FeedKreiskiemer
Sitten & ModeBrockhaus 1882

Kreiskiemer (Cyclobranchia) werden die Mollusken genannt, deren Kiemen sich an beiden Körperseiten in einer zwischen Fuß und überragendem Mantelrand verlaufenden Furche befinden. Ihre Schale ist nicht gewunden. Hierher gehören die Napfschnecken (J. d.) und die Käferschnecken (s. d.). reislauf des Blutes (circulatio sanguinis) nennt man die von William Harvey (s. d.) 1619 entdeckte ununterbrochene Bewegung des Blutes durch den Körper, welche insofern als ein Kreislauf bezeichnet werden kann, als das Blut aus dem Herzen nach allen Teilen des Körpers hinfließt und von diesen wieder nach jenem zurückkehrt. (S. Herz.) Aus der linken Herzkammer strömt das Blut zunächst in die große Schlagader (arteria aorta), und zwar in den Teil derselben, welcher der aufsteigende (aorta ascendens) genannt wird, ungefähr 28 mm im Durchmesser hat und unmittelbar am Herzen einige Zweige zur Ernährung der Herzsubstanz selbst abgibt. Nicht weit über ihrem Austritt aus dem Herzen bildet die Aorta (s. d.) einen Bogen (arcus aortae), dessen Konvexität nach oben gekehrt und die Ursprungsstelle der KHungenannteno Arterie (arteria anonyma), die sich sehr bald wieder in die rechte Kopfschlagader (carotis dextra) und die rache Schlüsselbeinader (arteria subelavia dextra) spaltet, sowie der linken Kopfschlagader (carotis communis sinistra) und der linken Schlüsselbeinarterie (arteria subelavia sinistra) ist. Nachdem so die Aorta das Blut, welches für den Kopf und die obern Extremitäten bestimmt ist, abgegeben hat, geht sie in ihren absteigenden Teil liaut⸗ descendens) über, welcher längs der Wirbelsäule mit verhältnismäßig kürzerm und sich nach Abgabe vieler Arterienäste immer mehr verkürzendem Durchmesser erst als Brustaorta (aorta thoracica) und dann unterhalb des Zwerchfells als Bauchaorta (aorta abdominalis) bis in das Becken hinabsteigt, wo er sich endlich in zwei Hauptäste, die beiden gemeinschaftlichen Hüftarterien (arteriae iliacae communes), spaltet, welche das Blut zu den untern Extremitäten führen. Die Arterien (s. d.) teilen sich nach und nach in immer kleinere Zweige, bis sie, alle unter der Haut liegenden Teile des Körvers Conversatious-Lexikon. 13. Aufl. X. durchdringend, in die Haargefäße (s. d. ubergehen, in denen die eigentliche Ernährung des Körpers, die Verwandlung eines durch die Haargefäßwände hindurchgeschwitzten Teils des Blutes in die Masse des Organs, welches er berührt, stattfindet. Aus den Haargefäßen geht das Blut wieder in die durch Zusammentreten mehrerer Zweige immer umfangreicher werdenden Venen 6 d.) über, deren Hauptstämme meist an der Seite der Arterien verlaufen, und sammelt sich zuletzt fast vollständig in der obern und der untern Hohlvene (vena cava subeérior et inferior), von denen die obere aus dem Kopfe, die untere aus dem Körper kommt, welche beide nebst den Herzvenen (vVenae cardiacae) in die rechte Vorkammer des Herzens einmünden. (S. die Tafel: Blutgefäße des Menschen.) Das aus den Bauchorganen (Darm, Milz) abfließende Blut sammelt sich in der Pfortader (vena portae), und diese löst sich in der Leber nochmals in ein Haargefäßsystem auf, ehe sich dieses Blut in die untere Hohlvene ergießt. Aus der rechten Vorkammer tritt nun das Blut in die rechte Herzkammer, von da durch die Lungenarterien in die Lungen, aus diesen, nachdem es mit der daselbst befindlichen atmosphärischen Luft in Berührung gekommen und dadurch wieder in vollkommenes arterielles, d. h. sauerstoffhaltiges Blut verwandelt worden ist, durch die Lungenvenen in die linke Vorkammer und von da endlich wieder in die linke Herzkammer, um aufs neue den Kreislauf zu beginnen. Zur bessern Veranschaulichung des Blutumlaufs diene die nebenstehende schematische Figur, in welcher durch Pfeile die Richtun des geben ist; a bezeichnet die rechte Vorkammer, die rechte Kammer des Herzens, c die Lungenpulsader, d das Haargefäßsystem der Lungen, e die Lungenblutader, k die linke Vorkammer, g die linke Herzkammer, h die Aorta, i die Schlagadern und k die Blutadern der obern Körperhälfte, den Bogen und m den absteigenden Teil der Aorta, u die Bauchaorta, o das Haargefäßnetz des Darmkanals, p die Pfortader mit 9 den Haargefäßen derselben in der Leber, r die Leberblutadern, s die untere Hohlader, t das Haargefäßsystem der untern Extremitäten. Man unterscheidet gewöhnlich den großen oder Körperkreislauf und kleinen oder Lungenkreislauf. Ersterer, welcher drei Viertel der gesamten Blutmasse faßt und in der obigen Figur durch die Pfeile in der Richtung ghIms i ka angedeutet ist, bezeichnet den zuerst beschriebenen Lauf des Blutes aus der linken Herzkammer durch alle Teile des Körpers in das Herz zurück, letzterer (mit ungefähr einem Viertel der gesamten Blutmenge) den Lauf aus der rechten Vorkammer durch die rechte Herzkammer, die Lungen und die linke Vorkammer bis in die linke Herzkammer (bedef der obigen Figur). Der eben geschilderte Kreislauf des Blutes ist ununterbrochen, sodaß das ganze Gefäßsystem immer mit Blut gefüllt und kein leerer Raum darin zu finden ist. Die Bewegung dieses zusammenhängenden Blutstroms geschieht durch Zupam, menziehen des Herzens und der Arterien, indem gleichzeitig durch die Klappen im Herzen und in den Venen rückgängige Bewegungen des Blutes verhindert werden. Die Zeit, binnen welcher der Kreislauf sich einmal vollendet, also ein Blutteilchen an dieselbe Stelle zurückgekehrt ist, von welcher es ausging, ist bei verschiedenen Tieren ungleich und zunächst von der Größe des Tieres abhängig. Beim Pferde z. B. vollendet er sich in 25—30 Sekunden, beim Hunde in 15, beim Menschen in etwa 23 Sekunden; durch 26—28 Pulsschläge wird das Blut einmal durch den ganzen Körper getrieben. Die Geschwindigkeit des Blutes ist an den Stellen größer, wo das Strombett enge ist (in den großen Arterien und Venen), geringer da, wo das Bett sehr in die Breite geht; in den Haargefäßen am geringsten. In diesen letztern rückt das Blut in der Sekunde nur um ½ mm fort, in der Carotis dagegen um 300 mm in der Sekunde. Aus der kurzen Zeit, welche zur Vollendung eines Kreislaufs erforderlich ist, erklärt sich einerseits die fast augenblickliche Wirkung mancher direkt in das Blut eingespritzten Gifte, z. B. der Blausäure, der Strychninlösung u. a., andererseits die Schnelligkeit, mit welcher bei Verletzung der dem Herzen nahegelegenen Blutgefäße der Tod durch Verblutung erfolgt. Im Fötus ist der Kreislauf des Blutes ein wesentlich anderer als beim Geborenen. Jener atmet noch nicht und nimmt noch keine Speise in den Darmkanal auf; alles Ernährungsmaterial wird ihm daher vom mütterlichen Körper, und zwar durch Vermittelung der Placenta oder des Mutterkuchens leine Gefäßausbreitung auf der Wand der Gebärmutter) zugeführt. Aus dem Mutterkuchen ergießt sich nun das Blut durch die Nabelvene und den Nabel in den Bauch des Fötus und geht hier teils durch die Leber, teils direkt in die untere Hohlvene. Aus dem rechten Herzen strömt sodann das Blut durch eine große ovale Offnung (foramen ovale) in der Wand der Vorhöfe sofort in das linke Herz, wird dann durch den Körper (nur zu einem kleinern Teil durch die noch nicht aufgeblähten Lungen) getrieben und gelangt durch den Nabel und zwei Nabelarterien, welche mit der Nabelvene im Nabelstrang liegen, wieder zum Mutterkuchen. Die treibende Kraft übt auch beim Fötus das Herz aus. Kollateral⸗- oder Seitenkreislauf nennt man den nach Unterbindung oder Verstopfung einer größern Schlagader sich entwickelnden Kreislauf des Blutes. Wird z. B. die Hauptschlagader eines Gliedes wegen einer heftigen Blutung unterbunden, so wird das Blut nun mit größerer Kraft und in größerer Menge oberhalb des durch die Unterbindung gebildeten Gerinsels (Thrombus) in die Seitenäste des verstopften Gefäßes eingetrieben und gelangt nun vermöge der zahlreichen miteinander kommunizierenden Verzweigungen (s. Anastomo se) auf Seitenwegen zu dem Teile, der eigentlich von dem verschlossenen Gefäß Kollater werden sollte. Die genaue Kenntnis der Kollateralgefäße ist deshalb für den Chirurgen von Wichtigkeit. Vgl. Fick,«Der Kreislauf des Bluteso (Berl. 1872).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 593Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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