Agau, die noch heute den Grundstock der Bevölkerung bildenden Ureinwohner des abessinischen Alpenlandes. Sie sind zumeist noch Heiden, beten Flüsse (den Takazze), Quellen, Bäume, Sonne, Mond und Tiere (besonders die Kub) an. Unverfälscht haben sie sich in der Provinz Agaumeder erhalten; die A. der Landschaft Semiön sind frühzeitig zum Judentum bekehrt worden und werden jetzt Falascha genannt. Man teilt sie in die folgenden Stämme: 1) die A, des Takazze (Tscheratz-A.) besetzen einen beträchtlichen Teil der Landschaft Lasta am Südgipfel von Tigrie; 2) die A. des Abai (oder eigentlichen Agau) wohnen in der Provinz Agaumeder (8. d.) und zerfallen, wie auch die A. des Takazze in 7 Unterstämme (eine, wie es scheint, bei ihnen für heilig gehaltene Zahl); 3) die Falascha, vielfach, aber mit Unrecht, für „abessinische Juden“ angesehen; - sie wohnen, ausser im Semien, ihrem Hauptsitze, verstreut in den Landschaften Wolkait, Tschelga, Armatschoho und Tagade, auch in Agaumeder und Dembea; sie gelten als diefriedlichste der abessinischen Völkerschaften und liefern das Kontingent der Handwerker (Eisenschmiede, Maurer, Zimmerer etc.); 4) die Huara oder Kuara wohnen in der gleichnamigen Landschaft (s. Huara); 5) die Kamanten oder Kömanten, in verschiedenen Strichen Amharas und Schoas, auch in den Bergländern nahe der Hauptstadt Gondar sesshaft, sind kräftig und kriegsgeübt und halten die von Nubien nach Amhara führenden Pässe besetzt; 6) die Waito (Wato, Woito oder Woto) wohnen am Tana-See und weiter in Amhara hinein, sind ihrer geistigen Beschränktheit wegen bekannt, stehen aber auch im Rufe geschickter Nilpferdjäger; Sie erlegen auch anderes, als unrein betrachtetes Getier (wilde Schweine ete.), fangen Fische und Schildkröten und essen alles dieses Fleisch, weshalb sie als Ketzer in ganz Abessinien verschrieen und verachtet sind; 7) die Zalän schweifen im Norden Amharas, auch an den Ufern des Tana-Sees und auf den Hochebenen von Semien und Wogera umher; 8) die als Elefantenjäger bekannten Fighen an den Grenzen von Agaumeder im Südwesten des Tana-Sees; 9) die Bilen (schon den Kulturvölkern des Altertums als Abylli der Troglodytica bekannt) an der äussersten Nordgrenze von Tigrie, dem als „Sanhait“ bezeichneten Küstenstrich des Roten Meeres (sonst auch Bogos [vergl]. ds.] genannt) mit den wiederum ihnen naheverwandten Mensa. Unsere Kenntnis der A.-Stämme verdanken wir besonders den Forschungs-Reisenden Antoine d’Abbadie, Bruce, Beke, Lefebvre, Rüppell und Hartmann.