Manteltiere (Tunicata), eine Gruppe von Tieren, welche früher zu den Mollusken gerechnet wurden, jetzt aber bald den Würmern angereiht, bald mit den Bryozoen (s. d.) als eigene Klasse (Molluskoiden, s. d.) betrachtet werden. Die Aseidien (s. d., vgl. Abbildungen von Cynthia papillosa, Tafel: Molluskoiden, Fig. 8, Keulenscheide, Clavellina lepadifera, Fig. 5, zu den Ascidien gehört auch die Feuerwalze, Pyrosoma giganteum, Fig. 1) einerseits und die Salpen (s. d., Salpa maxima, Fig. 9) andererseits bilden die wesentlichsten Vertreter dieser Gruppe, die sich besonders durch eine dicke, oft knorpelharte, äußere Umhüllung, den Mantel (Fig. 5, b), auszeichnet, der aus einer der Cellulose ähnlichen Substanz besteht. Charakteristisch sind noch für diese Tiere; ein weiter, nach außen geöffneter Kiemenkorb (Fig. 5, K), auf dessen Grunde sich die Offnung (Fig. 5, m) des gewundenen Darms (Fig. 5, d) befindet, der in einen Kloakenraum (Fig. 5, el) endigt; ein einfacher, zwischen Maul (Fig. 5, e) und After (Fig. 5,2) gelegener Nervenknoten (Fig. 5, u), oft mit einem Sinnesorgan (Auge) versehen; ein Herz, das von Zeit zu Zeit die Richtung ändert, in welcher es das Blut in dem Körper umtreibt. Die Tiere sind Zwitter, ihre Geschlechtsdrüse (Fig. 5, o) liegt weit nach hinten und pflanzen sich außerdem durch Knospung fort, welche bei manchen, z. B. den Salpen, den Muttertieren ganz unähnliche Individuen hervorbringt, deren Junge erst den Muttertieren wieder ähnlich werden. Die Entwickelung der Seescheiden ist oft eine mit komplizierter Metamorphose verbundene; aus dem Ei entwickelt sich zunächst eine freischwimmende Larve (Fig. 10), die einen langen platten Ruderschwanz und einen eirunden Leib hat, an dem sich vorn zwei Haftpapillen (Fig. 3, HP) befinden. Der Mund (Fig. 3, M) führt nach hinten in einen blind endigenden Sack, in den zum Darm (Fig. 3, D) führenden Pharyngealraum (Fig. 3, Ph), vor dem sich nach unten ein anderer Hohlraum ausstülpt, den man die Hirnblase (Fig. 3, H) nennt und in dem ein Sinnesorgan (Auge, Fig. 3, O) liegt. Von unten tritt an dieses Auge eine centrale Nervenmasse (Fig. 3, CN), die in den Schwanz einen Fortsatz, gewissermaßen ein Rückenmark (Fig. 3, Rm) entsendet. Der Schwanz ist weiter gestützt durch einen centralen Strang großer Zellen, den man die Rückensaite (Fig. 3, Ch) nennt. So gleicht die Aseidienlarve, die auch Ascidienkaulquappe heißt, in jeder Hinsicht einem sehr niedern Wirbeltier in hohem Grade und es ist nicht unwahrscheinlich, daß sie einen Ahnenzustand der gegenwärtigen Wirbeltiere repräsentieren. Freilich geht diese hohe Entwickelungsstufe dadurch verloren, daß die Larve sich mittelst der Haftpapillen festsetzt und infolge der Sessilität tritt nun eine rückschreitende Metamorphose ein, bei der namentlich das Bewegungsorgan, der Schwanz, mit der Rückensaite und der Verlängerung des Nervensystems verschwindet. Die Seescheiden sitzen meist am Boden fest und bleiben teils einzeln, teils bringen sie durch Knospung Stöcke (z. B. die Traubenaseidie, Botryllus, 50 2) zu Wege, deren einzelne Individuen in bleibender, organischer Verbindung verharren; die Salpen schwimmen, und zwar bringen die ungeschlechtigen Einzeltiere durch Knospung zu Ketten verbundene Geschlechtstiere hervor, deren jedes wieder aus einem Ei ein ungeschlechtiges Einzeltier erzeugt. über M. schrieben besonders: Milne Edwards, Kowalewski, van Beneden, O. Seeliger (Seescheiden), R. Leuckart, Huxley und Gegenbaur (Salpen).