Lafette oder Laffete (vom mittellat. fusta, Baum, Holz; davon frz. fat oder affät; ital. fusto, affusto), ein Hauptteil des Geschützes (s. d.), ist das Gerüst zur Aufnahme des Geschützrohrs beim Schießen, welches häufig so dietben ben ist, daß es gleichzeitig zum Transport desselben benutzt werden kann. Die L. als Schießgerüst gewährt dem Rohr eine sichere Unterstützung und gestattet eine bequeme Bedienung des Geschützes, insbesondere ein leichtes Laden und Richten desselben. Im übrigen ist für die Einrichtung der L. der Gebrauchsort von besonderer Bedeutung; demzufolge bilden die L. der Feldgeschütze, Feldlafetten, einen Gegensatz zu denjenigen der übrigen Geschützgattungen, insofern dieselben eine große Schußbereitschaft und Beweglichkeit des ganzen Geschützes gewährleisten müssen. Am nächsten stehen den Feldlafetten die L. der Belagerungs- und derjenigen Festungsgeschütze, welche kiern Erdbrustwehren placiert werden, nur da hier wieder die Rücksicht auf die deckende Brustwehr zu besondern Konstruktionseigentümlichkeiten Anlaß gibt. Geschütze, welche in Kasematten, Panzerständen, auf Schiffen verwendet werden, verlangen eine Lafettenkonstruktion, welche der Beschränktheit des Aufstellungsraums Rechnung trägt. Bei den L. für Geschütze sehr großer Kaliber, wie sie in den Küstenbefestigungen und auf der Marine vorkommen, müssen der großen Gewichte halber alle die Bedienung erleichternden technischen Hilfsmittel zur Anwendung kommen. Während bei den Belagerungslafetten und den in Festungen auf offenem Walle zur Verwendung kommenden L. eine rasche und einfache Translocierung im Auge behalten werden muß, kommt diese bei den letztgenannten Konstruktionen nicht in Betracht. Die Mörser, welche nur unter hohen Elevationen feuern, bedingen Besonderheiten der Lafettenkonstruktion, wie sie bei den Kanonen mit ihren flachern Erhöhungswinkeln nicht erforderlich sind. Jede L. hat zwei Wände, welche das Rohr tragen, in ihrem hintern Teile aber mitunter durch einen Schweif oder Block ersetzt werden. Gehen die Wände auf der ganzen Länge der L. durch, so spricht man von Wandlafetten, sonst von Blocklafetten. Querstücke, Riegel genannt, erhalten die Wände in einer gewissen, der Rohrdicke entsprechenden Auseinanderstellung. Im vordern Teil sind die Wände in der Regel durch eine Achse mit zwei Rädern unterstüttt, mit dem hintern Ende schleifen sie auf dem Erdboden. Eine Richtmaschine dient dazu, dem Rohr die erforderliche Höhenrichtung zu geben. Beschläge bewirken einen festen Zusammenhalt und eine erhöhte Dauerhaftigkeit der L., oder sie vermitteln die Anbringung besonderer Einrichtungen an derselben, wie . zur Aufnahme gewisser Zubehörstücke, zur Handhabung u. s. w. An den meisten L. sind Kasten zur Aufnahme einzelner Teile des Geschützzubehörs angebracht (Lafettenkasten). Die Feldlafetten haben Achssitze oder Wandsitze, welche zum Transport von Bedienungsmannschaften bestimmt sind. Die Kasematten⸗, Schiffs⸗ und Küstenlafetten ruhen meistenteils auf einem Rahmen, d. h. einer seitwärts drehbaren Bahn, welche die Bewegung des Geschützes auf seinem Stande erleichtert; solche L. heißen Rahmenlafetten. Die Feldlafetten werden auf dem gewöhnlichen Boden, die Belagerungs⸗ und Festungslafetten in der Regel auf Holzbettungen aufgestellt. Das Material der L. war früherhin in der Hauptsache Holz, durch Eisenbeschlag verstärkt und ergänzt. Für die Achse und die Richtmaschine wählte man meist Metalle. In neuerer Zeit wird das Holz mehr und mehr durch das Schmiedeeisen und den Stahl verdrängt. Die beiden Tafeln: Geschütze (Bd. VII, S. 889 und 891) enthalten die gewöhnlich vorkommenden Arten von L. Fig. 1 der Tafel 1 zeigt die aus Stahl bestehende L. des deutschen Big. chützes in ihrer Verbindung mit der Protze, Fig. 7 der Tafel II die österr., Fig. 16 die engl. Feldlafette neuester Konstruktion, gleichfalls beide von Eisen. Bei allen dreien ist der senkrechte Abstand der Rohrachse vom Geschützstand in der abgeprotzten Stellung, die sog. Feuerhöhe, etwas über 1 m. Die Richtmaschine des deutschen Feldgeschützes, welche der raschern Bewegung halber eine doppelte Schraube hat, ist in Fig. 4 der Tafel Ibesonders abgebildet. In Fig. 12 und 18, Tafel Isind Belagerungslafetten zur Darstellung gebracht; sie haben, um das Feuer über eine hohe Brustwehr weg zu erleichtern, eine . Feuerhöhe und zwar von 1,8 m. Die L. in Fig. 12 ist in Holz konstruiert, Fig. 18 in Stahl. Fig. 13 zeigt eine hölzerne L. für schwere Mörser in der Stellung zum Schießen; die untere Kante der Lafettenwände ruht auf dem Geschützstande, die Räder berühren den letztern nicht, andererseits würden sie bei der hohen Elevation des Rohres den Rückstoß nicht aushalten. Zum Transport wird der Lafettenkörper Dichges chraubt und die Räder übernehmen ihre Funktion wieder. Letztere rollen auch beim Rücklauf auf den Hemmkeilen empor und befördern das spätere Vorlaufen der L. Eine Mörserlafette aus Eisen für mittlere Mörser zeigt Fig. 5 der Tafel II. In Fig. 17 der Tafel J ist eine Minimalscharten⸗ oder Mündungspivotlafette, wie sie in Panzerbatterien zur Anwendung kommt, abgebildet. Das Geschütz hat seinen Drehpunkt um den vordern Rohrteik, wodurch eine sehr enge Scharte (Minimalscharteß zulässig wird. (S. Küstengeschutze.) Eine sog. Küstenlafette zur Aufstellung in offenen Küstenbatterien ist in Fig. 1 der Tafel 1I dargestellt, pgl. Geschütz, Bo. VII, S. 8944. In den engl. Küstenbatterien findet eine vom schott. Milizkapitän Moncrieff erfundene, unter dem Ramen Monerieff-Lafette bekannte L. Verwendung. (S. Tafel: Küstenbefestigung, Fig. 4.) Das Rohr mit dem Oberteil der L. erscheint nur beim Feuern über der Brustwehr und senkt sich nach abgegebenem Schusse infolge des Rückstoßes so weit, daß es hinter der Brustwehr verschwindet und nun gedeckt geladen werden kann. Zum nächsten Schusse wird beides vermöge eines Gegengewichts, in welchem gewissermaßen die Kraft des Rückstoßes aufgespeichert wurde, wieder in die Barcfen Stellung gebracht. Geschütze, welche in Bergfestungen steile Abhänge von oben her bestreichen sollen, bedürfen einer besondern Konstruktion von L., welche Depressionslafetten genannt werden. Die Schiffslafetten zerfallen in Schiffsrad⸗, Brookwelllafetten und Schiffsrahmlafetten. Die Schiffsraduhrnäms sind für leichtere Geschütze bestimmt, ruhen im vordern Teil auf zwei Rädern, im fetten auf einem Schleifriegel; die Brookwelllafetten dienen für Geschütze mittlern Kalibers, haben ebenfalls zwei Räder und Schleifriegel, sind aber mit einer Taubremse zum Hemmen des Rücklaufs versehen. Schiffsrahmlafetten, für Geschütze bewel Kalibers bestimmt, haben entweder einen beweglichen oder einen eingebauten Rahmen, ersterer hat seinen Drehpunkt im vordern Teil, wenn das Geschütz durch Pforten feuern soll; beim Feuern über die Brustwehr hinweg liegt der Drehpunkt in der Mitte und die L. wird Mittelpivotlafette genannt. Fest eingebaute Rahmen kommen bei Geschützen in Panzerdrehtürmen vor, die betreffenden L. heißen Turmlafetten. Besondere Lafettenarten gibt es noch für die Bootskanonen und für die Landungsgeschütze.