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Sitten & ModeBrockhaus 1882

Venen oder Blutadern heißen diejenigen Blutgefäße, welche das Blut aus den Haargefäßen des Körpers aufnehmen und zu dem Herzen zurückführen. (S. Herz und Kreislauf.) Nachdem das hellrote, sauerstoffreiche Blut aus den Arterien (s. d. oder Pulsadern in den Haargefäßen zur Ernährung gedient hat, so tritt es in die Blutadern oder Venen über und erscheint nun als Venenblut dunkler, weil es weniger Sauerstoff und mehr Kohlensäure als das arterielle enthält. Nur das Blut der Lungenvenen macht eine Ausnahme; es ist hellrot und sauerstoffreich, indem es in den Lungen Sauerstoff aufgenommen und Kohlensäure abgegeben hat. Weil zwischen die Arterien und V. das Haargefäßsystem eingeschaltet ist, zeigen die V. unter normalen Verhältnissen keinen Puls und das Blut steht in ihnen nicht unter so hohem Druck als das in den Arterien. Daher hören Blutungen aus den V. gewöhnlich von selbst auf. ber ihrem Bau sind die V. von den Arterien, außer durch ihre dünnern und weniger starren Wände, noch iche sch unterschieden, daß sie Klappen besitzen, welche si bei einer Rückstauung des Blutes öffnen und dem Blut den Weg verlegen. Druck auf die V. (durch die Muskeln) befördert also Strömen des Blutes in der Richtung nach dem Herzen. Erweiterung und Verlängerung der V. führt zur Bildung der sog. Krumphadern (. d.). Entzündung der V. bedingt Gerinnung des Blutes in ihnen und führt leicht zur Pyämie (s. d.). Bisweilen verkalken s olche Blutgerinsel und veranlassen sog. Venensteine oder Phlebolithe. Wird das Gerinsel losgelöst, so kann es in das Herz gelangen und aus diesem in Arterien und so den Kreislauf in lebenswichtigen Organen (Lungen, Gehirn) aufheben. (S. Embolie und Thrombose.) Venensteine, s. unter Krampfader. Venerabile (lat., d. i. Hochwürdige, Verehrungswürdige) heißt bei den Katholiken die geweihte Hostie, welche in der Monstranz (s. d.) aufbewahrt, mit dieser im Tabernakel verschlossen und beim Gottesdienst zur Verehrung ausgestellt wird. Veuerische Krankheiten, s. Syphilis. Venéter (grch. Eneter oder Heneter) heißen in der alten Nordtunte zunächst die Bewohner eines Teils der Nordküste des Adriatischen Meeres nördlich von Po und Etsch, die von Herodot zu den barn im gerechnet werden. Von ihren kelt. Nacharn im Polande und in den Alpen ringsum bedrängt, schlossen sie sich, als die Römer zwischen dem ersten und zweiten Punischen Kriege Hwohe von der Pogegend als von Illyrien her Punisch e kamen, an diese an. Nach dem zweiten unischen Kriege sorgten die Römer durch die Anlage der Kolonie Aquileja (181 v. Chr.) dafür, daß ihre Herrschaft in dieser Gegend befestigt blieb. Seitdem gehörten die V., in deren Gebiet Patavium (Padua) der Hauptort war, zur Provinz Gallia Cisalpina, erhielten 89 das lat. Recht, 49 das röm. Bürgerrecht und kamen 42 v. Chr. mit jener zu Italien. In der augusteischen Einteilung Italiens bildete Venetia mit Istrien (Histria) die zehnte Region, deren Hauptstadt Aquileia wurde. Von da an blieb dieser Landschaft bald mit engerm, bald in erweitertem Gebiete dieser Name. Ferner bezeichnet man als V. eine gallische Völkerschaft an der Küste des Atlantischen Meers, nördlich von der Mündung des Liger (Loire). In den Kriegen Cäsars erscheinen sie als seetüchtiges Volk, gegen das die Römer 56 v. Chr. ihre erste Seeschlacht im Atlantischen Meer lieferten und nur nach heftiger Gegenwehr siegreich blieben. Endlich heißen Venedi oder Veneti bei Plinius dem Altern und bei Tacitus die östl. Nachbarn der Germanen, d. h. die Wenden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 153Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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