige Stücke dieser Gerinsel ausgeworfen, welche nicht selten vollkommene Abgüsse der Luftröhrenzweige darstellen. Durch die Anfüllung der Luftröhre wird der Zutritt der atmosphärischen Luft in das Innere der Lungen und die belebende Verbindung des Blutes mit dem Sauerstoff der Atmosphäre verhindert; daher die schnell zunehmende Schwäche, die eintretenden Symptome der Kohlensäurevergiftung (bläuliche Verfärbung des Gesichts, Schlafsucht etc.) und der baldige Tod durch Ersticken des Kranken, meist am dritten oder vierten Tage. Von Diphtheritis (s. d.) unterscheidet sich der Kehlkopfkrupp besonders dadurch, daß bei ihm die entzündliche Ausschwitzung nur auf die Oberfläche, nicht wie bei jener zugleich in das Gewebe der Schleimhaut abgelagert wird und nur eine eiterige Schmel—⸗ zung erfährt, wogegen bei Diphtheritis oft die ganze erkrankte Schleimhaut brandig zerfällt. Der K. ist eine sehr mörderische Krankheit, die um so geringere Aussicht auf Genesung bietet, je zarter und kleiner die Kinder sind, die von ihm ergriffen werden; Kinder, welche das siebente Lebensjahr überschritten haben, gewähren die meiste Aussicht auf Genesung. Was die Behandlung der häutigen Bräune anbetrifft, so suche man die Kinder zunächst durch regelmäßige kalte Waschungen des Halses und der Brust gegen ungünstige Witterungseinflüsse gehörig abzuhärten;, gegen rauhe Nordost⸗ und Nordwinde soll man sie unter allen Umständen möglichst schützen, namentlich zu Zeiten, wenn der K. epidemisch herrscht. Fürchtet man, daß bei einem Kinde der K. im Anzug ist, so bringe man dasselbe schleunigst bis zur Ankunft des Arztes in das Bett, versuche es durch warmes Getränk und warme Umschläge auf den Hals zum Schwitzen zu bringen und stelle im Krankenzimmer durch Verdampfen kochenden Wassers oder durch einen Zerstäubungsapparat eine möglichst feuchtwarme Luft her; die weitere Behandlung muß durchaus dem Arzt überlassen bleiben. Die Hauptmittel bei der häutigen Bräune sind: anhaltende Eisumschläge üuber den Hals, bisweilen Blutegel an den Hals, Hautreize, Einatmungen lösender und verflüssigender Mittel (Kalkwasser, Milchsäure, Alkalien etc.), Brechmittel und kalte Übergießungen. Treten trotzdem Erstickungsanfälle ein, so ist nur von der rechtzeitigen Ausführung des Luftröhrenschnittes Rettung zu erwarten. (S. Tracheotomie.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 639Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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