FeedKrustentiere
TierreichBrockhaus 1882

Krustentiere, Krebstiere (Crustacéa) oder Krebse im weitern Sinne nennt man die nächst mißt, sind unter C aufzusuchen. den Insekten zahlreichste Klasse der Gliedertiere, welche, mit nur wenigen Ausnahmen, im Wasser sich aufhält und offenbar die niederste Stufe der Gliedertiere überhaupt darstellt. Ihr wesentliches Unterscheidungszeichen besteht in der Existenz von meist zwei Fühlerpaaren, mehrfachen Kaufüßen, meist zusammengesetzten Augen und Gliedmaßen an dem Hinterleibe, der bei Insekten und Spinnentieren keine Füße trägt. Der Körper besteht nur selten; aus drei getrennten Abteilungen, meist sind Brust und Kopf zu einem einzigen Stücke, der Kopfbrust (Cephalothorax) verschmolzen. Die dem Munde genäherten Gliedmaßen (Kieferfüße oder Kaufüße) zeigen die größte Veränderlichkeit. Bei einigen schmarotzenden oder festgewachsenen Gattungen verschwinden die in der Jugend vorhandenen Gliedmaßen entweder vollständig oder werden zu Klammern und Klauen umgewandelt. Die Haut ist meistens zu einem festen Panzer erstarrt; die Atmung geschieht gewöhnlich durch Kiemen oder durch die Haut, bei einigen Asseln durch verzweigte Luftsäcke. Die zusammengesetzten Augen stehen häufig auf Stielen. Nur eine Ordnung, die Rankenfüßer, sind Zwitter, alle übrigen getrennten Geschlechts. Bei den meisten findet eine sehr auffallende Metamorphose durch verschiedene Larvenzustände hindurch statt und oft gleichen die Larven (z. B. die der Krabbe, Loêa genannt, s. Tafel: Krustentiere, Fig. 20) den ausgewachsenen Tieren so wenig, daß man sie früher besondern Ordnungen und Gattungen zuwies. K. leben in allen Gewässern und unter allen Zonen, häufig in ungemein großen Mengen; viele sind vortreffliche Schwimmer, andere bewegen sich laufend oder springend. Die niedersten Formen sind Schmarotzer oder an den Boden geheftet im reifern Alter. Bei der Menge der Übergangsformen hat man stets große Schwierigkeiten für die systematische Einteilung gefunden. Man teilt die K. in folgende Ordnungen ein: I. Niedere Krebse (Entomostraca). 1) Blattfüßer (s. d.), Phyllopoda, zu denen der merkwürdige Kiemenfuß (Apus productus, Tafel: Krustentiere, Fig. 1) des süßen Wassers gehört; mit ihnen waren vielleicht die längst ausgestorbenen Trilobiten (s. d.) verwandt (z. B. Calymene aus dem Silur, Fig. 21); 2) Muschelkrebse (Ostracoda) mit zahlreichen kleinen Formen des Meeres und der süßen Gewässer (3. B. Notodromus monachus, Fig. 2); 3) Copepoden (Copepoda), von denen es frei lebende Formen (z. B. den einäugigen Hüpferling des süßen Wassers, Cyclops canthocarpoides, Fig. 3) und parasitische (3. B. die Barschlaus, Achtheres percarum, Fig. 5, die Karpfenlaus, Argulus foliaceus, Fig. 6, der Wurmkrebs, Lernaea branchialis, Fig. 7, auf Kiemen von Seefischen) gibt. Die meisten durchlaufen nach dem Verlassen des Eies eine Metamorphose (. Larve, sog. Nauplius von Cyclops, Fig. 4); 4) Rankenfüßler (Cirripedia), sämtlich Meerbewohner, die im erwachsenen Zustande nach einem freien Larvenstadium wie die Entenmuschel (s.d., Lepas anatifera, Fig. 8) festsitzend werden. II. Höhere Krebse (Malacostraca). 1) Ringkrebse (Arthrostraca), teils Wasser⸗, teils Landbewohner, zu denen die Flohkreb se (Amphipoda, Is. d.J, z. B. Gammarus puleéx, Fig. 9), die Kehlfüßler (z. B. Caprella linearis, Fig. 10), die Asseln (. d., z. B. die auf Fischen schmarotzende Lausassel, Cymothoa oestrum, Fig. 11, die für hölzerne Hafenbauten gefährliche Bohrassel, Limnoria terebrans, Fig. 12, die auf dem Lande lebende Mauerassel, Oniscus murarius, Fig. 13) gehören; 2) Schalenkrebse (Thoracostraca) mit den Untergruppen der Maulfüßer (Stomatopoda mit dem Heuschreckenkrebs (s. d.], Squilla mantis, Fig. 14), der Spaltfüßer (Schizopoda, hierher Mysis vulgaris, Fig. 15, ein Hauptfutter der Seefische); 3) Zehnfüß ler Oecapoda), zu denen die langschwänzigen, echten Krebse (s. Krebse) mit dem Flußkrebs (Astacus fluviatilis, Fig. 16), dem Hummer (s. d.), Garneelen (s. d., z. B. Crangon vulgaris, Tafel: Aquarium, Fig. 4), Garnaten (s. unter Garneelen, z. B. Palaemon serratus, Tafel: Aquarium, Fig. 7) und den Bernhardskrebsen (s. d., z. B. Pagurus Bernardus, Tafel: Aquarium, Fig. 14) gehören, sowie die kurzschwänzigen Krabben (s. d.) mit zahlreichen Arten, wie die Froschkrabbe (Ranina dentata, Tafel: Krustentiere, Fig. 17), die Taschenkrebse (der große, Cancer pagurus, Tafel: Aquarium, Fig. 8, der kleine, Carcinus maenas, Fig. 16), die Landkrabben (z. B. Gecarcinus ruricola von Westindien, Tafel: Krustentiere, Fig. 18) und die Wollkrabben (z. B. die gemeine Wollkrabbe, Dromia vulgaris, Tafel: Krustentiere, Fig. 19) gehören. Die eigentümlichen Schwertschwänze (3. B. der amerik. Limulus polyphemus, Fig. 22) werden von manchen Forschern zu den Spinnen gerechnet. Aus der Litteratur ist als Hauptwerk über die Krebstiere hervorzuheben: Milne-Edwards, «Histoire naturelle des crustacéso (3 Bde., Par. 1834 —41).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 642Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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