Laufbahn, wirkte nach der Julirevolution als franz. Geschäftsträger in Wien, dann als Gesandter in Brüssel, Madrid, Rom, erhielt 1841 die Pairswürde und starb 18. April 1845 zu Marseille. Charles de Fay, Graf von L., franz. General, der dritte Bruder der beiden obengenannten Generale, wanderte 1792 ebenfalls aus und kehrte 1800 nach Frankreich zurück. Während der Emiration heiratete er die älteste Tochter Lafayettes. Bei-dem Vordringen der Verbündeten 1813 ergriff er die Waffen und nach der Restauration trat er in die königl. Garde. Er starb 1846. Latr., bei naturwissenschaftlichen Namen Ab-Felsen eingeschlossenes schwer zugängliches Thal in der ehemaligen Grafschaft Perche, im franz. Depart. Orne, vom Iton durchflossen, welcher in der Nähe entspringt und gegen NO. in die Eure geht, ist merkwürdig als Stiftungsort des Ordens der Trappisten (s. d.). Von der alten Abtei in dem 4 km entfernten Marktflecken S oligny-la-Trappe 42 km im NO. von Alencon und 15 km im N. von Mortagne), in welchem der Orden jetzt das Kloster L. mit w100 Mönchen, einer Musterwirtschaft mit großartigen Wirtschaftsgebäuden und einer Strafkolonie besitzt, sind nur noch unbedeutende Reste übrig. Das Grab des Abtes Rancé, des Reormators der Grande-Trappe, befindet sich in einer hm zu Ehren errichteten Kapelle des Kirchhofs. Latreille (Pierre André), berühmter franz. Zoolog, geb. 29. Nov. 1762 zu Brives im Depart. Corroze, wurde von Jugend auf durch Neigung dem Studium der Naturgeschichte zugeführt, erhielt später die Professur der Entomologie am Museum der Naturgeschichte zu Paris und wurde Mitglied der Akademie der Wissenschaften. Er starb 6. Fehr. 1833. L. war ein äußerst fruchtbarer Schriftsteller. Unter seinen Werken sind besonders zu erwähnen: (Histoire des salamandreso (Par. 1800), Histoire naturelle des singeso (2 Bde., Par. 1801), (Essai sur Thistoire des fourmiso (Par. 1802), Histoire naturelle des reptiles (4 Bde., Par. 1802), (Histoire naturelle des erustacés et des insectesv (14 Bde., Par. 1802 -5), „Genera crustaceorum et insectorumo (4 Bde., Par. 1806—9), Considérations sur Pordre naturel des animaux, etc.v (Par. 1810), Mémoires sur divers sujets de Phistoire naturelle des insectes, de géographie ancienne et de chronologied (Par. 1819), Familles naturelles du règne animalo (Par. 1825), La Tréemoille (Trémouille, Trimouille), ein altes franz. Geschlecht, hat seinen Namen von einem Ort der Picardie und ist seit Ende des 12. Jahrh. bekannt. — Georges de L., geb. um 1385, war ein Günstling König Karls VII. Anfangs zur burgund. Partei gehörend, für die er 1408 bei Tongern gegen die Lütticher kämpfte, näherte er sich seit 1418 der königl. Partei. Im J. 1427 wurde er Großkämmerer des Reichs und Generallieutenant der Bourgogne. Als Jeanne d'Are auftrat, gehörte L. aber zu denen, welchen die Jungfrau mißliebig ward und vor denen sie März 1430 vom Hoflager 40 L.s Burg Sully floh. Es heißt, ihre Gefangennahme bei Compiegne, dessen nomineller Gouverneur L. war, sei auf dessen Anstiften erfolgt. Im Juni 1433 gelang es seinen Feinden, ihn festzunehmen und so lange eingekerkert zu halten, bis er außer einem Lösegeld seine Entfernung vom Hofe versprach. Im J. 1439 beteiligte er sich an der Revolte des Dauphin Ludwig gegen seinen Vater. Trotzdem ward er aufs neue vom König begnadigt. Er starb 6. März 1446 auf seinem Schlosse Chinon. Louis II. de L., geb. 20. Sept. 1460, befehligte 1488 die Armee Karls VIII. gegen den Herzog von der Bretagne in der siegreichen Schlacht von St.⸗Aubin-du-Cormier und ebenso 1491 bei dem neuen Feldzuge, der die Annexion der Bretagne an Frankreich entschied, und 1495 in dem ital. Feldzuge. Er siegte bei Foro-Nuovo und ward dann Generallieutenant von fünf franz. Provinzen. Ludwig XII. ernannte ihn 1500 wieder zum Oberbefehlshaber in Italien, und L. eroberte Mailand. Im J. 1503 kämpfte er unglücklich in Neapel gegen Gonsalvo von Cordova. Auch an den Kämpfen bei Agnadel (1509), Novara (1513), Marignano (1516) nahm er teil; später kämpfte er in der Picardie gegen die Engländer und 24. Febr. 1525 bei Pavia, wo ihn eine Kugel tödlich ins Herz traf. Latrie (arch.), Gottesdienst, Anbetung. Latrine (lat.), Abort, Abtrittsgrube, Kloake. Latsche, ein namentlich in den Alpengegenden gebräuchlicher Ausdruck für die Berg⸗ oder Knieholzkiefer. (S. Kiefer.) Hier und da wird auch die Alpenerle (s. Erle) Laublatsche genannt. Lattenarrest, eine im preuß. Heere bis 1832 für gemeine Soldaten zulässige schwere Arreststrafe, welche seit 1. Nov. 1832 nur gegen Festungssträflinge verhängt werden durfte und seit der Einführung des Militärstrafgesetzbuchs für das Deutsche Reich am 1. Okt. 1872 auch für diese aufgehoben worden ist. Der L. wurde bis zur Dauer von 6 Wochen in einem Arrestlokale ohne Lagerstätte vollstreckt, dessen Fußboden mit scharfkantigen Latten aus hartem Holze benagelt war, sodaß sich der Arrestant nicht zwischen den Latten niederlegen konnte. Dem mit L. Bestraften wurde der Sold, sowie der Gebrauch von Tabak, Branntwein u. s. w. entzogen; die Verpflegung bestand aus Wasser und Brot. An jedem vierten Tage wurde die Strafe im Lokale des gelinden Arrestes unter Gewährung von warmer Kost und mehrstündiger Bewegung in freier Luft vollstreckt (sog. guter Tag). 27. Latter-Day-Saints (engl., d. i. Heilige des jüngsten Tages), soviel wie Mormonen (s. d.). Lattich, Pflanzenart, s. Lactuca. Lattichfliege, s. unter Garte nsalat. Latude (Henri Masers de), bekannt durch die lange Haft, welche die Pompadour über ihn verhing, geb. 23. März 1725 zu Montagnac in Languedoe, ging als Lieutenant im Geniekorps 28. April 1749 nach Versailles und machte der Pompadour, um sich dieselbe zu verflichten, Mitteilung von einem angeblich gegen sie geplanten Attentat. Die Grundlosigkeit seiner Angaben wurde alsbald entdeckt und L. mußte in die Bastille wandern. Er wurde nun teils hier, teils an andern Orten gefangen gehalten, machte verschiedene Fluchtversuche, die aber unglücklich endeten, und wurde erst 1777unter der 1 entufte freigegeben, daß er seinen Geburtsort nicht verlasse. Da er sich nichtsdestoweniger einmal in Paris sehen ließ, mußte er dafür zu Bictre wieder gefangen sitzen, bis er 1784 die Freiheit erhielt. Beim Ausbruch der Revolution wurde er als ein Opfer des Despotismus der Gegenstand großer Aufmerksamkeit. Die Erben der Pompadour und des Ministers Amelot wurden 1793 zu einer Entschädigungssumme von 60000 Livres verurteilt, wovon L. jedoch nur einen geringen Teil erhielt. Er starb 1. Jan. 1805. Der Advokat Thierry veröffentlichte Le despotisme dévoilé, ou mémoires de L.) rédigés sur les pièces originaleso (3 Bde., Par. 1791—92; 2 Bde., 1793). Latun, s. Lattun. Latus (lat.), die Seite, bezeichnet in fortlaufenden Rechnungen die Summe Einer Seite, welche dann auf die andere Seite als Transport übertragen (transportiert) und hier gewöhnlich die erste Post wird. (Vgl. Laterieren.) —Latus per se, der Betrag einer einzelnen Seite. Lätus (Julius Pomponius L. oder ital. Giulio Pomponio Leto), ein Bastard aus dem Hause der neapolit. Sanseverinen, Fürsten von Salerno, wo er 1425 geboren wurde, war einer der bedeutendsten Humanisten zur Zeit des Wiedererwachens der klassischen Studien. Er erhielt 1457 nach dem Tode seines Lehrers Laurentius Valla dessen Lehrstuhl zu Rom, den er mit einer kurzen Unterbrechung bis zu seinem Tode, 9. Juni 1498, mit großem Ruhme behauptete. L. war mit schwärmerischer Begeisterung für das röm. Altertum erfüllt, dessen Erforschung in epigraph. und antiquar. Hinsicht er seine ganze Thätigkeit weihte. Doch trat er litterarisch wenig hervor. Weit bedeutender als seine schriftstellerische Thätigkeit war die als Lehrer. Latwerge (Electuarium), Arzneimittel von dickbreiiger, musartiger Beschaffenheit, deren gemeinsamer Bestandteil verschiedene Pflanzenmuse 63. B. Pflaumenmus oder Tamarindenmark u. dgl.) oder Sirupe (Zuckersirup oder Honig u. dgl.) sind, in welche man die wirksame Substanz einrührt. Die Muse und Sirupe sollen also bloß den Arzneistoff aufnehmen (Vehikel sein) und den Geschmack desselben verdecken. Zu letzterm Zwecke setzt man den L. auch noch verschiedene Gewürze zu. Vorrätig gehalten wird in den Apotheken fast nur noch die gewöhnliche Laxierlatwerge (Electuarium e Senna s. lenitivum), welche nach der Deutschen Pharmakopöe aus 10 Teilen gepulverten Sennesblättern, 40 Teilen weißem Sirup und 50 Teilen Tamarindenmus besteht. Der von alters berühmte Theriak (s. d.) ist eine L. (Electuarium theriacale) aus Honig, verschiedenen Gewürzen, Opium und Eisenvitriol, die jetzt noch zuweilen in der Thierheilkunde angewandt wird. Latzenzieher (Ziehzunge), s. u. Weberei.